Nach der Meldung vom Donnerstag stellten die Ermittler der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) des Landeskriminalamtes Brandenburg bereits am 28. Mai nach eineinhalb Jahren intensiver Ermittlungen rund zehn Kilogramm Crystal sicher – die bisher größte sichergestellte Menge in Berlin und Brandenburg mit einem geschätzten Wert von circa einer Million Euro.
Ebenfalls beschlagnahmt wurden diese Laborgerätschaften
Ebenfalls beschlagnahmt wurden diese Laborgerätschaften
© Foto: Polizei
Die Ermittlungen führten zu insgesamt acht Männern im Alter von 21 bis 52 Jahren, unter anderem aus Armenien, Kroatien, Norwegen und den Niederlanden, erklärt Polizeisprecher Mario Heinemann auf Nachfrage. Das „Arbeitsspektrum“ der Bande war vielfältig. So betrieben sie mehrere Drogenlabore für die Herstellung von Amphetamin und Methamphetamin in großen Mengen. Zeitgleich organisierten sie Lieferungen von Drogen und Chemikalien aus dem In- und Ausland für die Herstellung und den Handel mit Betäubungsmitteln, insbesondere Crystal und Marihuana, so Heinemann.

Verbindung zu Angeklagten im Cottbuser Drogenprozess

Und der Fall zieht auch eine Spur in die Lausitz. Nach Rundschau-Informationen ist einer der Festgenommenen ein enger Vertrauter eines Angeklagten in einem laufenden Gerichtsverfahren am Cottbuser Landgericht: Im bislang größten Drogenprozess Brandenburgs, der Corona-bedingt in der Messehalle stattfindet, sind hier fünf Männer und eine Frau aus Forst, Gransee, Erkner und Berlin wegen Rauschgifthandels angeklagt.
Polizeisprecher Mario Heinemann bestätigt, dass es zwischen den in Cottbus vor Gericht stehenden Angeklagten und den nun festgenommen Tatverdächtigen „die eine oder andere Überlappung“ gibt. Die Beteiligten sollen sich demnach aus dem Drogenmilieu sowie aus Gefängnisaufenthalten kennen. Ob gemeinsame Straftaten begangen wurden, sei nicht bekannt. „Die Ermittlungen laufen derzeit“, so Heinemann.

Chef der Bande war im offenen Vollzug in Berlin

Organisator, Finanzier und Chef der nun festgesetzten kriminellen Gruppierung ist ein 39-jähriger Deutschiraner, der während dieser Zeit im offenen Vollzug Berlin seine achteinhalbjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßte, aus der er erst im April dieses Jahres nach viereinhalb Jahren Haft vorzeitig auf Bewährung entlassen worden war.
Am 28. Mai konnten die Ermittler mit Unterstützung von Spezialeinsatzkräften der Brandenburger Polizei bei einer Drogenübergabe zugreifen. Drei der Täter warteten bei einer Kfz-Werkstatt in Berlin-Pankow auf ihre Lieferung, die in den Mittagsstunden in einem Pkw der Marke Rover eingetroffen war. Die Täter konnten dabei beobachtet werden, wie sie einen Umzugskarton in den Kofferraum eines BMW verluden und das Werkstattgelände verließen.

Waffen, Munition und mehrere Zehntausend Euro sichergestellt

Bei der späteren Festnahme der drei Täter und der beiden Kurierfahrer stellten die Ermittler in dem BMW zehn Beutel mit je einem Kilogramm Crystal sicher. Bei der Durchsuchung der Werkstatt und weiteren vier Durchsuchungsorten wurden diverse Chemikalien, Laborequipment, Marihuana, mehrere Zehntausend Euro Bargeld, mehrere Schusswaffen und scharfe Munition sichergestellt.
Fünf Beschuldigte, darunter der 39-jährige Deutschiraner und zwei weitere Männer, gegen die bereits die Ermittlungen liefen, sowie die beiden bislang nicht im Fokus der Ermittlungen stehenden Kurierfahrer (ein Mann und eine Frau), wurden festgenommen und am 29. Mai dem Haftrichter am Amtsgericht Berlin-Tiergarten vorgeführt. Gegen alle Beschuldigten wurde Untersuchungshaft angeordnet.
In diesem Übersee-Container in Velten entdeckten die Beamten außerdem Tausende Liter Chemikalien zur Herstellung von Drogen.
In diesem Übersee-Container in Velten entdeckten die Beamten außerdem Tausende Liter Chemikalien zur Herstellung von Drogen.
© Foto: Polizei

Chemikalien in Container entdeckt

Bei Folgedurchsuchungen von Wohn- und Geschäftsräumen am 3. Juni 2020 in Brandenburg, Berlin und Düsseldorf wurde in Velten in einem Überseecontainer ein Labor und mehrere tausend Liter Chemikalien sichergestellt, die als Grundstoffe zur Herstellung von Drogen geeignet sind.
Besonders auffällig im Ermittlungsverfahren war, dass die Beschuldigten einen Großteil ihrer kriminellen Handlungen noch bereits aus dem offenen Vollzug während der Verbüßung einschlägiger Haftstrafen heraus planten und durchführten.

Ermittlungen nach Anzeige eines Hallen-Vermieters aus Barnim

Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Anzeige eines Vermieters einer Lagerhalle in Schönerlinde (Landkreis Barnim) im Januar 2019, in der verdächtige Chemikalien und Laborutensilien zur Herstellung von Betäubungsmitteln festgestellt wurden.
Dieser Anzeige schlossen sich im Auftrag der für organisierte Kriminalität zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) umfangreiche Ermittlungen in Brandenburg, Berlin, Thüringen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Spanien und den Niederlanden an.