Zum Jahresende sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die Geschäfte in Bamberg und Deggendorf, im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim und im niedersächsischen Papenburg ihr Tore schließen. Ende März nächsten Jahres sollen die Geschäfte in Augsburg und in Wildau bei Berlin folgen, zum Ende Juni 2021 auch die Filiale im nordrhein-westfälischen Rheine. Insgesamt sind davon 650 Mitarbeiter betroffen. Zuvor hatten Zeitungen der Funke-Gruppe darüber berichtet. Wie es um die Filiale in Kolkwitz steht, bleibt weiter unklar. Das ergab eine Nachfrage bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Real-Kette soll zerschlagen werden

Die Schließungen seien mit den künftigen Real-Eigentümer besprochen, erfuhr dpa. Der künftige Real-Besitzer SCP hatte bereits kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages mit der Metro angekündigt, rund 30 Filialen mangels Zukunftsperspektiven schließen zu wollen. Der Rest der Kette soll zerschlagen werden. Ein Großteil der 276 Real-Märkte soll an Wettbewerber wie Kaufland, Globus oder Edeka verkauft werden. Nur ein Kern von 50 Filialen soll noch 24 Monate unter dem Namen Real weitergeführt werden.

Verdi fordert Rückhalt von der Politik

Bei der Verdi löst die Nachricht Enttäuschung und Unverständnis aus. Stefanie Nutzenberger vom Gewerkschafts-Bundesvorstand sagte: „Das ist ein bitterer Tag für die Beschäftigten bei Real und es sind wohl leider nicht die letzten schlechten Nachrichten nach diesem desaströs geführten Verkaufsprozess.“ Sie betonte: „Die Erwerber von Real müssen alles tun, um die Zahl der Schließungen klein zu halten. Wir erwarten, dass die heute bekannt gewordenen Schließungen nicht noch auf die vermeintlich 30 Filialschließungen, die als Zahl kursieren, oben draufkommen. Zudem fordern wir von den Erwerbern, dass sie den Übergang bei real tarifvertraglich mit Verdi gestalten.“

Die Beschäftigten müssten in die volle Tarifbindung zurückkehren. „Dafür muss sich endlich auch vehementer die Politik, etwa das Bundeswirtschaftsministerium, einsetzen“, forderte die Gewerkschafterin: „Es wäre ein Armutszeugnis, wenn die Arbeitsplätze der vor allem weiblichen Beschäftigten im Einzelhandel mal wieder so viel weniger zählen als Arbeitsplätze in der Industrie.“