Polarlichter über Brandenburg: Farbenspiel am Himmel über Kolkwitz – Naturspektakel geht weiter

Farbenspiel: Polarlichter auch am Himmel über Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße.
Luca WoitowMagenta, Türkis und Grün: Dank eines außergewöhnlich starken Sonnensturms waren in der Nacht auch über vielen Teilen Deutschlands farbenfrohe Polarlichter zu sehen. Wer das Naturphänomen verpasst hat, hat nun noch eine Chance: Der Wetterdienst sagt eine überwiegend sternenklare Nacht zum Montag (13. Mai) voraus.
Normalerweise sind Polarlichter vor allem in nördlichen Regionen zu sehen. Nach Angaben von Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg hätten die Sichtungen dieses Mal aber in Europa südlich bis zu den Kanaren gereicht, wo das Phänomen — wenn nicht mit bloßem Auge sichtbar — so doch auf Fotos festgehalten werden konnte. „Insofern war das schon sehr, sehr ungewöhnlich“, so Liefke. Die letzten Polarlichter in dieser Stärke habe sie vor über 20 Jahren gesehen.
Farbspektakel an Brandenburgs Nachthimmel
In der Nacht zu Sonntag (12. Mai) waren die farbenfrohen Lichter unter anderem auch in den Landkreisen Spree-Neiße – über Kolkwitz – und Märkisch–Oderland in Brandenburg und in Teilen Berlins zu sehen. Auch in Sachsen–Anhalt ließ sich das Naturphänomen bestaunen, so etwa auf dem Brocken und am Stadtrand von Magdeburg.

Lila leuchtet ein Polarlicht am Nachthimmel im Landkreis Märkisch-Oderland in Ostbrandenburg.
Patrick Pleul / dpaDer größtenteils wolkenfreie Himmel und die mondlose Dunkelheit schufen fast ideale Voraussetzungen für die Beobachtung der nächtlichen Lichtershow.
Meist sternenklarer Himmel in der kommenden Nacht
Wer die Polarlichter verpasst hat, könnte noch einmal eine Gelegenheit bekommen: Die Nacht zum Montag (13. Mai) werde meist sternenklar verlaufen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. „Zumindest wettertechnisch steht der Beobachtung und dem Fotografieren von Polarlichtern nichts im Wege“, erklärte Markus Übel vom DWD. Nur über dem Osten gebe es ein paar Wolkenfelder, die Sicht auf mögliche Polarlichter versperren könnten. Ob man in Deutschland aber erneut Polarlichter sehen oder ablichten kann und wie intensiv sie werden könnten, hänge davon ab, wie stark der geomagnetische Sturm werde.
Tatsächlich vermeldete die US–Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) in der Nacht von Freitag auf Samstag, dass das Spektakel noch nicht vorbei sei. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die geomagnetischen Stürme bis zum Wochenende anhalten werden, da mehrere zusätzliche koronale Massenauswürfe auf dem Weg in die äußere Atmosphäre der Erde sind“, so die NOAA.
Stärkster geomagnetischer Sturm seit 2003
Diese koronalen Massenauswürfe (CME) oder Sonnenstürme sind die Ursache für die seltenen Polarlichter. Die Stärke eines solchen Sturms wird laut Max–Planck–Institut für Sonnensystemforschung in drei fünfstufigen Kategorien angegeben, von denen Kategorie G geomagnetische Effekte beschreibt.
Zum aktuellen Sonnensturm erklärte die NOAA in der Nacht zu Samstag (11. Mai), „G5–Konditionen“ beobachtet zu haben. Diese höchste Stufe sei zuletzt bei den sogenannten „Halloween–Stürmen“ im Oktober 2003 festgestellt worden, welche zu Stromausfällen in Schweden und zur Beschädigung von Transformatoren in Südafrika führten.
GPS, Stromnetze, Raumschiffe, Satellitennavigation und andere Technologien könnten auch beim aktuellen Sonnensturm beeinträchtigt werden, teilte die NOAA mit. Am Samstag sprach sie von „Berichten über Unregelmäßigkeiten im Stromnetz und Beeinträchtigungen der Hochfrequenzkommunikation und des GPS“.
Für die Nacht prognostiziert die NOAA zunächst keine weiteren Sonnensturm in G5–Stärke. Laut Carolin Liefke würden indes G3 oder G4 ausreichen, um Polarlichter mit bloßem Auge bei guten Bedingungen auch bei uns wieder sehen zu können: „Ich würde mich in jedem Fall in der kommenden Nacht wieder auf die Lauer legen und werde das definitiv auch tun.“
Ein mit bloßem Auge sichtbarer Sonnenfleck als Ursprung
Ursprungsregion der Sonnenstürme ist den NOAA–Experten zufolge ein großer, komplexer Sonnenfleckcluster, der etwa 17–mal so groß wie der Durchmesser der Erde sei — dieser ist so groß, dass er laut Carolin Liefke mit bloßem Auge ohne Teleskop zu sehen ist.
„Insbesondere in der vergangenen Woche war er sehr schön zu sehen gewesen und nun wandert er — da sich die Sonne um sich selbst dreht — an den Sonnenrand und verschwindet in den nächsten Tagen“, sagt Liefke. Wer noch einen Blick erhaschen wolle, sollte aber unbedingt einen Schutz wie zum Beispiel eine Sonnenfinsternisbrille nutzen.
Der stärkste bisher gemessene geomagnetische Sturm wurde 1859 gemessen und ging als Carrington Event in die Geschichte ein, benannt nach dem britischen Astronomen Richard Carrington. Es hatte große Beeinträchtigungen des Telegrafen-basierten Kommunikationsnetzes zur Folge, setzte Telegrafen in Brand und verpasste Arbeitern Stromschläge.
