Wölfe in Brandenburg: Menschen in Angst – Ministerin verteidigt Jagd auf den Wolf

Ein Wolf im Wildpark Schorfheide. Die Kontroverse über den Umgang mit Wölfen geht in Brandenburg weiter. Diesmal wurde Hanka Mittelstädt (parteilos für BSW), Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, für die Teilnahme an einem Fachgespräch kritisiert, zu dem Natur- und Tierschutzverbände nicht eingeladen waren.
Sören Stache/ dpa- Brandenburgs Wolfspopulation sorgt für Angst; Ministerin Mittelstädt verteidigt die Jagd auf Wölfe.
- Natur- und Tierschutzverbände kritisieren ihre Teilnahme an einem Wolf-Dialog ohne Umweltverbände.
- Die EU erwägt, den Wolfsschutzstatus zu senken; Deutschland will den Vorschlag übernehmen.
- Bürger fühlen sich von Wölfen überrannt; Weidetierhalter beklagen gerissene Tiere.
- Nabu und BUND: Herdenschutz statt Wolfstötung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wie künftig mit dem Wolf in Brandenburg umgegangen werden soll, darüber scheiden sich die Geister. Der Streit würde häufig mit „Maximalforderungen von einfach laufen lassen bis alle abknallen“ geführt, wie Sabine Buder, die als Geschäftsführerin des Forums Natur Brandenburg zu einem Gespräch über den möglichen Umgang mit dem Wolf geladen hatte, zu Beginn der Veranstaltung sagte.
Doch nicht alle bewerteten die Gesprächsrunde als sachliche und ausgewogene Debatte und kritisierten die Ministerin für ihre Teilnahme scharf.
Der Naturschutzbund (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierten, dass Hanka Mittelstädt, Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, dem Gespräch beiwohnte, zu dem die Umweltverbände nicht eingeladen wurden.
Noch schärfer formulierte es die Allianz Wolf Brandenburg. Der Verein warf der Ministerin vor, mit ihrer Anwesenheit an einem „undemokratischen Format“ teilzunehmen und damit die Agrar- und Jagdlobby zu hofieren.
Forum Natur Brandenburg: Wolf soll ins Jagdrecht
Hintergrund des Gespräches sind die jüngsten Entwicklungen auf EU- und Bundesebene. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, den Schutzstatus des Wolfes von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabzustufen. Das Europaparlament wird voraussichtlich Anfang Mai dazu abstimmen. Die künftige schwarz-rote Bundesregierung hat sich bereits im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, den Vorschlag ins nationale Recht zu übernehmen. Auf Betreiben einer erfolgreichen Initiative Brandenburgs hatte auch der Bundesrat die künftige Regierung dazu aufgefordert.
Sabine Buder fordert mit dem Forum Natur Brandenburg ein „praktikables Wolfsmanagment“. Dazu würde unter anderem die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht zählen. Ebenfalls fordert der Verein die Feststellung, dass der Wolf sich in Brandenburg in einem günstigen Erhaltungszustand befindet. Mit dieser Feststellung könnte auch eine Entnahmequote für das Land eingeführt werden.
Deutschlandweit befinde sich der Wolf momentan in einem ungünstigen Erhaltungszustand, worauf Sven Herzog, Dozent für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der TU Dresden, in seinem Vortrag für das Forum Natur Brandenburg hinweist. Es gebe jedoch regionale Unterschiede. Während in Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg der Wolf sich tatsächlich noch nicht so stark verbreitet habe, würde sich die Situation in Brandenburg, wie auch in anderen Bundesländern wie beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen anders darstellen.
Mittelstädt: „Überrannt von der Wolfspopulation“
Deutlich drückt dies auch Hanka Mittelstädt auf Nachfrage aus. Die Bürger fühlten sich in Brandenburg „schlichtweg überrannt von der Wolfspopulation“. Es gäbe Menschen, die Angst hätten in den Wald zu gehen. Zudem beklagen Weidetierhalter immer wieder gerissene Tiere und damit auch finanzielle Verluste. In ihrem Grußwort betont Mittelstädt, dass der Wolf in Landesjagdrecht aufgenommen wird. Eine derartige „neue Wolfsverordnung ist derzeit am Start“.
Ob in Brandenburg der Wolf einen günstigen Bestand erreicht hat und wie dieser definiert ist, müsse aber noch abschließend geklärt werden. Eine offene Gesprächsrunde, auch mit den Natur- und Tierschutzverbänden, soll es laut Mittelstädt dazu noch geben. Es soll ein Konsens jenseits jedweder Maximalforderungen aller Seiten gefunden werden. Sie wolle aber zunächst die Regelungen abwarten, die durch den Bundesgesetzgeber erst noch kommen.
Brandenburg-Initiative hat Tatsachen geschaffen
Der Nabu und der BUND beklagten in einem öffentlichen Schreiben, dass die Ministerin den Gesprächsfaden hat abreisen lassen und sich seit März in keine Gespräche mit den Natur- und Tierschutzverbänden eingelassen habe. Statt auf die Vorschläge einzugehen, wie mit sogenannten Problemwölfen umgegangen werden könnte, seien die Verbände durch die Brandenburg-Initiative im Bundesrat vor vollendete Tatsachen gestellt worden.
Dass den Verbänden ein Gespräch Mitte Juli angeboten wurde, bezeichnete der Vorsitzende des Nabu als Alibi-Termin. Am 2. Juli bereits soll eine Anhörung des Landtages zum Thema im Ausschuss für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landtags stattfinden.
Wölfe in Brandenburg: Kritik an Herabstufung des Schutzstatus
Anlässlich des Tages des Wolfes am 30. April kritisierte der Deutsche Tierschutzbund den Vorschlag der EU-Kommission, dem zufolge der Schutzstatus des Wolfes herabgestuft werden soll, sowie die Pläne, dass auf nationaler Ebene der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden soll. Die geplante Gesetzesänderung ist aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.
Statt Wölfe pauschal töten zu lassen, sollte bisher vernachlässigter Herdenschutz nachgeholt werden. Auch der Nabu und BUND hatten in ihrer Kritik an Mittelstädt darauf hingewiesen, dass 88 Prozent der Risse bei Weidetierhaltern erfolgten, die den vom Landesumweltamt empfohlenen Herdenschutz nicht umgesetzt hatten.



