SEZ in Berlin: 600 Wohnungen auch ohne Totalabriss möglich

Die ersten Baggerarbeiten am Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin haben schon begonnen. Momentan herrscht an der Landberger Allee aber Baustopp.
Jens Kalaene/dpa- Kompromissvorschlag: Rund 600 Wohnungen ohne Totalabriss des SEZ in Friedrichshain möglich.
- Studie empfiehlt zwei Doppel-Wohnhochhäuser und eine Teilung des Grundstücks an der Landsberger Allee.
- WBM fokussiert den Wohnungsbau, während ein anderer Träger das SEZ-Gebäude schrittweise entwickelt.
- Abriss des Außenbeckens begann Ende vergangenen Jahres – Baustopp im Frühjahr 2026 wegen Naturschutz.
- WBM beantragte Anfang August Fortsetzung der Arbeiten, Schadstoffsanierung soll zügig weitergehen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit vielen Jahren wird um den Erhalt des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin gestritten. Unter großen Protesten fuhren 2025 die ersten Abrissbagger auf das Gelände des einstigen DDR-Spaßbades in Friedrichshain.
Doch nun könnte es einen ernsthaften Kompromiss geben. Das Bezirksamt präsentiert eine neue Untersuchung, die zeigt, wie rund 600 städtische Wohnungen gebaut werden könnten, ohne den berühmten Sportkomplex vollständig abzureißen. Das Amt hatte das Architektenbüro „03 Arch“ beauftragt, eine städtebauliche Idee des Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“, auf Machbarkeit zu prüfen und weiterzuentwickeln.
In der sogenannten Plausibilisierung werden zwei Doppel-Wohnhochhäuser vorgeschlagen, die seriell gebaut werden könnten. Dafür soll das Grundstück an der Landsberger Allee in zwei Teile getrennt werden.
SEZ-Außenbecken schon teilweise abgerissen
„Die Grundstücksteilung kann das Verfahren beschleunigen und entspannen“, sagt Florian Schmidt (B'90/Die Grünen) Bezirksstadtrat für Bauen und Planen. „Mit rund 600 nachgewiesenen Wohnungen liegt nun eine ernsthafte Entwicklungsvariante auf dem Tisch.“
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBM könnte sich bei den neu gebildeten Baufeldern auf den Wohnungsbau konzentrieren, erklärt Schmidt. Das SEZ könnte parallel durch einen anderen Träger mit einer eigenen Zeitschiene, einem Nutzungskonzept und schrittweisen Sanierungs- und Transformationsmaßnahmen entwickelt werden.
Der Abriss des Außenbeckens wurde bereits Ende vergangenen Jahres begonnen. Im Frühjahr 2026 hatte das Bezirksamt wegen der Gefährdung brütender Vögel und Fledermäuse die Abrissarbeiten für sechs Monate gestoppt. Anfang August hat die WBM die Fortführung beantragt. „Nach Aufhebung des Baustopps wollen wir die notwendige Schadstoffsanierung zügig fortsetzen und die Arbeiten im Außenbereich, beispielsweise die Befüllung des Außenbeckens, wieder aufnehmen“, erklärt WMB-Sprecher Matthias Borowski.
Arbeiten am eigentlichen Gebäude seien – bis auf die Schadstoffsanierung – damit nicht verbunden. „Die Ausschreibung der Rückbauleistungen wird derzeit überarbeitet“, erklärt Borowski. Entsprechend sei eine Beauftragung für den vollständigen Abriss bislang nicht erfolgt. Das Bezirksamt will die Ergebnisse der neuen Studie jetzt in die Gespräche mit Senatsverwaltung und WBM einbringen.

Blick ins Innere des ehemaligen Spaßbades SEZ in Berlin im Jahr 2024. Der reguläre Badebetrieb wurde Ende 2002 eingestellt.
Itiative „SEZ für alle“/Susanne LorenzWie das SEZ erhalten und neu genutzt werden kann, beschäftigt inzwischen Architekten und Stadtplaner aus aller Welt. Studierende der Fachhochschulen in Aachen und Erfurt entwickelten während einer siebentägigen Sommerakademie in Berlin Entwürfe. Auch sie nahmen die Symbiose von Bestandserhalt und Wohnungsbau als Ausgangspunkt.
Die Architektur-Studenten, die selbst keine sentimentalen Erinnerungen an das 1981 eröffnete DDR-Vorzeige-Freizeitzentrum haben, folgen dabei dem Traum eines Ortes für Freizeit, Erholung und Begegnung, an dem wie einst Jung und Alt zusammenkommen, um Sport zu machen.
Dabei wurde das Bestandsgebäude allerdings auf seine essenziellen Bestandteile wie freigelegte Stahlträger von Eishalle und Sporthalle reduziert und in die Landschaft des angrenzenden Friedrichshainer Volksparks eingebettet.
„Das staatliche Prestigeobjekt SEZ war ein inszenierter Sonderraum im diktatorischen System, der abgeschlossen und zugleich öffentlich, monumental und leicht, technisch und verspielt, kontrolliert und freizeitorientiert erschien“, heißt es dagegen in der Ausstellung „SEZ – Un/Möglichkeit einer Insel“ des Werkbundes Berlin in Charlottenburg.

Studierende der FH Aachen und der FH Erfurt entwickelten während der Sommerakademie im Metropolenhaus in Berlin Entwürfe für das Gelände des SEZ.
Sommerak_SEZ_TrailsandNoiseIn der Bauhaus Reuse BHROX auf der Mittelinsel des Ernst-Reuter-Platzes werden bis zum 19. September Bauunterlagen gezeigt, die die Entstehung des mithilfe von Westfirmen errichteten SEZ in der Frontstadt Berlin dokumentieren.
Dazu ist das originale Architekturmodell zu sehen. Für die Restaurierung des Modells werden Spenden gesammelt. „Das Gebäude selber befindet sich durch Leerstand und ,Fehlnutzung‘ in einem vergleichbaren Zustand wie das Modell“, heißt es von den Kuratoren Kay Fingerle und Ludwig Heimbach.
Für sie eröffnet das SEZ eine generelle Debatte über öffentliche Orte, Orte der Daseinsvorsorge in der Stadt und die Notwendigkeit von architektonischem Substanzerhalt zur Bewahrung und Fortschreibung kultureller Identität, bis zu Fragen der Ressourcenökonomie in den Debatten um Erhalt, Weiterbau und Rückbau.
„Der Komplex, der unterschiedliche Nutzungen wie Sport, Gesundheitsvorsorge, Erholung, Unterhaltung und Gastronomie unter einem Dach bündelte, hat dabei eine ganz eigene Erfahrungswelt erzeugt“, finden die Kuratoren. „Eine, die sich als farbiger Gegenraum zum ,grauen Alltag‘ Ost-Berlins und der DDR vom normalen Stadtraum sichtbar abhob.“
Ausstellung
Die Ausstellung vom Werkbund Berlin „SEZ- Un/Möglichkeit einer Insel“ ist noch bis 19. September in der BHROX Bauhaus Reuse auf der Mittelinsel des Ernst-Reuter-Platzes in Berlin-Charlottenburg zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag, von 12 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.



