Razzia-Fotos: Polizei durchsucht Clanchef-Villa in Brandenburg
Bei einer Razzia in Berlin und Brandenburg sowie der Schweiz haben rund 300 Beamte von Polizei und Steuerfahndung Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro sichergestellt. Die Ermittler durchsuchten unter anderem die Villa eines Verdächtigen in Kleinmachnow (Kreis Potsdam-Mittelmark) in Brandenburg, am südlichen Stadtrand von Berlin gelegen.
Laut rbb24 handelt es sich um den Chef des Abou-Chaker-Clans, Arafat Abou-Chaker (44). Ein Video bei Bild Live zeigt den Clanchef in T-Shirt und Jogginghose vor der Tür der Villa in Kleinmachnow um kurz nach sechs Uhr früh – als die Ermittler bei ihm vor der Tür standen.
Der Verdacht gegen den Clanchef: Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Betrug. Es geht um einen Bereich, den die Staatsanwaltschaft „Managementleistungen innerhalb der Rapszene“ nennt – und es geht neben dem Clanchef um drei weitere Verdächtige.
Clanchef gegen Rapper Bushido: Gerichtsverfahren in Berlin
In Geschäftsräumen und Wohnungen stellten Beamte Kisten, Taschen und ganze Trolleys mit Geschäftsunterlagen und Datenträgern sicher. Festgenommen wurde niemand. Ein Anwalt des Clanchefs sagte: „Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich derzeit keine Auskünfte erteilen kann.“
Gegen den 44 Jahre alten Clanchef und drei seiner Brüder hatte im August 2020 am Berliner Landgericht ein Prozess wegen Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido begonnen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für den Clanchef die Unschuldsvermutung – dies gilt auch für die jetzt laufenden Ermittlungen.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte zum Anlass der Razzien: „Aus anderen Ermittlungen ergaben sich Hinweise auf Steuerstraftaten.“
Laut Anklage sollen der Clanchef und die Brüder als Gehilfen oder Mittäter Bushido Anklage bedroht, beschimpft, eingesperrt und angegriffen haben. Bushido hatte in der Hauptverhandlung vor dem Landgericht als Zeuge berichtet, dass der Clanchef als Manager und Geschäftspartner des Rappers im Lauf der Jahre insgesamt neun Millionen Euro von ihm erhalten habe.
Was Bushido zur Zusammenarbeit mit Berliner Clanchef sagt
Bereits ab 2004 habe er dem Clanchef 30 Prozent von seinen Einkünften zahlen müssen. Zu der mündlichen und für ihn unfreiwilligen Vereinbarung sei es gekommen, nachdem ihm der Clanchef geholfen habe, aus einem Plattenvertrag herauszukommen. Bushido erklärte weiter, in den ersten Jahren habe sich der Clanchef kaum um die Musikgeschäfte gekümmert. Das geforderte Geld habe er dem Clanchef in bar übergeben. Dann sei Anfang 2007 ein Managervertrag geschlossen worden.
Die beschuldigten Männer schweigen bislang. Drei von ihnen, darunter der 44-Jährige, sind auf freiem Fuß. Der Clanchef und Bushido – mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi – waren einst Partner im Musikgeschäft, posierten zusammen auf dem roten Teppich.
Doch dann kappte Bushido die Geschäftsbeziehung. Im Prozess sagte der Musiker als Zeuge, es sei eine Zwangsheirat gewesen. Der Prozess war im September 2020 unterbrochen worden, weil es der Mutter der Angeklagten sehr schlecht ging. Wenig später starb die Frau, zu der Beerdigung in Berlin kamen Hunderte Trauergäste.
Prozess in Berlin: Rapper Bushido unter Polizeischutz
Am 30. September 2020 soll vor Gericht die Befragung von Bushido, der auch Nebenkläger ist, fortgesetzt werden. Der Musiker wird stets von Beamten mit Sturmhauben in den Gerichtssaal gebracht, er steht unter Polizeischutz.
Am Vormittag hatte die Staatsanwaltschaft per Twitter mitgeteilt, die vier Beschuldigten seien teilweise dem Bereich der Organisierten Kriminalität zuzurechnen.
In Berlin haben die Ermittler ihren Kampf gegen diese Kriminalität verstärkt, bei der es vor allem darum geht, Geld aus illegalen Geschäften in den legalen Kreislauf zu bringen – etwa durch den Kauf von Immobilien oder Drogengeschäfte. Laut Polizeigewerkschaft GdP werden in Deutschland mehr als 100 Milliarden Euro jährlich reingewaschen.






