Wäre es nach dem noch amtierenden Vorstand der Linken gegangen, hätte sich die Partei bis Ende April Zeit genommen, um die Wahlniederlage bei der Landtagswahl zu analysieren und einen Neuanfang in die Wege zu leiten. Der Kreisverband Potsdam machte dem jedoch einen Strich durch die Rechnung und setzte gemeinsam mit Potsdam-Mittelmark und Oder-Spree einen vorgezogenen Parteitag im Februar durch, auf dem ein neuer Vorstand gewählt werden soll. Der wird nun in aller Eile vorbereitet.

Ein „Weiter so“ dürfe es nach dem Verlust von rund acht Prozent nicht geben, heißt es im Antrag der Potsdamer Linken vom November 2019. Außerdem ist von einem „inakzeptablen Zustand“ und einer „strategischen Führungsschwäche“ des Landesvorstandes die Rede. Innerhalb der Partei wird inzwischen von einem Potsdamer Putschversuch gesprochen, mit dem die Doppelspitze aus Anja Mayer und Diana Golze aus dem Amt gedrängt werden soll. Gleichzeitig wird den „Putschisten“ Dilettantismus vorgeworfen, weil bis heute kein Personalvorschlag aus dem Kreisverband der Landeshauptstadt kam, geschweige denn inhaltliche Vorschläge für eine Neuausrichtung.

Unzufriedenheit in der Lausitz

In der Partei wird davon ausgegangen, dass die ehemalige Sozialministerin Diana Golze nicht noch einmal für den Parteivorsitz kandidieren wird. Ihre Co-Vorsitzende Mayer dagegen schon. Ihr wird von einigen angekreidet, dass sie sich Ende letzten Jahres entschied, in den Kreisverband Frankfurt zu wechseln. Unzufrieden ist man auch in der Lausitz mit dem aktuellen Vorstand, weil der es nicht vermochte, auf der Landtagsliste neben Spitzenkandidatin Kathrin Dannenberg weitere Vertreter aus dem Süden aussichtsreich zu platzieren.

Offizielle Bewerber für den zweiten Führungsposten gibt es noch nicht. Einige potenzielle Kandidaten haben bereits abgewunken – allen voran Fraktionschef Sebastian Walter. Auch Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke sieht sich zeitlich nicht in der Lage, für die Stabilisierung des Landesverbandes durch alle Regionen zu touren. Gehandelt wird stattdessen die Mitarbeiterin der Bundestagsfraktion, Katharina Slanina. Sie war im vergangenen Jahr als Bürgermeisterin in Schorfheide (Barnim) angetreten und hatte ein beachtliches Ergebnis erzielt.

Am Donnerstag soll der Landesvorstand über Personalvorschläge für den Wahlparteitag diskutieren. Der wird in Templin stattfinden – für die Linke ein heikles Pflaster. 2016 entlud sich bei der Vorstandswahl dort der Unmut über den Vorstand und die Ministerriege und führte dazu, dass die Landesgeschäftsführerin Andrea Johlige bei ihrer geplanten Wiederwahl durchfiel.

Überschrift Infokasten diesmal zwei Zeilen