Sturm in Brandenburg und Sachsen: Über 200 Einsätze in der Lausitz – „Zoltan“ knickt Weihnachtsbaum um
Sturmtief „Zoltan“ trifft auf Deutschland und wird in Brandenburg und besonders in Sachsen für ungemütliches Vorweihnachtswetter sorgen. Der Donnerstag (21. Dezember) ist von Wind- und Sturmböen geprägt.
- Wo schlägt der Orkan besonders heftig zu?
- Welches Wetter erwartet Brandenburg und Sachsen in den Tagen vor Weihnachten?
Über hundert Feuerwehreinsätze in Südbrandenburg
Eine unruhige Nacht zum Freitag aufgrund von Orkan „Zoltan“ hatten die Einsatzkräfte der Feuerwehr im Bereich der Leitstelle Lausitz. Über 200 Mal mussten sie seit Donnerstagnachmittag zu Alarmierungen ausrücken. Jedoch blieb es bei allen Einsätzen bei Sachschäden. Personen wurden nicht verletzt. Im Cottbus musste ein Baugerüst gesichert werden, das aufgrund des Orkans ins Wanken kam. Ansonsten waren es umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste auf Straßen und Wegen, die die Feuerwehr in der Nacht in Atem hielten.
Jetzt hofft die Regionalleitstelle Lausitz der Feuerwehr, dass sich der Sturm an die Vorhersage des Wetterberichts hält und Freitagnachmittag eine Wetterberuhigung eintritt. Mittlerweile sind die Kameradinnen und Kameraden seit Donnerstag fast im Dauereinsatz. Aufgrund der Krankheitswelle sind die Reihen der Einsatzkräfte sowieso schon sehr ausgedünnt. Gegen Freitagmittag (22. Dezember) liefen im Leitstellengebiet weiterhin zwölf Einsätze.
Insgesamt wurden in Cottbus, Spree-Neiße, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald bis Freitagmittag 157 Einsätze gezählt. Besonderheiten habe es dabei keine gegeben. Die Feuerwehr wurde vor allem gerufen, um Äste und Bäume zu entfernen.
Sturm beschädigt Autos in der Lausitz
Einzelne Unfälle infolge des Sturms teilt die Polizeidirektion Süd am Freitag mit. So sorgte ein auf die L48 gestürzter Baum in der Nacht für Schäden an zwei Autos. Gegen 2 Uhr war die Polizei hinzugerufen worden und stellte zwischen Groß Luja und Bloischdorf einen beschädigten Tesla und ein Opel fest. Die Fahrer waren unverletzt. Das Elektroauto musste jedoch abgeschleppt werden. Bereits am Donnerstagnachmittag war es gegen 17.45 Uhr in Sellessen zu einem weiteren Unfall mit einem umgestürzten Baum gekommen. Hier war es ein Mitsubishi, der Schäden von knapp 2000 Euro davontrug.
Auf dem Marktplatz in Altdöbern im Landkreis Oberspreewald-Lausitz rüttelte Sturmtief Zoltan so heftig am Weihnachtsbaum, dass dieser umfiel. Da die Bruchstelle nur knapp einen halben Meter über dem Erdboden lag, konnte der Baum von Mitarbeitern des Bauhofes noch einmal aufgerichtet werden. Amtsdirektor Frank Neubert hielt die Anstrengungen aus seinem Dienstzimmer mit seiner Handykamera fest.

Da die Bruchstelle nur knapp einen halben Meter über dem Erdboden lag, konnte der Weihnachtsbaum von Altdöbern von Mitarbeitern des Bauhofes noch einmal aufgerichtet werden.
Frank Neubert
So wurde der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz in Altdöbern ein zweites Mal im Jahr 2023 aufgestellt.
Frank NeubertGegen einen durch den Sturm umgestürzten Baum auf der L473 bei Bestensee im Landkreis Dahme-Spreewald ist am Donnerstag gegen 23.30 Uhr ein Audi gefahren. Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Das Auto musste jedoch mit Schäden von etwa 3000 Euro abgeschleppt werden.
Ein umgestürzter Baum auf der Bundesstraße zwischen Gahro und Weißack im Landkreis Elbe-Elster war am Donnerstagnachmittag ebenfalls Auslöser für einen Unfall. Eine KIA-Fahrerin kam aufgrund des Hindernisses von der Fahrbahn ab. Sie blieb unverletzt, aber ihr Kleinwagen musste abgeschleppt werden. Auf der Landestraße bei Drößig fuhr ein Mann am Freitag gegen 3.15 Uhr mit einem Mercedes über einen umgestürzten Baum auf der Fahrbahn, kam von der Straße ab und fuhr in den Graben. Das Auto musste bei einem Schaden von rund 5000 Euro abgeschleppt werden, die Feuerwehr entfernte den Baum. Eine halbe Stunde später wurde zwischen Berga und Krassig ein Pkw von einem Baum beschädigt. Das Fahrzeug war bei einem Schaden von 15.000 Euro nicht mehr fahrbereit.
Im Gebiet der Leitstelle Hoyerswerda habe es in der Nacht 37 wetterbedingte Einsätze gegeben. Das teilt diese am Freitagmorgen auf Nachfrage mit. Die Anzahl sei für die Größe des Gebietes vergleichsweise gering, hieß es.
Zoltan durchkreuzt Reisepläne mit der Bahn
Orkan „Zoltan“ hat wenige Tage vor Weihnachten auch die Pläne vieler Reisenden auch aus Berlin und Brandenburg getroffen. Am Donnerstag fielen zahlreiche Fernverkehrszüge vor allem Richtung Westen aus, wie auf der Website der Deutschen Bahn zu sehen war.
Nach Angaben eines Bahn-Sprechers sorgte der Sturm in Berlin und Brandenburg selbst nicht für Probleme. Die Beeinträchtigungen im Fernverkehr seien auf Sturmschäden andernorts zurückzuführen, hieß es gegen 18 Uhr. Entsprechend fuhren im Regionalverkehr die meisten Züge in Berlin und Brandenburg laut Online-Auskunft wie geplant.
Die Bahn rechnet auch für Freitag mit weiteren Einschränkungen im Personenverkehr. Der Bahnverkehr war am Donnerstag heftig getroffen worden. Es gab in Regional- und Fernverkehr zahlreiche Ausfälle und Verspätungen aufgrund der Sturmschäden.„Teilweise können Beschädigungen erst bei Tageslicht abschließend beurteilt werden“, teilte ein Bahn-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend mit. Besonders die Bahnstrecken im Norden sind demnach betroffen
Einschränkungen durch Sturmschäden gab es laut der Bahn vor allem auch in Norddeutschland. Die DB hat die Zugbindung für Donnerstag aufgrund der zahlreichen Beeinträchtigungen aufgehoben. Fahrgäste können ihr Ticket an einem späteren Tag nutzen. Die DB verwies allerdings auch darauf, dass die Züge im Fernverkehr wegen der bevorstehenden Weihnachtstage bereits sehr stark ausgelastet seien.
Einsätze schon am Donnerstag
Die Feuerwehr musste wegen des Sturms vor allem in Südbrandenburg schon am Donnerstag zu vielen Einsätzen ausrücken. Laut Feuerwehr wurden ab dem Nachmittag bis in die frühen Abendstunden rund 68 Einsätze registriert. In Berlin ist ein Mensch einem Sprecher zufolge durch einen umgestürzten Baum im Spandauer Ortsteil Hakenfelde verletzt worden. Genauere Angaben dazu gab es bislang nicht.
Auch im Norden und Westen Brandenburgs seien Rettungskräfte laut den zuständigen Feuerwehren etwa 60 Mal ausgerückt. In Kleinmachnow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) kippte am Nachmittag Gemeindeangaben zufolge ein großer Weihnachtsbaum samt Lichterkette auf dem Rathausplatz um. Dabei sei er auf einem dort stehenden Kleintransporter gelandet. Verletzte habe es demnach nicht gegeben. Die Feuerwehr habe den Baum zügig abtransportiert. Zuvor hatte die „Märkische Allgemeine“ berichtet.

Wellen brechen sich am Strand von Altefähr auf der Insel Rügen. Im Hintergrund ist die Silhouette der Hansestadt Stralsund zu sehen. Der Deutsche Wetterdienst hatte wegen des Sturmtiefs „Zoltan“ eine Unwetterwarnung für die Ostseeküste ungefähr von Rerik bis Vorpommern herausgegeben. Von Donnerstagabend bis Freitagmittag bestehe die Gefahr von orkanartigen Böen.
Stefan Sauer / dpaCottbuser Tierpark geschlossen – Wetter am Donnerstag
Wegen des stürmischen Wetters in Brandenburg ist der Tierpark Cottbus am Donnerstag (21. Dezember) geschlossen geblieben. Die Entscheidung des Tierparks sei in Absprache mit der Feuerwehr getroffen worden, teilte die Stadt Cottbus mit. Grund dafür war demnach die amtliche Sturmwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Berlin und Brandenburg. Aufgrund der Wetterlage wird der Tierpark auch am Freitag (22. Dezember) geschlossen bleiben. Das teilt die Stadtverwaltung mit „Sollten die Wetterwarnungen aufgehoben werden, kann der Cottbuser Tierpark am Samstag wieder für Besucher öffnen“, heißt es. Der Weihnachtsmarkt in Cottbus mitsamt seinen Köstlichkeiten wie den Baumstriezeln bleibt offen.
Auch Teile des Volksparks in Potsdam werden aufgrund des Sturmes bis Samstagfrüh (23. Dezember) vorsorglich gesperrt. Davon betroffen seien der Waldpark im Osten sowie ein Abschnitt des Remisenparks im Norden der Grünanlage, in dem es viele Altbäume gebe, so die ProPotsdam GmbH.
Autobahn A111 – Sperrung nach umgestürztem Baum
Ein umgestürzter Baum hat in der Nacht auf Freitag für eine Vollsperrung der Autobahn 111 an der Landesgrenze von Berlin und Brandenburg gesorgt. Gegen Mitternacht sei der Baum auf die Fahrbahn gekippt, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr musste ausrücken, um den Baum zu entfernen. Da der Baum quer über die Autobahn lag, war die Straße in beide Richtungen gesperrt. Nach Angaben des Sprechers hatte das in der Nacht jedoch keine großen Auswirkungen auf den Verkehr.
Wetter in Brandenburg bleibt windig
Laut dem Deutschen Wetterdienst ist auch im Verlauf des Freitags mit Sturmböen zu rechen: „Am Freitag weiterhin frischer, teils starker West- bis Nordwestwind mit stürmischen Böen und Sturmböen, vereinzelt schwere Sturmböen. Im Nachmittagsverlauf und am Abend zögerliche Windabnahme“, hieß es online.
Zum Samstag (23. Dezember) hinsinken die Temperaturen auf minus ein Grad, regional kann es Schneeschauer geben. Vereinzelt besteht dann Glättegefahr durch überfrierende Nässe. Windig bleibt es weiterhin, auch Böen und stürmische Böen sind nicht ausgeschlossen. Am Samstag gibt es über den Tag verteilt bei Höchsttemperaturen von fünf Grad immer wieder längere heitere Phasen. Schneeregen, Windböen und vereinzelt auch stürmische Böen sind jedoch weiterhin zu möglich.
In der Nacht vor Heiligabend kühlt es bis auf null Grad ab. Dabei kann wird es gebietsweise nass werden und es weht ein schwacher bis mäßiger Wind. Am Sonntag (24. Dezember) wird es bei milden neun Grad stark bewölkt und regnerisch. Windböen sind lokal weiterhin möglich. Zum Heiligabend und in der Nacht bleibt es bewölkt und nass. Bei milden Tiefstwerten von fünf Grad Celsius müssen sich die Menschen in Berlin und Brandenburg jedoch weiterhin auf Wind und stürmische Böen in der Weihnachtsnacht einstellen.
Orkan Zoltan in Sachsen
Einen Ausflug auf den Fichtelberg sollte man in den kommenden Tagen eher nicht einplanen. Es herrscht Orkangefahr.
Auf Wind und teilweise Sturmböen mussten sich die Menschen aber auch schon am Mittwoch (20. Dezember) in Sachsen einstellen.
Im oberen sächsischen Bergland schneite es zum Teil, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwochmorgen mitteilte. Im restlichen Sachsen erwartete die Menschen anfangs Regen. Die Temperaturen stiegen am Tag auf bis zu acht Grad Celsius, im Bergland auf bis zu fünf Grad Celsius.
Schwere Sturmböen und Orkan auf dem Fichtelberg
Auf dem Fichtelberg wehten am Mittwoch bereits schwere Sturmböen, die sich bis Donnerstag zu einem Orkan ausweiteten, der sich auch noch am Freitag hält und allen Erzgebirge-Ausflüglern einen Strich durch die Rechnung machen dürfte. Am besten ist es, dort durchgehend informiert zu bleiben und ggf. eine Warn-App auf das Handy zu laden.
Auch im Rest von Sachsen bleibt es stark windig, böig und regnerisch. Die Höchsttemperaturen liegen bei maximal zehn Grad, im Bergland bei bis zu sieben Grad. Am Samstag (23. Dezember) gibt es in Sachsen einige Auflockerungen, allerdings auch weiterhin Schauer. Auf dem Fichtelberg ist am Weihnachtswochenende zwar kein Orkan mehr vorhergesagt, es wird dennoch sehr stürmisch
Ab dieser Windstärke zahlen die Versicherungen
Stürme verursachen Schäden durch umstürzende Bäume und umherfliegende Gegenstände. Das kann für die Geschädigten richtig teuer werden. Versicherungen zahlen Sturmschäden in der Regel ab Windstärke 8, das entspricht einer Windgeschwindigkeit von mehr als 62 Kilometern pro Stunde. Zum Nachweis kann man auf Archive zurückgreifen, die zum Beispiel bei Wetteronline.de zu finden sind. Die Archivdaten sind allerdings kostenpflichtig.







