Das Verhältnis der Deutschen zu Russland ist nicht immer einfach. Die deutsche Außenpolitik schwankt zwischen Nähe und Distanz, zwischen Energiepolitik und Menschenrechten, zwischen Pipeline und Sanktionen. Aber auch das Meinungsbild innerhalb Deutschlands ist nicht einheitlich.
So stark wie bei kaum einem anderen Thema zeigt sich bei Umfragen zur Meinung über Russland oder russische Politik die alte Spaltung zwischen Ost und West. Russland oder sein derzeitiger Präsident Wladimir Putin schneiden bei ostdeutschen Befragten häufig sehr viel positiver ab als im Westen.

Deutsche und Russen: Wo Du wohnst, prägt Deine Meinung

Erste zentrale Erkenntnis der Studie: Ja, in Ostdeutschland ist das Russland-Bild positiver als im Westen. Allerdings hat das offenbar wenig mit den Erfahrungen aus DDR-Zeiten zu tun. „Der jetzige Wohnort ist mitunter wichtiger als der Geburtsort“, stellt die Autorin, Zois-Direktorin Gwendolyn Sasse, fest. Neben einer Umfrage hat das Zois auch auf Gruppendiskussionen an verschiedenen Orten in Deutschland gesetzt, um zu erfahren, welche Meinungen die Menschen im Gespräch vertreten.
Dabei zeigte sich, dass auch Alter, Geschlecht und Bildungsgrad eine großen Einfluss darauf haben, wie Deutsche sich zu Russland äußern. „Die ältere Generation assoziiert Putins Namen stärker mit Repressionen als die jüngere Generation – ein Hinweis darauf, dass diejenigen mit persönlicher DDR-Erfahrung keine Illusionen über die Sowjetunion hatten und bis heute einen Blick für politische Kontrollmechanismen haben“, heißt es im Fazit der Studie

Zwei Drittel halten Putin nicht für eine Bedrohung

Die Forscher haben sich auch mit dem Verhältnis der Deutschen zu Putin befasst. „Woran denken Sie, wenn Sie den Namen Wladimir Putin hören?“, lautete eine der Fragen. „An eine Bedrohung für Europa? An einen effektiven Präsidenten? An Repressionen in Russland oder an etwas anderes?“
Zwei Drittel der Befragten hielten Putin nicht für eine Bedrohung, im Westen waren es allerdings deutlich weniger. Einen effektiven Präsidenten sehen allerdings auch nur 23 Prozent der Deutschen in ihm.
Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede. „Persönliche Kontakte nach Russland lassen Putin weniger als Bedrohung und stärker als effektiven Präsidenten erscheinen, während sie beim Gedanken an Repressionen keine signifikante Rolle spielen“, so das Fazit der Studie.

Putins Image findet Zustimmung

Interessant in den Ergebnissen der Diskussionsrunden ist, wie weit bei Teilen der Befragten das selbst inszenierte Bild Putins übernommen wird. „Ich finde den sehr authentisch in seiner ganzen Darstellungsweise. Und auch in gewissem Sinne berechenbar. Man weiß, woran man bei ihm ist“, erzählt beispielsweise einer der Teilnehmer aus Leipzig.
„Der geht einfach seinen Weg. Und das wollen die Menschen auch – glaube ich. Dass die jemanden haben, auf den sie sich verlassen können“, berichtet ein anderer bei der Gesprächsrunde in Essen.
Deutlich wird aber auch, dass viele Teilnehmer angeben, zu wenig über Russland zu wissen.

Zu wenig Wissen über Russlands Innenpolitik in Deutschland?

Wie aber stellen sich die Deutschen das künftige Verhältnis zu Russland vor? „Ein höheres Alter, ein Wohnort in den neuen Bundesländern (ohne Berlin), eine Affinität zur FDP oder AfD und ein niedrigerer Bildungsstand korrelieren mit dem Wunsch nach engeren deutsch-russischen Beziehungen. Die Einschätzung der deutsch-russischen Beziehungen als ‚genau richtig’ ist eher ein westdeutsches und ein Hauptstadt-Phänomen“, so Gwendolyn Sasse.
Was also folgern die Forscher daraus? Sie empfehlen, „im öffentlichen Diskurs einen stärkeren Fokus auf die russische Innenpolitik und die Erfahrungen aus dem Alltagsleben in Russland“ zu legen.