Miriam Bergmann sitzt auf dem roten Sofa und hat ihren Mac aufgeklappt. Was auf den Besucher wirken könnte, als würde die junge Frau nur mal schnell im weltweiten Web nach Schnäppchen surfen, ist effektiv genutzte Kreativ-Zeit.
Die Drehbuchautorin, Produzentin, Regisseurin hat zwei Filme beim 32. Festival in Cottbus am Start, arbeitet parallel an neuen Buchprojekten, entwickelt eigene Stoffe, bildet sich im seriellen Schreiben fort und lebt mit ihrer quirligen Familie mitten in Cottbus. Da ist jede Minute kostbar.
Beim 32. Filmfestival Cottbus laufen zwei Produktionen von Miriam Bergmann: "Die Bademeusel und die Goldene Spindel" sowie "...Und schon wieder fallen Bomben".
Beim 32. Filmfestival Cottbus laufen zwei Produktionen von Miriam Bergmann: "Die Bademeusel und die Goldene Spindel" sowie "...Und schon wieder fallen Bomben".
© Foto: Ingrid Hoberg
Es sind zwei sehr unterschiedliche Filme, mit denen Miriam Bergmann im Programm des Lausitzer Festivals vertreten ist und die Filmwelt erobern will. Bei „Kids im Kino“ läuft als Vorfilm „Die Bademeusel und die Goldene Spindel“, ein Projekt, das auf dem Kinderbuch des Forster Autors Enrico Schnick basiert. Bei der Realisierung des Films hat sie im Animationsteam mit Sarah Heinrich, Ralf Bohde (Schmusedecke/KiKa) und Ina Gabriel gearbeitet. Für den Sound zeichnet Alex Rubin verantwortlich, die Musik kommt von Matthias Sayer (Lauras Weihnachtsstern) – mit dem Gesang des Cottbuser Kindermusicals unter der Leitung von Ronny Schröter.

Geplant wurde während der Pandemie

„Bei mir liefen alle Fäden zusammen“, erzählt Miriam Bergmann. Es waren nicht nur die üblichen Schwierigkeiten zu bewältigen – es waren drei junge Mütter, die während der Corona-Pandemie immer wieder mit ihrem Kind auf dem Schoß arbeiteten, weil die Kindereinrichtungen gerade geschlossen waren. Per Zoom-Konferenzen liefen die Besprechungen, die Arbeitsplätze waren deutschlandweit verstreut – in Brandenburg, Sachsen und Baden-Württemberg. „Das Team hatte ich aus meinen Studienkontakten zusammengestellt“, sagt Miriam Bergmann. Sie studierte in den Jahren 2005 bis 2010 Kommunikationsdesign an der Merzakademie Stuttgart mit Schwerpunkt Drehbuch und Regie. „Wir wurden damals in vielen Gewerken ausgebildet“, erzählt sie. Dazu gehörte auch das Zeichnen für Animationsfilme, das Drehbuchschreiben, die Produktion – alles, was sie für die Realisierung dieses Projekts einsetzen konnte. Über Crowdfunding war die Finanzierung gelungen.
Empfohlener Inhalt der Redaktion

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich diesen mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt

Sie erklären sich damit einverstanden, dass Ihnen externe Inhalte von Youtube angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Es waren drei Monate hart am Limit, für alle Beteiligten. Doch dann war es geschafft, Miriam Bergmann stellte den Film bei Anke Donnerstag, der Kuratorin von „Kids im Kino“, vor. Nun werden die Bademeusel beim Filmfestival mit ihrer goldenen Spindel auf Zeitreise gehen, hoffen auf gute Resonanz bei den Zuschauern. „Es könnte gerne eine Fortsetzung mit den Abenteuern der Mäuse geben. Wir hoffen, auf dem Festival mögliche Partner für eine Fortsetzung bzw. serielle Umsetzung zu finden“, sagt Miriam Bergmann. Die Finanzierung müsse für eine professionelle Arbeit abgesichert werden.

„Und schon wieder fallen Bomben“ bei der Lausitzer Filmschau

Ganz anders der zweite Film, mit dem sie auf dem Festival präsent ist. Zur Eröffnung läuft am Montag bei der 20. Lausitzer Filmschau im Weltspiegel „… Und schon wieder fallen Bomben“. Miriam Bergmann erzählt, dass sie sich mit ihrem Mann Holger in der Ukraine-Hilfe engagiert, eine junge Mutter und ihre Tochter Sofia einige Wochen in ihrer Wohnung aufnahm. „Die Dreijährige hatte anfangs oft Albträume“, erzählt sie. Das Flüchtlingsschicksal erinnerte sie an die Erzählungen ihrer Großmutter von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Dann habe ihre Tochter sie gefragt: „Mama, was ist eigentlich Krieg?“ So beginnt auch der Film, in dem diese Frage in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgegriffen wird. Drei kleine Mädchen finden sich auf der Flucht wieder. Nur wenige Habseligkeiten nehmen sie in ihren Köfferchen mit. Statt einer unbeschwerten Kindheit finden sie eine Eintrittskarte zum Krieg…
Miriam Bergmann hat ihre Gedanken in ein Gedicht gefasst, das auf Deutsch (Vergangenheit), Ukrainisch (Gegenwart) und Englisch (Zukunft) zu hören ist. Die drei Mädchen agieren ohne große Regieanweisungen vor der Kamera – sind einfach Kinder, die am Ende gemeinsam spielen und Luftballons in den blauen Himmel steigen lassen. Es ist eine Geschichte, die mit einfachen Mitteln erzählt wird, aber unter die Haut geht. Anders als bei den Bademeuseln ist der Film nur mit wenigen Akteuren umgesetzt worden und gerade dadurch so persönlich, so anrührend. Die gute Vernetzung der Autorin in der Region, im Freundes- und Familienkreis hat die Realisierung dieses Filmstoffes in kurzer Zeit mit kleinstem Team möglich gemacht. „Die Idee, was für Kinder Krieg und Flucht bedeutet, hat mich schon länger beschäftigt. Doch dann war es eine spontane Entscheidung, den Film jetzt zu machen. Meine Tochter Holly war gleich begeistert dabei – und auch die anderen Kinder“, sagt Miriam Bergmann.

„…Und schon wieder fallen Bomben“: 20. Lausitzer Filmschau, Montag, 7. November, 19 Uhr, Weltspiegel Cottbus
„Die Bademeusel und die Goldene Spindel“: Kids im Kino, Sonntag, 13. November, 10 Uhr. Stadthalle Cottbus
Infos: filmfestivalcottbus.de

Die Lausitzer Filmschau beim Filmfestival Cottbus

Die 20. Lausitzer Filmschau findet am Montag, dem Vorabend der Festivaleröffnung, ab 19 Uhr im Kino Weltspiegel statt. Insgesamt werden 19 Filme gezeigt, die sich mit Themen der Lausitz beschäftigen. Einzige Bedingung: sie dürfen nicht in einem kommerziellen Kontext entstanden sein und nicht länger als 20 Minuten sein.
Erstmals wird bei der Lausitzer Filmschau neben den üblichen Preisen (Hauptpreis, Sonderpreis der Stiftung für das sorbische Volk, Publikumspreis) auch ein FIlmförderpreis für das beste Filmkonzept vergeben.