Deutschlands Unternehmen haben in der Corona-Krise bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Diesen Rekordwert gab die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg bekannt. Damit wurden alle Prognosen von Volkswirten bei weitem übertroffen.

Die Schätzungen der Experten hatten zwischen drei und sieben Millionen Menschen gelegen. Der bisherige Rekordwert der Bundesagentur für Arbeit für dieses arbeitsmarktpolitische Instrument stammt aus dem Mai 2009. Damals waren 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Im gesamten Krisenjahr 2009 waren 3,3 Millionen Anzeigen für Kurzarbeit bei der Bundesagentur eingegangen.

Laut Statistikamt gibt es 44,96 Millionen Erwerbstätige mit Wohnort in Deutschland.

42 Prozent alles sächsischen Betriebe in Kurzarbeit

In Brandenburg haben im März und April 21 584 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Damit sind 138 799 Menschen im Land in Kurzarbeit.

In Sachsen sieht es ähnlich dramatisch aus. Mehr als eine halbe Million Menschen im Freistaat sind von Kurzarbeit betroffen, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz am Donnerstag mitteilte. 42 Prozent aller rund 111 500 Betriebe im Freistaat hätten im Zuge des Lockdowns für gut 521 000 Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Auch die Arbeitslosenzahl steigt

Die Kurzarbeit dient dazu, Arbeitnehmer mit staatlicher Hilfe im Job zu belassen und Entlassungen zu vermeiden. Trotz der extrem hohen Zahl von Anzeigen für Kurzarbeit stieg auch die Zahl der Arbeitslosen im April saisonuntypisch an. Im April waren 308 000 Menschen mehr arbeitslos als noch im März und 415 000 mehr als im April 2019, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Gesamtzahl stieg damit auf 2,644 Millionen. Dies entspricht einer Quote von 5,8 Prozent. Sie stieg im Vergleich zum März um 0,7 Punkte und im Vergleich zum April des Vorjahres um 0,9 Punkte.

Arbeitsagentur spricht von der „schwersten Rezession der Nachkriegszeit“

„Die Corona-Krise dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele. „Dadurch gerät auch der Arbeitsmarkt stark unter Druck.“ Die Arbeitslosigkeit sei erstmals in der Nachkriegszeit in einem April gestiegen. Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit wegen der Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei parallel zum Anstieg der Arbeitslosigkeit und zum noch nie da gewesenen Niveau bei der Kurzarbeit regelrecht eingebrochen. Im April 2020 waren nur noch 626 000 unbesetzte Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet, 169 000 weniger als noch vor einem Jahr. Saisonbereinigt sei die Zahl der offenen Stellen um 66 000 nach unten gegangen.

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