Schreiben Sie doch an Ihrer Lebensgeschichte! Oder, ihr jungen Leute, fragt die Großeltern per Telefon aus über Dinge, die ihr schon immer einmal von ihnen wissen wolltet! An gut gemeinten Ratschlägen, sich in dem von der Coronakrise auf den Kopf gestellten Alltag sinnvoll zu betätigen, mangelt es nicht. Aber ist das so einfach? Wo fängt man an, wenn Jahrzehnte betrachtet werden sollen? Oder falle ich im Telefonat mit Oma und Opa gleich mit der Tür ins Haus?

Die in der Lausitz gut bekannte Berlinerin Katrin Rohnstock hat sich darüber Gedanken gemacht.Wenn es um Lebensgeschichten, aber auch Firmen- und Ortsgeschichten geht, hat sich ihr Team einen Namen gemacht. Mehr als 400 Bücher sind so seit 1998 entstanden. Jetzt lädt die 59-jährige Firmenchefin Enkel, Eltern und Großeltern zu kostenlosen Echtzeit-Fragerunden im Internet ein.

Es geht um Erinnern und Erzählen in Corona-Zeiten. „Ein Experiment, das meine Kollegen und ich ohne großen Vorlauf wagen“, sagt Katrin Rohnstock. In YouTube-Live-Sitzungen gibt sie immer dienstags Empfehlungen und Anregungen, wie sich jeder mit der eigenen oder der Biografie eines Verwandten beschäftigen kann. Neben Katrin Rohnstock sollen Expertinnen und Experten aus ihrem Team zu Wort zu kommen – etwa Autobiografiker, Grafiker, Schreibforscher und Salonnièren.

Youtube So funktioniert das Erzählen in Coronazeiten

Wie erzähle ich meine Lebensgeschichte?

Aus langjähriger Erfahrung weiß Katrin Rohnstock, dass schon zu Beginn des Aufschreibens einer Lebensgeschichte fast unüberwindlich erscheinende Fragen auftauchen: Wie fange ich an? Wie gehe ich weiter vor? Welche Struktur soll der Text haben? Oder, schreibe ich täglich? Die ersten Tipps, die nicht zu verallgemeinern seien, hat die Expertin bereits parat: „Mit einem Schlüsselerlebnis beginnen.“

Auch sollte sich der Schreiber nicht gleich zu viel vornehmen, einen Rhythmus finden. Für den Dialog, in dem die Enkel ihre Großeltern befragen sollen, hat Katrin Rohnstock einen Test unter 18- bis 25-Jährigen gemacht. Dabei ist Rohnstock aufgefallen, dass Fragen wie „Was hast du falsch gemacht? Was bereust du?“ dominierten. Das empfindet die Expertin als eher unpassend, um ins Gespräch zu kommen.

Rohnstock rät zu dieser Einstiegsfrage: Wie hast du Krisen und Niederlagen überwunden? „Die Antworten sollten möglichst eine Geschichte sein, um daraus vielleicht auch etwas fürs Leben mitzunehmen.“

Senftenberg/Finsterwalde

Coronakrise: Fünf Tipps gegen die Einsamkeit

1. Bleiben Sie in Kontakt – per Videokonferenz

Um die soziale Isolation zu überwinden, rät Erzählsalon-Gründerin Katrin Rohnstock, auf soziale Medien, Messenger-Dienste und Videotelefonie ausweichen: Bei eine Videokonferenz könne man fragen, wie ältere Bekannte und Verwandte frühere Krisen bewältigt haben.Rohnstock sagt auch, dass es hilfreich sei, Corona auch mal beiseite zu schieben: „Erzählen Sie einander Ihre Geschichten dazu, was Sie normalerweise in dieser Jahreszeit bewegen oder ermuntern würde – zum Beispiel Erinnerungen an Frühlingserlebnisse oder Osterfeiertage.“

2. Sortieren Sie Ihre Fotos, notieren Sie die Erinnerungen.

Online-Fotobücher oder privates Foto-Tagebuch anlegen: Jetzt, in Coronazeiten, ist laut Katrin Rohnstock der richtige Zeitpunkt dafür. Ihr Tipp: „Suchen Sie sich ein Foto heraus, zu dem Ihnen eine lustige, schöne, traurige oder dramatische Geschichte einfällt. Vergessen Sie nicht zu erwähnen, wo und wann das Bild entstanden ist, wer und was darauf zu sehen ist.“ Kann später als Weihnachtsgeschenk verwendet werden.

3. Befragen Sie die Älteren am Telefon – und hören Sie zu.

Für ältere Menschen ist laut Katrin Rohnstock das Telefongespräch am wichtigsten. Viele Ältere seien nicht im Internet unterwegs. Rohnstock rät dazu, Ältere mit einzubeziehen, im Gespräch von deren Erfahrungsschatz zu profitieren: „Ermuntern Sie sie am Telefon, Ihnen ein Stück davon abzugeben. Haben Sie keine Angst, direkte Fragen zu stellen.“

Einsteiger-Tipp: Wie Sie Ihre Lebensgschichte aufschreiben

4. Schreiben Sie auf, was Sie erlebt haben.

Jetzt wäre auch der Zeitpunkt, die eigene Lebensgeschichte zu notieren. „Ich empfehle Ihnen, mit einer Geschichte zu beginnen, die ein Schlüsselerlebnis in Ihrem Leben war“, sagt Katrin Rohnstock. Hilfreich sei eine Liste mit den persönlich wichtigsten Lebensmomenten.

5. Sprechen Sie sich mit Freunden aus.

Wenn einem die Decke auf den Kopf falle, ist laut Katrin Rohnstock ein Anruf bei einem Freund, Arbeitskollegen oder einen Verwandten hilfreich. „Bitten Sie ihn ohne Umschweife um Gehör“, sagt Rohnstock. Ihre Erfahrung: Die meisten helfen gern und fühlten sich geehrt.

Ausführliche Tipps auf rohnstock-biografien.de

Chancen der Lausitz – ein Lesebuch


In der Lausitz ist Rohnstock Biografien in drei Veranstaltungsreihen von 2015 bis 2019 mit Bewohnern in fünf einst vom Bergbau geprägten Orten, mit Unternehmer*innen und Gründer*innen ins Gespräch gekommen. In den von Rohnstock kreierten Erzählsalons ging es Lebensgeschichten und Strukturwandel in der Lausitz, um Wünsche für die Zukunft.

Der Schritt in die Selbstständigkeit war ebenso Thema wie Chancen und Herausforderungen des Unternehmerseins. Es wurden Fragen aufgeworfen und erörtert wie: „Wie ich den Wandel in der Lausitz mitgestalte“, „Wie ich lernte, mein Unternehmen zu führen“ oder „Wie wir neue Märkte erschlossen haben“.

Die daraus entstandene Anthologie „Chancen der Lausitz“ – mit Mitteln des Brandenburger Wirtschaftsministeriums finanziert – macht auf 180 Seiten erfahrbar, welche neuen wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven Veränderungen eröffnen können. Neuauflage als kostenloser Download:

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