Eigentlich hatte Jürgen Schäufele nie etwas mit der DDR zu tun. Er war schon längst erwachsen, als er kurz nach dem Mauerfall das erste Mal in den Osten und damit in eine fremde Welt fuhr, wie er erzählt. Seitdem habe ihn die DDR nicht mehr losgelassen. In seiner Wohnung im mittelhessischen Bad Camberg lebt die Deutsche Demokratische Republik weiter – mit zahlreichen Relikten aus dem sozialistischen Staat.

Jedes Zimmer ist voll – Original-Geschirr aus dem Palast der Republik, Apfelmus und Rotkohl im Glas, ein Grenzkontrollkasten, Leuchten von der damaligen Grenze, Schilder, die vor dem „Militärischen Sicherheitsbereich“ warnen, sowie Utensilien der Stasi haben ihren Platz gefunden. „Es sind über 10 000 Exponate“, erzählt der Rentner beim Rundgang durch die Wohnung. Der 69-Jährige hat zudem im Untergeschoss des Hauses extra Räume angemietet, um seine Sammlung unterzubringen.

Honeckers Pelzmütze ist Schäufeles ganzer Stolz

Es wirkt, als könne er zu jedem einzelnen Teil, das er in den vergangenen 30 Jahren gesammelt hat, eine Geschichte erzählen – erst recht zu den Stücken, auf die er ganz besonders stolz ist. Das ist vor allem die Pelzmütze von Erich Honecker, die er nach eigenen Angaben einst ersteigert und entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten verpackt hat. „Und das hier gehörte Sigmund Jähn“, sagt er und zeigt eine blaue Jacke. „Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn“ ist dort an der Brust eingestickt. Auch einen Helm des ersten Deutschen im All hat der Jurist.

Jürgen Schäufele zeigt eine Jacke von Sigmund Jähn, des ersten Deutschen im All.
© Foto: Sabine Maurer

Dass der Alltag in der DDR nicht in Vergessenheit gerät, dafür sorgen nicht nur Sammler wie Schäufele, sondern auch Einrichtungen wie die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Im Museum in der Kulturbrauerei in Berlin werden in einer Dauerausstellung ganze Räume gezeigt, wie sie einst in der DDR zu finden waren – etwa eine Gaststätte, ein Wohnzimmer oder eine Werkbank.

Berlin

Aus Sperrmüll werden Sammlerobjekte

Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 hatte die DDR aufgehört zu existieren. Etwa ein Jahr vorher, kurz nach dem Fall der Mauer 1989, fuhr Sammler Schäufele das erste Mal in seinem Leben in die DDR. Aus beruflichen Gründen verbrachte er dort ein Jahr. „Es gab abends nichts zu erleben, auch alle Kneipen hatten zu. Und so bin ich eben durch die Gegend gefahren“, erinnert sich Schäufele, der nach eigenem Bekunden schon in Kindheitstagen allerlei Sachen gesammelt hatte.

Bei seinen Fahrten durch die DDR sah er, was die Bürger dort nicht mehr haben wollten und auf den Sperrmüll stellten. Sein Sammlerherz begann zu pochen: „Mir war klar: Wenn das weg ist, ist es weg. Das kommt nicht wieder.“ Als erstes Stück lud er ein Bild aus einer Amtsstube in sein Auto, das das einstige DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker zeigte.

15 Tarbis und Wartburgs

Die Sammlung wurde rasch größer, verkauft hat er nur selten etwas. Ausnahmen sind die insgesamt 15 Trabis und Wartburgs, die Schäufele einst besessen hat. Diese Autos haben mittlerweile den Eigentümer gewechselt.

Einen der Trabis hat Burkhard Fiebig aus Bad Vilbel, ebenfalls ein Sammler von DDR-Überbleibseln. Im südhessischen Reinheim lagern seine etwa 800 Exponate. Auf Wunsch zeigt er seine Sammlung gerne interessierten Besuchern – ebenso wie der Bad Camberger Schäufele. Er hat erst vor fünf Jahren mit dem Sammeln angefangen und gibt mit Blick auf die Sammlung in Bad Camberg neidlos zu: „Dort sind Sachen, die kriegt man heute einfach nicht mehr.“

Cottbus/Klettwitz

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