Dieter Nuhr in Berlin: Comedian lässt Frust zur Politik raus – so war die Show

Dieter Nuhr tritt im Tempodrom in Berlin auf und nimmt sein Publikum 90 Minuten mit auf eine Reise eines Boomers in der heutigen Generation.
Janine ReinschmidtRuhig und entspannt läuft Dieter Nuhr im Berliner Tempodrom zum Mikroständer, winkt dabei ganz freundlich seinem Publikum zu und lächelt. Eine ausgiebige Begrüßung erfolgt jedoch erst eine halbe Stunde nach Beginn des Comedyevents „Nuhr auf Tour“ im Berliner Tempodrom. Zu groß ist bei ihm der Frust über die aktuelle politische Lage in Deutschland.
Vor allem die SPD-Politikerin Saskia Esken nimmt der Comedian an diesem Abend mehr als einmal in die Mangel. „Das ist Wahlhilfe für die AfD, wenn die Esken in einer Talkshow auftritt“, sagt Dieter Nuhr.
Dieter Nuhr in Berlin: Comedian holt gegen Parteien aus
Doch der mehrfach ausgezeichnete Komiker muss noch mehr angestaute Wut herauslassen. Jede Partei knöpft er sich einmal vor - und betitelt die Grünen als „Stuhlkreis für Geschlechtsneutrale“.
Tja, wo soll das nur hingehen, mit Deutschland? Auf Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten hätte ja nun schließlich auch keiner gewartet.
Und generell seien die letzten drei Jahre der Ampelregierung lediglich Ausbildungsjahre für den Wirtschaftsminister gewesen. „Jetzt kann Habeck auch endlich Ökonomie ohne Fehler schreiben“, sagt Dieter Nuhr.
So schnell rege sich der Comedian immer auf. Dabei wolle er das gar nicht, erzählt der gebürtige Weseler. Aktuell sei das aber alles nicht so einfach. Der Frust gilt aber auch allen Putin, Hisbollah und Hamas-Sympathisanten, bevor er kurz danach von seiner Ankunft in Berlin mit der Deutschen Bahn spricht – zumindest beginnt die Show pünktlich um 20 Uhr, also kann es so schlimm nicht gewesen sein.
Dafür aber wohl eher eine Fahrt mit der Berliner U-Bahn oder den Öffis, den Begriff findet Nuhr makaber. „Dort sitzen sowohl das Chanel-Täschchen und jene, die die Tasche öffnen können“, sagt der 63-Jährige. Aber es gäbe auch noch eine andere Art von Menschen in Berlin – nämlich Eltern, die mit einem Lastenrad durch die Stadt fahren. „Den Klimawandel stoppen die damit nicht“, führt der Kabarettist fort.
Dieter Nuhr spricht über Hallumikäse und Avocados
Im gleichen Zug spricht Dieter Nuhr über Veganismus und quietschenden Halloumikäse auf dem Grill. „Bei dem Kaugeräusch fallen ja die Blaumeisen auf den Grill – Huch, schon wieder Fleisch auf dem Teller“. Dabei kommt der Comedian direkt auf die Trend-Frucht Avocado zu sprechen, die bei jungen Leuten sehr beliebt ist. „Eine gute Umweltbilanz hat die Avocado nicht - nämlich über 10.000 Kilometer Transport im Flugzeug“.
Dieter Nuhr schafft es, kontroverse Themen wie Geschlecht, Sexualität und Politik so herüberzubringen, dass das Publikum auch nach 1,5 Stunden nicht genug von der Show bekommen kann und über seine Witze lacht. Immer wieder vergleicht er soziale und politische Themen von früher mit heute. „Damals haben wir uns über das Geschlecht keine Gedanken gemacht. Erfahrungsgemäß wusste man, dass man eine Vagina vor sich hat – und ich habe mich noch nicht vertan“, erzählt er.
So ein wenig Nostalgie kommt trotzdem auf, als sich Dieter Nuhr daraufhin an seine Freibadzeit im Sommer erinnert. „Die Mädchen im Bikini standen am Beckenrand und wir haben sie ins Wasser geschubst. Das war ein pubertierendes Paarungsritual“.
Bevor die Veranstaltung zu Ende geht, munkelt Dieter Nuhr weiter über die Zukunft Deutschlands. Ob KI uns die Jobs wegnimmt? „Das wäre ganz schön dumm, wenn die künstliche Intelligenz freiwillig arbeiten will“, sagt er mit einem Lächeln. Wobei es ja mittlerweile Hightech-Toiletten gäbe, die schon erstaunlich seien. „Da gibt es Toiletten, die sind intelligenter als jene, die sie nutzen“. Aber ein Roboter, der die Arbeit eines Klempners ersetzen würde, sei unwahrscheinlich, wie Dieter Nuhr findet. „Frühstückspause, ins Klo greifen und mit der gleichen Hand danach eine rauchen – ne, das kann ich mir nicht vorstellen“, erzählt der 63-jährige Boomer.


