Von Ida Kretzschmar

Verkehrsschilder weisen den Weg durch den täglichen Wahnsinn und ebenso durch diese Ausstellung. Auch wenn sie sich eher im Hintergrund halten, machen sie uns bewusst: Alle sind Verkehrsteilnehmer. Ob mit Auto, auf dem Fahrrad, als Fußgänger oder wie auch immer: Jeder versucht sich durchzuschlängeln. Niemand kann sich dem Mobilitätsdrang der modernen Gesellschaft entziehen.

Auch Karikaturisten nicht. Natürlich haben sie ihren ganz eigenen Blick auf das „Verkehrsgeschehen“, wie rund 100 Arbeiten von 44 prominenten Zeichnern zeigen, die seit Freitag in der Galerie Haus 23 in Cottbus zu sehen sind.

Ausgewählte Arbeiten von Harm Bengen, Barbara Henniger, Kriki, Til Mette, Andreas Prüstel, Reiner Schwalme, Klaus Stuttmann und anderen Meistern der satirischen Zeichnung kamen direkt aus dem Luckauer Cartoonmuseum nach Cottbus. Sie gaben den Auftakt und werden bis zum 23. Februar den Background für das 24. studentische Satirefestival bilden.

Andreas Prüstel lässt Opa mit den Bremsen sprechen. Markus Grolik kommentiert den nicht enden wollenden Abgasskandal: „Entscheidend ist doch nicht, was hinten rauskommt, sondern, dass es nicht rauskommt.“ Erich Rauschenbach sinniert über Benzinpreise. Jan Tomaschoff entwirft die Vision vom ehrlichen Diesel. Während Harm Bengen selbstmordende Autos zeichnet, sind es bei Bettina Bexte und Klaus Stuttmann (vielen bekannt als Zeichner für die RUNDSCHAU) selbstfahrende Autos. Und Uwe Krumbiegel hat genau beobachtet, wie Radfahrer gewöhnlich Ampeln interpretieren...

„Verkehrgeschehen“ – skurril und humorvoll widergespiegelt. Da wird das obskure Geschehen festgehalten, wenn Menschen mittels Maschinen aufeinandertreffen, Fortbewegungsmittel zu Prestigeobjekten werden und sich jeder im Recht glaubt. Die Schau wurde vom Cartoonlobby-Verein, der auch das Cartoonmuseum in Luckau betreibt, zur Verfügung gestellt und ist nicht die erste bemerkenswerte Zugabe in der Galerie Haus 23 zum Satirefestival. Festivalchef Andreas Gaber hatte vor vier Jahren die Idee, die Bandbreite zu erweitern. „Er dachte an Kunst, wir öffneten ihm die Räume dafür. Seitdem arbeiten wir einmal jährlich zusammen“, sagt Birgit Dworak, stellvertretende Vorsitzende des Kunst- und Kulturfördervereins Cottbus Galerie Haus 23.

„Verkehrsgeschehen“ ist zugleich die erste Ausstellung im letzten Jahr des Bestehens der Galerie. „Wir werden noch drei weitere Ausstellungen haben, eine Kunstauktion und ein Abschiedsfest. Am 15. September schließt die Galerie“, erklärt Matthias Körner, der zu ihren Gründern gehörte und noch heute im Galeriebeirat ist: „Es waren 30 schöne Jahre. Alles hat seine Zeit, nun ist es an der Zeit, dass Neues entsteht“, sagt er und verweist darauf, dass gerade jungen Künstlern, auch durch den Jugendförderpreis, der gemeinsam mit der Sparkasse Spree-Neiße vergeben wurde, Chancen eröffnet wurden. Es gab Zeiten, da gab es viele Bewerbungen um einen Platz in der Galerie. Der Marktwert habe nie eine Rolle gespielt, aber unbesehen ist nie etwas ausgestellt worden.

Birgit Dworak und Matthias Körner wollen die Zeit nicht missen. Und so passt es bestens, dass das letzte Jahr der Galerie nun mit Humor eingeläutet wird.