Das Ex-dkw, heute Brandenburgische Landesmuseum für Moderne Kunst (BLMK) ist erstmals nicht nur Partner des Cottbuser Filmfestivals, sondern auch Spielstätte. Insgesamt zehn Filmbeiträge, von denen die meisten im BLMK gezeigt werden, beschäftigen sich mit dem Erbe der sozialistischen Architektur-Moderne. Anlass für die Spezial-Filmreihe im Rahmen des Festivals ist das einhundertjährige Bauhausjubiläum. Die Bauhausideen haben den Festivalmachern zufolge die sozialistische Architektur maßgeblich beeinflusst.

Unter dem Stichwort „Brutalismus“ wurde die typische sozialistische Bauweise später verspottet, Zeugnisse der architektonischen Epoche verfallen vielerorts, anderen aber ist neues Leben eingehaucht worden. Für die Festivalmacher ist das Anlass, sich mit der Epoche von auf dem Konstruktivismus fußenden Klassizismus der Stalin-Zeit bis zur monumentalen Sichtbeton-Architektur auseinanderzusetzen.

In dem tschechischen Beitrag „Gebaut für die Ewigkeit – Relikte sozialistischer Architektur“ beschäftigt sich Haruna Honcoop in einer experimentellen Kurzfilmreihe mit der Fragilität der Bauwerke, die für die Ewigkeit gebaut wurden und Geschichte schreiben sollten. In „Heimat des Widerstands“ blickt Ivan Ramljak nach Kumrovec in Kroatien auf ein Monument, das für die antifaschistischen Widerstandskämpfer 1974 erbaut wurde und 1991 mit dem Zerfall Jugoslawiens aufgegeben wurde. Beide Filme sind am Mittwoch ab 17 Uhr im Obenkino zu sehen.

Die Architektur in dem Kurort Zawodzie im schlesischen Ustron ist Inhalt des polnischen Beitrags „Ein Kurort: die Architektur in Zawodzie“ von Ewa Trzcionka. In „Centar“ blickt Ivan Markovic auf das Sava Centar in Belgrad, ein riesiges Kongresszentrum, das Ende der 1970er-Jahre errichtet wurde. Beide Beiträge sind im BLMK am Donnerstag, 19 Uhr zu sehen.

Die Architektur der sogenannten Jugo-Moderne und ihr Verfall spielen in der achtteiligen Dokumentation „Schlafender Beton“ von Sasa Ban die Hauptrolle. Zu sehen sind zwei Episoden der Reihe am Freitag, 19 Uhr, im BLMK.

In „Außerhalb der Saison“ von Andrea Kalinova blickt die Filmemacherin auf das von Jaromir Krejcar erbaute Sanatorium Machnac in der Westslowakei. Der Bau ist seit Jahren dem Verfall preisgegeben. Das Derschprom, das Haus der Staatsindustrie, war 1925 eines der größten Gebäude Europas. Tatjana Kononenko und Matilde Mester nehmen ihn in „Das Haus“ unter die Lupe. Die beiden Beiträge sind am Samstag um 14.30 Uhr im BLMK zu sehen.

„An der Stelle von Stalin“ erzählt die Geschichte des größten Stalin-Denkmals der Welt in Prag. 1955 eingeweiht, 1962 gesprengt, heute ist nur noch der Sockel übrig. „Monster“ beschäftigt sich mit der Geschichte des Bildhauers, der das Denkmal errichten sollte. Im BLMK sind die beiden Beiträge am Samstag um 18 Uhr zu sehen.

Noch bis zum 12. Januar zeigt das BLMK passend zum Thema die Ausstellung „Unbekannte Moderne“, in der ästhtetische und gesellschaftliche Utopien in Malerei, Design, Fotografie und Druckgrafik der 1920er- und 1930er-Jahre zu sehen sind.

Weitere Infos: www.blmk.de