Es wirkt ein bisschen wie aus einer anderen Welt. Da werden Hände geschüttelt. Da fällt ein Konzert aus – nicht wegen Corona, sondern wegen des Feiertags. Tanzveranstaltungen sind schließlich verboten. Aber kurz vorher hat die Glocke an der Eingangstür geklingelt. Lene hat die Kneipe übernommen. Jetzt klingelt’s, wenn Klaus zur Tür herein kommt.

Im Kino fast wie Film

Wirr? Ja, ein wenig. „Leif in Concert“ ist am Samstag im Cottbuser Weltspiegel zu sehen. Und ein bisschen wird es so wie im Film. Es kommen Gäste. Fast wie in die Kneipe, in der Lene hinter der Bar steht. Und es gibt Livemusik. So wie immer wieder im Film – und zum großen Finale, als Poorboy spielt.
Poorboy? Ein Däne. Der heißt eigentlich Leif. Deshalb auch „Leif in Concert“. Huch – das Ende verraten? Im dritten Absatz dieses Textes? Nicht schlimm. „Der Weg ist das Ziel.“ – Das klingt fast so wie einer der Glückskeks-Sprüche, die Barbesitzer Klaus (Klaus Manchen) klopft. Apropos Glückskeks: Bei „Leif in Concert“ weiß der Zuschauer fast ebenso wenig, was er bekommt. Es sei denn, der Zuschauer ist Jarmusch-Fan. Dann erinnert der Film von Regisseur und Autor Christian Klandt streckenweise stark an „Coffee and Cigarettes“ – allerdings eher so, wie eine Hommage eben an einen großen Film erinnern will. Nicht wie eine billige Kopie. Das würde bei Jim Jarmusch-Filmen auch zwangsläufig nach hinten losgehen.

Schäbige Kellerkneipe als Szenerie

Aber der Reihe nach. Lene arbeitet in einer Bar, ist gerade erst von einer langen Reise zurückgekehrt und steht jetzt vor der Entscheidung, die Bar zu übernehmen oder nicht.
Der gesamte Film besteht aus den Treffen, die sie in der absolut unhippen und unmodernen Kellerkneipe irgendwo in Deutschland mit den kuriosesten Gestalten hat. Bela B., Schlagzeuger der Ärzte, will gemeinsam mit Mutti (Jule Böwe) eine Handy-App auf den Markt bringen. Robert (Godehard Giese) bringt seinen Billig-Wein an die Frau, die sehr genau weiß, dass da in den Flaschen keine edlen Tropfen warten. Martin Gottschild denkt als Martin über eine Marktlücke auf dem Musikmarkt nach, David Wnendt darf als Klempner im Römerkostüm über die Ostergeschichte philosophieren, während er die Verstopfung im WC beseitigt, Gerichtsmediziner und Medienstar Mark Benecke hat ordentlich Mühe, seine Kakerlaken-Weisheiten an den reichlich uninteressierten Journalisten (Tom Lass) zu bringen, Oma Elisabeth (Katharina Matz) wollte eigentlich nur das Kneipen-Klo benutzen, wird darüber zum neuen Leif-Fan.

Besuch aus Fürstenwalde

Letzterer – also Poorboy – wird am Samstag nicht in Cottbus sein. Dafür aber Fahrenheit 212, eine Deutsch-Rock-Band aus Fürstenwalde, die es mit dem Song „Traumtänzer“ auf den Filmsoundtrack geschafft haben. Zum Filmgespräch kommen darüber hinaus die Macher Regisseur Christian Klandt und Martin Lischke. Als besonderen Gast kann das Weltspiegel-Kino den Schauspieler Godehard Giese begrüßen.
Der Cottbuser Weltspiegel zeigt mit „Leif in Concert“ einen Film, der ohnehin nicht so wirklich ins typische Muster passt. Ein bisschen „Coffee and Cigarettes“ eben, ein bisschen „Die fabelhafte Welt der Amèlie“, viel scheinbare Improvisation ... Zu Corona-Zeiten wirkt die Produktion noch einmal mehr wie aus einer anderen Welt. Ja, da geben sich die Menschen noch die Hände. Ja, da wird’s voll, wenn Leif sein Instrument auspackt.

Wiedersehen mit Prückner

Lohnt sich der Film? Unbedingt. Lohnt sich das Gespräch mit Regisseur und Produzent? Bestimmt – Themenideen bringt das Drehbuch ausreichend. Und: Zumindest auf der Leinwand gibt es ein Wiedersehen mit Tilo Prückner, dem Schauspieler, der Anfang Juli überraschend verstorben ist.
Tickets und Info: www.weltspiegel-cottbus.de; Telefon: 0355 4949497.