Die Stadthalle liegt nicht nur im Herzen der Stadt Cottbus und ist einer der Veranstaltungsorte des 32. Filmfestivals, dort schlägt auch das organisatorische Herz des FFC. Und dort wird jeder Festivalgast von Auste Serapinaite (38) begrüßt. Sie leitet das Team der Gästebetreuung, zu dem Roberto Anjari-Rossi (43) und Viktoriia Pashchenko (38) gehören. Seit drei Monaten haben sie alles für den freundlichen Empfang der rund 200 akkreditierten Gäste vorbereitet. Sie haben Flüge gebucht, Hotelzimmer reserviert, den Shuttle vom Flugplatz nach Cottbus organisiert, sich um spezielle Wünsche gekümmert. Vor drei Monaten gab es erste Absprachen mit dem Programmdirektor, die dann die Grundlage für die Arbeit der Gästebetreuung geworden sind. Nun in der Festivalwoche muss das kleine Team die Feuerprobe bestehen. In diesen Tagen soll alles klappen, die Gäste sollen sich wohlfühlen.

Manchmal muss man an der Hotelzimmertür klopfen

„Das Timing ist wichtig“, sagt Roberto Anjari-Rossi, der Mann, der seinen Kolleginnen mit einem netten Spruch auch mal beim größten Stress ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Er ist zum vierten Mal beim Cottbuser Filmfestival dabei und mit Auste Serapinaite gut eingespielt. Beide kommen aus Berlin und arbeiten dort bei der Berlinale und beim Jüdischen Filmfestival in der Gästebetreuung. „Manchmal ist es schon eine Herausforderung, den Gast rechtzeitig in den Flieger zu bekommen“, schildert Rossi Hürden des Alltags. Da muss er sich dann auch mal frühmorgens ans Telefon setzen oder gleich an der Tür des Hotelzimmers klopfen gehen.

Acht Sprachen werden im Team gesprochen

Mobiltelefon und Laptop – ohne dieses technische Equipment kommt niemand aus, der sich um die Betreuung von Festivalgästen kümmert. Und ohne gute Kenntnis mehrerer Sprachen auch nicht. Im Team werden acht Sprachen gesprochen: Englisch, Deutsch, Russisch, Ukrainisch, Litauisch, Spanisch, Französisch und Italienisch. Der gemeinsame Nenner ist Englisch, jedes Teammitglied hat eine andere Muttersprache.
Das Team der Gästebetreuung leitet Auste Serapinaite (M.). Sie arbeitet eng mit Viktoriia Pashchenko und Roberto Anjari-Rossi zusammen.
Das Team der Gästebetreuung leitet Auste Serapinaite (M.). Sie arbeitet eng mit Viktoriia Pashchenko und Roberto Anjari-Rossi zusammen.
© Foto: Ingrid Hoberg
Auste Serapinaite ist gebürtige Litauerin und wohnt seit zehn Jahren in Deutschland. Sie studierte Journalismus, Kulturmanagement, Kulturpolitik in Litauen und Schottland, lebte in verschiedenen Ländern, ehe sie nach Berlin kam. „Ich habe dann bei kleineren Filmfestivals angefangen, bei denen nicht so viele Gäste zu betreuen waren“, erzählt sie. Learning by Doing ist ihr Prinzip, das sich nun zum dritten Mal in Cottbus bewährt.
Roberto Anjari-Rossi, in Santiago de Chile geboren, hat an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin studiert und ist selbst Drehbuchautor, Regisseur und Cutter. „El Legado“ heißt einer seiner Filme. Aus dieser Erfahrung heraus weiß er auch, wie wichtig das Festival für Regisseure ist – als Platz, um mit Produzenten neue Projekte zu besprechen.
Viktoria Pashchenko ist Ukrainerin und durch den Krieg nach Cottbus gekommen. Sie hat in Kiew in einem Kino- und Theater-Museum gearbeitet und kümmert sich nun um die Akkreditierung der Festivalgäste. Sie hat endlos lange Listen vorbereitet – und musste dabei sehr gewissenhaft sein, damit sich keine Fehler einschleichen konnten. Sie ist besonders für die ukrainischen Gäste eine wichtige Partnerin, die ihre Muttersprache und Russisch spricht. Deutsch lernt sie gerade erst. Wenn sie es besser spricht, könnte sich Viktoria Pashchenko vorstellen, als Lehrerin oder in einem Museum zu arbeiten.

Ein Traumjob – mit langen Arbeitszeiten

„Gästebetreuung beim Filmfestival ist ein Traumjob“, sagt Auste Serapinaite. Die Tage fordern viel von dem kleinen Team. Meistens kommen die Drei erst nach einem langen Arbeitstag ins Hotel oder nach Hause. Wenn am Sonnabend die Preisverleihung über die Bühne geht, dann hat die Gästebetreuung ihren Dienst geleistet. Doch bis dahin kann es jederzeit Überraschungen geben. „Bei der Event-Arbeit passiert jeden Tag etwas Neues“, sagt Auste Serapinaite. „Wir sind für die Gäste Repräsentanten des Festivals. Von uns hängt ab, welchen Eindruck sie mitnehmen.“
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