Ausstellung in Branitz
: Christian Gottlob Hammer entdeckte Spreewald für die Kunst

Der Maler Christian Gottlob Hammer ist nicht so bekannt wie Caspar David Friedrich oder Karl Blechen. In Branitz will man das nun ändern.
Von
Thomas Klatt
Cottbus
Jetzt in der App anhören
Christian Gottlob Hammer: Lehde bei Lübbenau, 1851

Christian Gottlob Hammer: Lehde bei Lübbenau, 1851

<em>&nbsp;Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz</em>

Groß ist sie nicht, die neue Ausstellung im Branitzer Schloss. Seit Donnerstag ist sie zu sehen und wurde mit einer Open-Air-Party launig eröffnet. In einer Laser-Show projizierte das Künstlerkollektiv Art Frontale Arbeiten Cottbuser Künstler wie Mona Höke, Hans Scheuerecker, aber auch Altmeister Carl Blechen auf die Schloss-Fassade. Die Hauptperson des Abends bleibt dennoch ein anderer: Der sächsische Maler Christian Gottlob Hammer (1779–1864), bereichert zu seinem 245. Geburtstag in der oberen Schlossetage Werke der Cottbuser Blechen-Sammlung. Auch der Titel ist partygerecht salopp gewählt: „Hammer im Spreewald“ heißt die Schau mit etwa 20 Arbeiten, zumeist kleinformatigen Aquarellen, Zeichnungen und Stichen.

Christian Gottlob Hammer, heute weniger bekannt als seine Zeitgenossen Caspar David Friedrich und Carl Blechen, gilt als herausragender Vertreter der sächsischen Romantik. In der einflussreichen Dresdner Kunstakademie war er seit 1816 Mitglied und seit 1829 Professor. Goethe, der sich mit Caspar David Friedrich immer schwertat, lobte hingegen Hammers Arbeiten und schätzte ihn als „geschickten Landschaftszeichner“. Um 1810 erwarb er einige seiner Blätter.

Frühes Marketing für den Spreewald

Als Zeichenlehrer war Christian Gottlob Hammer der gräflichen Familie zu Lynar auf Lübbenau freundschaftlich verbunden. So gilt er als einer der ersten Zeichner, der die Landschaft des Spreewalds als Bildmotiv entdeckte. Sind den Einheimischen heute die Touristenströme oftmals lästig, war damals die einzigartige Lagunenlandschaft nur Wenigen bekannt. Hammer leistete hier so etwas wie frühes Marketing, denn ab 1819 entstanden viele farbintensive Arbeiten.

Hammer-Ausstellung im Chamoiszimmer im Schloss Branitz

Hammer-Ausstellung im Chamoiszimmer im Schloss Branitz

<i>&nbsp;Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz</i>

Der heutige Schlossherr von Lübbenau, Graf Rochus zu Lynar, gilt als ein von Allüren freier, sympathischer Schlossherr und Hotelchef. Gern verleiht er „seinen“ Hammer nach Branitz in unmittelbare Nachbarschaft von Blechens Arbeiten. Die kleinformatigen Aquarelle heißen präzise nach ihrem Sujet: „Spreewaldbrücke“, „Spreewaldmühle im Mondschein“ oder „Lehde bei Lübbenau“.

Rochus zu Lynar hat vorgesorgt. Von seinen Hammer-Bildern gibt es Reproduktionen, die in den Gästezimmern des Hotels zu sehen sind. Und bei der Ausstellungseröffnung verspricht er: Hammer langweilt nicht. Man fühlt sich wohl mit seinen Bildern. Auch übrigens, was die übergroßen Reproduktionen im Lübbenauer Schloss-Anbau angehe. Die Details würden auch in der Vergrößerung bestechen.

Verbindungen zum 20. Juli 1944

Für die Sammlung Hammer gab es nach dem Zweiten Weltkrieg eine historische Schrecksekunde. Die Adels-Familie wurde im Osten Deutschlands verfemt, während ihre Mitglieder im Westen noch Jahre als Vaterlandsverräter galten. Der Großvater von Rochus, Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar gehörte zu den Verschwörern des 20. Juli 1944 und wurde wenige Wochen nach dem gescheiterten Attentat hingerichtet.

Die Familie, bereits von den Nazis enteignet, gerät in finanzielle und wirtschaftliche Bedrängnis – bevor die Familie Deutschland verließ und erst Jahrzehnte später zurückkehrte. Eine Idee, die schnell wieder aufgegeben wurde: Der Verkauf der Sammlung Hammer sollte die Not lindern. Zum Glück kam es dazu nicht. Der Familienrat beschloss: Die Sammlung muss bleiben. So blieb Hammer ein Spreewälder – zumindest seine Bilder.

Ausstellung „Hammer im Spreewald“, Schloss Branitz, bis 28.10., geöffnet 10 bis 17 Uhr, außer Dienstag