Wenn Martin Goldmann inmitten seiner Mitarbeiter steht und den Blick durch die Werkstätten schweifen lässt, lächelt er. Immer noch. „Ich wollte immer zum Theater“, sagt Goldmann. Jetzt leitet er die Werkstätten des Cottbuser Staatstheaters. Mit Freude. Und Leidenschaft. Das sieht man ihm an.

Seine Kollegen in den Abteilungen der Werkstatt bereiten gerade das Weihnachtsballett vor. „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Ein riesiges Gemälde spannt sich über die Wand der Malerei.

Künstler und Schnäppchenjäger

„Die Maler hier sind Künstler“, sagt er. Ganz so einfach sei das nicht, denn welcher Künstler lasse sich schon gern vorschreiben, was er zu malen hat. „So ist das aber am Theater“, sagt Goldmann und deutet auf eine Brunnenpumpe, ein älteres Exemplar, das mitten in dem riesigen Malsaal steht wie bestellt und nicht abgeholt.

Auch die Pumpe gehört zum Bühnenbild fürs Weihnachtsballett. „Bei Ebay geschossen“, sagt Goldmann. Wer für die Werkstatt arbeitet, muss auch Schnäppchenjäger sein.

Warum der Brunnen also dort in der Werkstatt steht, als wolle jemand Wasser aus dem Werkstattboden pumpen, wäre damit geklärt.

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ sei nur angelehnt an Jules Vernes Werk, sagt Goldmann. Im Staatstheater rankt sich die Geschichte um ihre Helden, die sich auf den Weg zum Mittelpunkt der Erde begeben, weil auf der Erdoberfläche das Wasser ausgegangen ist. Die Zahnräder klemmen. Letztere übrigens sind gebaut.

Und wie bei dem Bühnengemälde, das sich durch die Malerei spannt: Die Dimensionen sind überwältigend.

Ein Drachen aus Styropor

Nebenan bauen Goldmanns Kollegen gerade den Eingang ins Erdinnere. Ein bisschen krumm und schief soll er werden, aber nicht zu sehr, sagt Goldmann. Dann wirke das zu operettenhaft.

Goldmann zeigt den Weg in einen Teil seiner Werkstätten, in der das Reich von Claudia Düsing liegt. Düsing ist an diesem Tag nicht im Dienst, was den Blick frei macht auf die Werke der Theatermalerin und –plastikerin.

Bildergalerie Staatstheater präsentiert Spielplan im Branitzer Park

Gerade arbeitet sie an einem riesigen Lindwurm, der im Ballett eine Rolle spielen wird. Noch fehlt die Farbe, noch liegen Styropor-Reste auf dem Boden verstreut. Das verrät, aus welchem Material der Drachen hergestellt wird. Seine Form aber ist perfekt, fast ein wenig furchterregend.

So wie die gruseligen entstellten Babys, die auf einem Regal in vermeintlichen Formaldehyd-Gläsern stehen. Gerade Kinder, die Führungen durch die Theaterwerkstätten mitmachen, bekämen immer wieder große Augen, wenn er erkläre, dass sich darunter herkömmliche Babypuppen aus dem Spielwarenladen befinden, sagt Goldmann.

Das größte Lob, das Düsing einmal bekommen habe, sei die Sorge um die Chorherren in „Die Favoritin“ gewesen. Die nämlich mussten eine Glocke tragen, die viel zu schwer erschien. Dass sie nur aus Styropor war, hatte niemand erkannt.

Schön anzusehen, aber nicht teuer

„Wir arbeiten mit billigen Materialien“, sagt Goldmann. Unnötig viel Geld für echte antike Möbel oder goldene Bilderrahmen zu verschleudern, mache keinen Sinn.

Seit 2008 ist Goldmann am Staatstheater Cottbus, seit 42 Jahren allerdings schon am Theater. Er wollte Klempner werden, sagt er. Dann schlug er das Lehrstellenverzeichnis auf, fand die Angebote an der noch unsanierten Semperoper, sein Wunsch war klar: Er wurde Handwerker am Theater. Und er blieb.

Premiere am 10. November


„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ feiert Premiere am 10. November, 16 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters. Weitere Termine: Sonntag, 17. November, 11 Uhr; Freitag, 22. November, 11 Uhr; Freitag, 29. November, 11 Uhr.

Weitere Termine für den Dezember auf www.staatstheater-cottbus.de.

Tickets gibt es beim Besucherservice des Staatstheaters, auf der Internetseite des Theaters, unter Telefon 0355 481720 und in den Ticketshops der Lausitzer Rundschau.