Schmerz im Bein: Wunden und chronische Schmerzen, Chefarzt erklärt Behandlung

Wenn ein Kühlkissen nicht mehr hilft: Menschen mit dauerhaften Schmerzen in Beinen und Füßen könnten unter einer Gefäßerkrankung leiden. Chefarzt Tom Hammermüller vom Sana Gefäßzentrum Lausitz beschreibt, was moderne Medizin bewirken kann.
IMAGO/AndreyPopov via www.imago-images.de- Gefäßspezialist Tom Hammermüller erklärt Warnzeichen, Ursachen und Behandlungen bei Beinwunden.
- Nicht heilende Wunden, kalte blasse Füße und Gehschmerzen sind Warnsignale für pAVK.
- Frühe Abklärung beim Hausarzt verbessert Heilung – „Zeit ist Gewebe“.
- Diagnostik: Gefäßsonografie, Doppler, Duplex, ABI und Perfusionsabschätzung.
- Therapie in Stufen – Risikofaktoren managen, Gehtraining, Wundversorgung, Endovaskular, OP.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Kalte, weiße Füße, Schmerzen beim Gehen, eine Wunde am Zeh, die nicht heilt – dies können Zeichen für eine ernste Durchblutungsstörung sein. Warum nicht nur Menschen mit Diabetes, Raucher oder Herz-Kreislaufkranke dann unbedingt einen Arzt aufsuchen sollten, hat Tom Hammermüller, Chefarzt im Sana Gefäßzentrum Lausitz, im Webseminar erklärt. Er ging auf moderne Behandlungsmöglichkeiten ein und beschreibt, wie jeder mit seiner Lebensweise zur schnelleren Heilung beitragen kann.
Seit längerer Zeit habe ich eine kleine Wunde am Fuß, die einfach nicht heilen will. Dies ist nicht schlimm und schmerzt nicht. Meine Frau drängt mich zum Facharztbesuch. Ich halte das noch nicht für nötig. Ab welcher Wundengröße sollte man gehen?
Solche Schilderungen höre ich häufig. Eine kleine Wunde am Zeh, keine Schmerzen, Pflaster und Salbe helfen. Oftmals wird aber aus der kleinen Wunde eine größere, nicht heilende, chronische. Rötungen und Verfärbungen sind der nächste Schritt, vielleicht auch Schmerzen, ein unangenehmer Geruch. Das zeigt: Warnsignale wurden ignoriert.
Ursache könnte eine gestörte Durchblutung sein, die abgeklärt werden muss. Deshalb rate ich dringend: Gehen Sie zum Hausarzt. Er wird die notwendigen Schritte oder Überweisungen einleiten. Aus der Praxis weiß ich, dass wir als Gefäßspezialisten gerade in Ostbrandenburg immer wieder erleben, dass Patienten zu spät kommen, aber eine zeitnahe Diagnostik und Therapie wesentlich bessere Ergebnisse haben könnte.
Hinzu kommt der statistische Fakt, dass es gerade in den östlichen Bundesländern die höchste Rate von Neuerkrankungen an Diabetes gibt. Sie haben es also zu großen Teilen selbst in der Hand, wie Sie Ihre Beine und damit Ihre Gehfähigkeit erhalten.
Arzt: Gute Durchblutung lässt Wunden schneller heilen
Kann man selbst erkennen, ob man noch gesunde Gefäße hat oder bereits kleine, vielleicht sogar größere Verengungen vorhanden sind?
Bei einer guten Durchblutung, also gesunden Gefäßen, heilen Wunden gut und relativ schnell ab. Das Blut transportiert ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe ins Gewebe, das fördert Heilungsprozesse. Anders bei verengten Gefäßen. Der reduzierte Blutfluss, also die verringerte Versorgung, verzögert jeden Heilungsprozess. Es kann sich nach Verletzungen wenig oder kein neues Gewebe bilden und die Wunde bleibt länger offen.
In der Phase verschlossener Gefäße, also bei einem sehr geringen Blutfluss, werden Wunden chronisch und verschlechtern sich. Der Prozess lässt sich auf die Formel bringen: Je stärker die Durchblutung eingeschränkt ist, desto komplizierter und langwieriger wird die Wundheilung, selbst bei optimaler Versorgung.
Besonders betroffen sind dabei Füße und Unterschenkel, weil diese beispielsweise mehr beansprucht werden, das Gewicht des Körpers tragen und anders durchblutet werden als die Arme. Bei Diabetikern kommt ein reduziertes Schmerzempfinden hinzu, was schon bei kleinen Wunden gefährliche Prozesse in Gang setzt.
Welche Warnzeichen für Durchblutungsprobleme sollte man erkennen, ernst nehmen und dringend von einem Arzt abklären lassen?
Gefäßerkrankungen sind chronische Erkrankungen und nicht, ich betone – nicht – heilbar. Auch die moderne Medizin kann nur bremsen. Erste Achtungszeichen wären auffällig kalte, blasse Füße, denn dies sind erste Hinweise auf eine eingeschränkte Durchblutung. Zu den ernst zu nehmenden Hinweisen, sodass ärztliche Behandlung notwendig wird, gehören auch wiederkehrende Entzündungen oder kaum tastbare Pulse am Fuß. Achten sollte man auf alle Fälle auf Wunden an Füßen, Zehen, Unterschenkeln, die über einen längeren Zeitabschnitt, über Wochen nicht abheilen.
Schmerzen beim Gehen, die beim Stehenbleiben nachlassen, sind ein typisches Zeichen für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Das ist die sogenannte Schaufensterkrankheit. Ruheschmerzen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Beinen – nachts vor allem – sind keinesfalls normal. Verfärbungen erfordern schnelles Handeln.
Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen gefährden Gefäße im Bein
Was sind hauptsächliche Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen, welche kann man selbst beeinflussen, zum Beispiel minimieren?
Ein Diabetes schädigt Nerven und Gefäße. Die Krankheit lässt sich nicht nur durch Insulin und Zuckertabletten beeinflussen, sondern auch durch die eigenen Lebensumstände, um die Risikofaktoren zu minimieren. Gleiches gilt für Bluthochdruck. Dieser belastet die Gefäßwände dauerhaft, fördert Arteriosklerose – die Verengung und Verhärtung der Schlagadern durch Ablagerungen. Eine gute Einstellung des Blutdrucks ist erforderlich und eine entsprechende Anpassung von Essen und Bewegung.
Das betrifft ebenso den Einfluss der Blutfette wie Cholesterin. Dies wird direkt an den Gefäßwänden eingelagert. Deshalb achten wir bei unseren Therapien auf eine ganz aggressive Vorgehensweise gegen schädliches Cholesterin. Herz-Kreislauf-, aber auch Nierenerkrankungen müssen gut behandelt werden, um Risiken zu minimieren.
Die Entscheidung für eine gesunde Lebensweise liegt zu großen Teilen bei jedem selbst, das sei besonders in Bezug auf den Risikofaktor Rauchen gesagt. Nikotin schädigt die Gefäßwände ganz direkt. Es ist der größte Triggerfaktor für Gefäßerkrankungen.

Bei einer Ultraschalluntersuchung werden Gefäße untersucht, egal ob Halsschlagader oder Venen in den Beinen. Daneben gibt es weitere Methoden, unter anderem in der Angio-Suite, die während des Webseminars beschrieben wurde.
Seenluft24 / Oliver Beyer / Sana Kliniken NiederlausitzWarum ist es so wichtig, dass Wunden schnell heilen?
Die Kurzformel lautet: Zeit ist Gewebe. Wunden sind „Eingangstore“ für alle körperfremden und damit schädigenden Stoffe, auch Bakterien. Die Wundheilung zeigt aber auch eindeutig die Durchblutung an. Früh erkannte Probleme verbessern Heilungschancen, spät erkannte können mit Gewebeverlust verbunden sein und langwierige Krankenhausaufenthalte notwendig machen.
Mit Gefäßsonografie und Ultraschall untersucht Arzt Ursachen
Ich habe eine Überweisung zum Gefäßchirurgen. Was wird wie untersucht?
In der Regel erfolgt eine Gefäßsonografie. Doppler bedeutet beispielsweise eine strahlungsfreie Ultraschalluntersuchung, um Blutfluss und Gefäßzustand einschätzen zu können. Bei der Duplexsono, ebenfalls ein Ultraschallverfahren, liegt eine Kombination von Gefäßmessung und der bildlichen Darstellung vor. So findet man Gefäßverengungen, Thrombosen oder Durchblutungsstörungen. Nennen könnte man noch die ABI-Messung. Das Verfahren findet mit der Blutdruckmessung an Knöchel und Oberarm Ergebnisse.
Zur Diagnose gehören in der Regel auch ein Wundcheck und die Perfusionsabschätzung. Dabei wird mit bildgebenden Verfahren die Gewebedurchblutung dargestellt. Das könnte in Akutfällen besonders wichtig sein, um zu wissen, wo sich noch intaktes Gewebe befindet.
Nach der Auswertung aller Befunde ergibt sich eine individuelle Entscheidung aus Befund und konkreter Situation des Patienten zum Gegensteuern: konservative Therapie, endovaskulärer Eingriff, Operation oder eine Kombination aus mehreren Verfahren.
Ich bin von Gefäßverengung betroffen und bei der Informationssuche immer wieder auf den Ausdruck Angio-Suite als Behandlungsmethode gestoßen. Was ist das konkret?
Das ist keine Behandlungsmethode, sondern ein sehr spezialisierter Untersuchungs- und Behandlungsraum für Patienten mit Gefäßerkrankungen und ein echter Meilenstein in der modernen Medizin. Gleichzeitig an einem Ort erfolgen sehr präzise bildgebende Diagnostik und die minimalinvasiven Eingriffe.
Im ersten Schritt hilft die hochauflösende Gefäßdarstellung selbst kleinster Gefäße, um Engstellen und Verschlüsse präzise zu lokalisieren. Diese Diagnose wird sofort vor Ort mit dem Patienten besprochen, Therapiemöglichkeiten werden abgewogen. Im direkten Anschluss, ohne zusätzlichen Eingriff, wird behandelt. Das kann durch Katheter, Ballonaufdehnung oder einen Stent erfolgen. Viele Engstellen lassen sich ohne größere Operation beseitigen. Das bedeutet für die Patienten auch, dass die Belastung durch eine Betäubung auf einen lokalen Bereich eingeschränkt werden kann, das bedeutet: kürzere Eingriffsdauer und in der Folge schnellere Erholung.
Medikamente, Gehtraining und Wundversorgung für gesunde Beine
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, wenn bei mir Durchblutungsstörungen festgestellt wurden?
Wichtigste Anliegen sind stets der Patientennutzen, Schmerzreduktion, Wundheilung und wenn notwendig, die Gehfähigkeit verbessern bzw. wieder herstellen und all dies mit möglichst schonenden Methoden. Auf dieser Basis gibt es dann vier Behandlungsebenen die oft miteinander und nebeneinander verknüpft werden.
Eingangs werden die identifizierten Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker, Einstellung von Blutfetten behandelt. Es erfolgt ein spezielles Gehtraining, das Rauchen sollte dringend eingestellt werden, Medikamente kommen zum Einsatz. Das Wundmanagement beinhaltet eine professionelle Wundversorgung. Hier kommt es wirklich auf professionelle Versorgung an. Ich habe in der Praxis schon wahrhaft eng „umwickelte“ Beine gesehen. Das nutzt keinesfalls. Druckentlastung und Infektionskontrolle wären selbstverständlich.

Tom Hammermüller, Chefarzt im Sana Gefäßzentrum Lausitz der Sana Kliniken Niederlausitz, hat im Webseminar die Fragen der Teilnehmer beantwortet und Heilungsmethoden bei Wunden und Schmerzen im Bein beschrieben.
Steffen Rasche Fotografie / Sana Klinken NiederlausitzAn dritter Stelle steht die endovaskuläre Therapie. Sie enthält: Ballonaufdehnung, Stent, Wiedereröffnung verschlossener Gefäße über Katheter. Erst an letzter Stelle stehen notwendige operative Verfahren wie das Setzen eines Bypasses, Ausschälplastik oder die Kombination verschiedener Verfahren, die mit moderner Medizin derzeit weniger traumatisierend für Patienten sind.
Zur Wahrheit über Gefäßerkrankungen gehört, dass betroffene Patienten lebenslang Kontrolle und vielleicht Behandlung benötigen. Gefäßspezialisten können immer nur punktuell an den Stellen eingreifen, an denen die Durchblutung unterbrochen ist, und dort Linderung verschaffen. Man kann nicht das gesamte Gefäßsystem „putzen“.
Arzt rät besonders Diabetikern, auf Wunden zu achten
Was raten Sie Diabetikern, die mit offenen Wunden Probleme haben?
Diabetes schädigt Nerven und Gefäße gleichzeitig. Deshalb bleiben Verletzungen oft unbemerkt, weil Schmerz nicht wahrgenommen werden kann. Wenn zusätzlich die Durchblutung gestört ist, erschwert dies Heilungsprozesse zusätzlich.
Gerade Diabetiker müssen Wunden sehr schnell lokalisieren durch eigene Kontrollen, besser durch eine regelmäßige medizinische Fußpflege. Sie sollten bei festgestellten Wunden Arztkonsultationen zeitnah realisieren. Besonders für diese Patienten ist ein enges Zusammenspiel verschiedener Fachbereiche – Gefäßmedizin, Diabetologie, Wundmanagement sowie weiterer – sehr entscheidend.
Nicht nur als Diabetiker hat man natürlich Angst, was eine eingeschränkte Gehfähigkeit betrifft. Was kann man als Betroffener selbst tun, um sich lange Lebensqualität trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu erhalten?
Man kann dies kurz zusammenfassen: früh erkennen, nicht abwarten, richtig behandeln. Besonders als Diabetiker lokalisieren Sie kleine Wunden, Druckstellen, Verfärbungen oder Risse schnell. Dabei bitte nicht die Zehenzwischenräume vergessen. Ein Tipp wäre auch, dass Sie seltener barfuß laufen, um Verletzungen zu vermeiden, und geeignetes Schuhwerk tragen bzw. gepolstertes, orthopädisches nutzen, um Risiken zu minimieren.
Was würden Sie als dringend behandlungsbedürftig einstufen?
Schwarze oder bläuliche Verfärbungen an Zehen, Fersen oder Fußsohlen sollten sofort dem Haus- oder Facharzt vorgestellt werden. Das sind deutliche Zeichen von Gewebeverlust. Fieber, starke Rötungen oder Eiter erfordern schnelles medizinisches Eingreifen. Das sind Zeichen einer schweren Infektion, die sich schnell ausbreiten könnte.
Hier zählt jede Stunde, stellen Sie sich sofort beim Spezialisten vor oder suchen Sie die Rettungsstelle auf. Das gilt auch, wenn man spürt, dass der Fuß plötzlich kalt und weiß ist. Die Ursache könnte ein akuter Gefäßverschluss sein. Hier ist der Weg in eine Notaufnahme sehr dringend angeraten.
Kann auch der Hausarzt Durchblutungsstörungen feststellen?
Der erste Weg führt in der Regel zum Hausarzt, schließlich kennt er Sie am längsten, weiß von ihren Erkrankungen und Risiken. Für eine spezielle Ultraschalluntersuchung wird er Sie meist zu einem Gefäßspezialisten überweisen, da nur wenige Hausärzte über die notwendigen Geräte verfügen.
Arzt: Kompression heilt fehlende Durchblutung der Beine nicht
Gegen meine geschwollenen Beine soll ich Kompressionsstrümpfe tragen. Hilft dies auch gegen Gefäßverengungen?
Diese Spezialstrümpfe sollen vermeiden, dass Wasser in den Beinen angelagert wird. Dazu drücken diese Strümpfe auch die Venen zusammen. Das wäre aber der falsche Weg, wenn eine Gefäßerkrankung vorliegt. Deshalb muss eine genaue Diagnose abklären, ob und wo Durchblutungsstörungen vorhanden sind, warum Ihre Beine anschwellen. Bei Durchblutungsstörungen sind Kompressionstrümpfe nicht ratsam.
Führen Durchblutungsstörungen zu Sehproblemen?
Ja, dies kann bis zur Erblindung gehen. Betroffen sind auch hier wieder gerade Diabetiker. Es kann sich die Netzhaut lösen, die Makula schwillt an – aber das ist das Gebiet des Augenarztes, ich kann nur darauf hinweisen.
Nach der Geburt meiner Kinder habe ich Besenreiser an den Beinen. Sollte ich diese operieren lassen?
Es muss festgestellt werden per Ultraschall, ob dies ein kosmetisches Problem ist oder ob wirkliche Krampfadern vorliegen. Das ist keine Durchblutungsstörung der Gefäße, sondern ein gestörter Abfluss des Blutes.


