Schloss Charlottenburg in Berlin
: Neues Besucherzentrum soll Gäste besser empfangen

Das Schloss Charlottenburg in Berlin bekommt ein Besucherzentrum. Damit soll sich die Situation für Gäste verbessern. Doch es gibt auch Kritik.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
Jetzt in der App anhören
Neubau Besucherzentrum am Schloss Charlottenburg

Die Visualisierung zeigt das neue Besucherzentrum am Schloss Charlottenburg in Berlin, das als gläserner Pavillon geplant ist.

bez+kock architekten bda
  • Schloss Charlottenburg erhält ein Besucherzentrum – ein gläserner Pavillon mit zwei Etagen.
  • Ziel ist ein besserer Empfang: Tickets, Info, Shop und Bistro sind vorgesehen.
  • Planung läuft, Baugenehmigung fehlt noch; Eröffnung war ursprünglich für Anfang 2029 geplant.
  • Kritik wegen geplanter Fällung von 34 Bäumen und Kosten; BUND und Bezirk monieren Klimaschutz.
  • Stiftung verweist auf geschädigte Bäume und Ersatzpflanzungen; Schloss bleibt während Bau offen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Schloss Charlottenburg in Berlin erfreut sich zunehmender Beliebtheit und bekommt ein neues Besucherzentrum. „Es soll die bislang unzureichende Empfangssituation für die stetig wachsende Zahl der Gäste verbessern“, sagt Frank Kallensee, Sprecher der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“.

Die Besucherzahlen sind von 261.936 Besuchern im Jahr 2023 auf 334.222 Gäste im vergangenen Jahr angestiegen. Beim Gang durch die barock eingerichteten Wohngemächer können Neugierige sehen, wie die Könige damals gelebt haben.

Das Schloss am Spandauer Damm diente von 1701 bis 1888 den preußischen Monarchen als Sommerresidenz. Friedrich der Große nutzt die Festsäle im Neuen Flügel für Familienfeiern.

Das neue Besuchszentrum westlich des Ehrenhofvorplatzes soll das Ensemble komplettieren, heißt es von der Schlösser-Stiftung. Die Erscheinung des zweigeschossigen gläsernen Pavillons sei dabei von den historischen Orangerie-Bauten inspiriert.

Museumsshop und Bistro vor dem Schloss in Berlin

Geschosshohe Fenster sollen maximale Transparenz zur Umgebung bieten. In den großformatigen Scheiben werden sich die Schloss-Fassade sowie die Pflanzenwelt spiegeln.

Neben dem Ticketverkauf und einem Museumsshop seien ein Informationsangebot sowie ein Bistro vorgesehen, erklärt Kallensee. „Außerdem können im Besucherzentrum künftig ebenfalls Veranstaltungen stattfinden.“ Dafür soll auch ein Küchenflügel instand gesetzt werden. Durch die Sanierung der Innenräume entstünde gleichzeitig ein zentraler, barrierefreier Gästeeingang für das Schloss, erklärt der Sprecher.

Der Entwurf für den Neubau wurde schon im Juni 2021 im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs ausgewählt. Anfang 2023 begann man mit der Planung. Ende 2025 wurde der Bauantrag bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eingereicht. Weil jedoch die Baugenehmigung noch nicht vorliege, könne derzeit kein konkreter Fertigstellungstermin benannt werden, heißt es von der Stiftung.

Denn bei der Prüfung durch die Baufachbehörde seien neue Fragen, unter anderem zur Dachkonstruktion, aufgetreten, die gegebenenfalls Anpassungen nötig machten, berichtet Kallensee. Das könnte zu Verzögerungen führen. Ursprünglich war vorgesehen, das Besucherzentrum Anfang 2029 zu eröffnen.

„Dieses überflüssige Bauvorhaben ist nicht mehr verantwortbar.“
Daniel Buchholz
Vorstand vom Umweltverband BUND

Auch die umstrittene Fällung von 34 Bäumen wird laut Schlösser-Stiftung frühestens in der Wintersaison 2027/28 erfolgen. Der Umweltverband BUND Berlin fordert deshalb sogar den Stopp des Bauprojekts.

„In Zeiten der fortschreitenden Klimakrise und klammer öffentlicher Kassen ist dieses überflüssige Bauvorhaben nicht mehr verantwortbar“, findet Vorstandsmitglied Daniel Buchholz. „Es stehen ausreichend Bestandsgebäude zur Verfügung, wie die Kleine Orangerie, und deutlich untergenutzte Räume.“

Geld für den Neubau in Berlin kommt von Bund und Ländern

Für den Neubau sind derzeit 11,85 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm veranschlagt, mit dem der Bund und die Bundesländer die Sanierung und den Ausbau wichtiger historischer Kulturstätten finanzieren.

Aber auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf übt Kritik. „Die Regelungen der Baumschutzverordnung Berlin oder des Berliner Klimaanpassungsgesetzes werden im Abwägungsprozess schlichtweg ignoriert“, sagt der Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis 90/Die Grünen).

Bauarbeiten vor dem Schloss Charlottenburg gab es auch in den vergangen Jahren schon. Nun soll auf dem Parkplatz ein neues Besucherzentrum errrichtet wreden.

Bauarbeiten vor dem Schloss Charlottenburg in Berlin gibt es immer mal wieder. Nun soll auf dem Parkplatz ein neues Besucherzentrum errichtet werden.

Sebastian Gollnow/dpa

Dass sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten die Fällungen selbst genehmigen könne, zeige, wie wenig die Notwendigkeit der Klimaanpassung trotz dieses Hitzesommers bisher in den Köpfen der Verwaltungen angekommen sei.

„Das Bezirksamt war von Anfang an über das Projekt informiert“, hält Schlösser-Stiftungs-Sprecher Kallensee dagegen. Die ersten Gespräche dazu seien schon 2019 geführt worden. Dabei sei auch explizit das geplante Baufeld vorgestellt und ausdrücklich begrüßt worden.

Die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes selbst sei als Preisrichterin im Wettbewerb für den Neubau vertreten gewesen und der Siegerentwurf einstimmig ausgewählt worden. „Auch hier waren die erforderlichen Fällungen bekannt“, sagt Kallensee.

Bei den Bäumen soll es sich um vorwiegend geschädigte Exemplare mit geringer Lebenserwartung handeln. Sie stehen derzeit auf einem Parkplatz. „Durch dessen starke Versiegelung weisen sie einen hohen Anteil an Totholz und in den Kronen starke Schädigungen auf“, berichtet der Stiftungs-Sprecher. Ihr Zustand sei durch einen unabhängigen Baumgutachter erfasst worden.

Neue Bäume vor dem Schloss Charlottenburg

In der Schlossumgebung könnten insgesamt 20 Bäume neu gepflanzt werden. Dabei wolle man besonders auf die stadtklimaverträgliche Lindenart Tilia cordata „Rancho“ setzen. Dazu soll der Parkplatz entsiegelt und zur Pflanz- und Rasenfläche werden, in der dann auch das Regenwasser wieder umweltfreundlich versickern könne.

Trotz der umfangreichen Maßnahmen können Besucher aber weiterhin durch Friedrichs Gemächer pilgern. „Das Schloss Charlottenburg wird auch während der Bauzeit des Besuchszentrums öffentlich zugänglich bleiben“, versichert Kallensee.