BLMK in Cottbus
: Melancholie im Dieselkraftwerk – Ausstellung für den Herbst

Was war typisch für die DDR-Kunst der 1980er-Jahre? Das BLMK in Cottbus hat in seine Bestände geschaut – und ein besonderes Zeitgefühl gefunden.
Von
Thomas Klatt
Cottbus
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Uwe Pfeifer, Landschaft mit Motorrad, 1973, Öl auf Hartfaser © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Uwe Pfeifer, Landschaft mit Motorrad, 1973, Öl auf Hartfaser © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

BLMK
- Ausstellung "Melancholie" im BLMK Cottbus zeigt DDR-Kunst der 1980er - Werke von 30 Künstlern, darunter Behrendt, Metzkes und Quevedo, thematisieren Leere und Vergänglichkeit.- Besonders stark reflektieren Werke auf politische DDR-Entwicklungen und das Gefühl der Vergeblichkeit.- Parallel dazu: "Berlin siebdruckt" mit Schenkung von Hubert Riedel im BLMK.- Ausstellungen bis 17.11., Di-So 11–19 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Diese Leere, diese entsetzliche Leere. Das Warten, diese Ungewissheit. Was wird morgen sein? Es sind düstere Gedanken, die zunächst im Inneren der Künstlerpersönlichkeit ihr Bild finden. Viele nennen es: Melancholie. Die steht jetzt im Mittelpunkt einer Ausstellung im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus. „Melancholie. Ästhetik der Vergänglichkeit und Leere“ ist ihr Titel. Ihr Thema: die dunkle Seite der Seele. Arbeiten von 30 Künstlern, die zwischen 1930 und 2010 entstanden und alle aus der Sammlung des Hauses stammen, spiegeln zweifelnde Gedanken wider.

Der aus dem Griechischen stammende Begriff der Melancholie kann mit „schwarzer Galle“ übersetzt werden. Schon in der antiken Heilslehre galt sie als Ursache für vielerlei Leiden. Erst die moderne Medizin klärte mit Fachbegriffen wie Depression, Angststörung oder Sozialphobie besser auf.

Ein Gefühl der Vergeblichkeit

Ein besonderer Aspekt dieser Schau sind die Selbstreflexionen von Künstlern wie Falko Behrendt, Manfred Butzmann, Christa und Lothar Böhme, Trak Wendisch, Harald Metzkes, Lea Grundig, Max Uhlig und anderen. Allesamt Künstler, deren Arbeiten sich in der Sammlung des Museums finden lassen. Manche Werke waren bereits in Cottbus und Frankfurt (Oder) zu sehen. Hier werden sie nun in einen neuen sozio-künstlerischen Aspekt gestellt – und es erstaunt, welch neue Blickwinkel entstehen.

Besonders auffällig sind jene Arbeiten, die auf politische Entwicklungen in der DDR reagierten. Wohl kaum ein Künstler hat sich in der DDR aus der Realität herausgehalten. Manche gingen in offene Opposition, manche verließen das Land, andere machten ihren Frieden oder behaupteten eigene Positionen. Wieder andere zogen sich zurück in die innere Immigration. Es entstand eine Kunst, die typisch war für die DDR. Eine Kunst des Abwartens, das Gefühl, hingehalten zu werden. Dass sich in den Jahren 1989/90 alles ändern würde, war intuitiv nicht vorauszusehen.

So entstanden Bilder, die nicht nur Einsamkeit und Rückzug widerspiegeln, sondern auch ein melancholisches Gefühl der Vergeblichkeit. Das dialektische Prinzip einer immerwährenden Veränderung des Lebens und der Gesellschaft – obwohl ständig gelehrt – schien hier nicht zu gelten. Spätestens ab Mitte der 1980er-Jahre regierte die bleierne Zeit. Aber manchmal half ein kleiner Trost, eine melancholische, oft nach innen gerichtete Sicht.

Warten auf Unbestimmtes

Da ist die „Frau mit Fernseher“ des Berliners Trak Wendisch von 1986, ein einsamer Akt, ausgeliefert den medialen Plattheiten. Harald Metzkes malt 1986 „Anna“, auch sie eine junge Frau, die verunsichert in den Raum hineinblickt. Manfred Böttcher malt 1974 einen „Sportplatz“ im Prenzlauer Berg. Still wie eine unbetretene Landschaft, liegt er vor ihm. Auch in Manfred Kastners Farblithografie „Abfahrt“ spiegelt sich ein Gefühl des Wartens auf etwas Unbestimmtes. Und Konrad Knebel hält 1974 in Öl eine „Straße in Karl-Marx-Stadt“ fest. Die Fabriken braun, der Himmel grau, ein übliches Transparent jener Zeit überspannt die Straße. Die Schrift ist nicht mehr erkennbar. Für den Künstler ist es unwichtig, es würde ohnehin nichts ändern, so seine Botschaft.

Ernst Schroeder, Fischerhütte auf Usedom, 1956, Öl auf Pappe © Nachlass Ernst Schroeder

Ernst Schroeder, Fischerhütte auf Usedom, 1956, Öl auf Pappe © Nachlass Ernst Schroeder

BLMK

Und Núria Quevedo, deren Eltern vor der spanischen Franco-Diktatur flüchteten, sieht sich mit der Lithografie-Serie „Das Leben ist Traum“ am Ende der 1980er-Jahre auf verlorenem Posten. „Die Ehre, die man dem König entbietet, ist etwas Geliehenes“, zitiert sie den spanischen Dichter Pedro Calderón de la Barca (1600-1681). Die Ausstellung im Cottbuser Dieselkraftwerk mit bekannten Werken unter neuem Blickwinkel kuratierte der Museums-Volontär Christopher Straub. Gut, dass er diese Chance erhielt.

Ausstellungen „Melancholie. Ästhetik der Vergänglichkeit und Leere“ und „Berlin siebdruckt. Hubert Riedel und ZWÖLF“, beide bis 17.11., Di-So 11–19 Uhr, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Dieselkraftwerk, Uferstraße/Am Amtsteich 15, Cottbus, www.blmk.de

Eine Schenkung für das Museum

Parallel zur Schau „Melancholie“ zeigt die Ausstellung „Berlin siebdruckt“ Arbeiten des Berliners Hubert Riedel. Es handelt sich um eine Schenkung an das BLMK von 2023. Präsentiert werden etwa 100 Arbeiten, die den Variantenreichtum des Siebdrucks veranschaulichen sollen. Riedel (1948–2018) gestaltete – wenngleich autodidaktisch gebildet – von 1976 bis 1986 als Hausgrafiker alle Drucksachen der Berliner Stadtbibliothek. Ab 1987 war er als freischaffender Grafikdesigner tätig, hauptsächlich als Plakat-, Buch- und Ausstellungsgestalter. Zugleich sind Drucke aus dem Berliner Grafikstudios ZWÖLF zu sehen.