Sag ja!“, „Komm her!“, „Bleib fit!“ – mit solchen Slogans wirbt „Docemus“ auf Postkarten um neues Personal. Auch Vorträge und ein dieser Tage eigens eingerichtetes Internetportal sind Teil der Kampagne des privaten Schulbetreibers mit Standorten in Grünheide, Neu Zittau und Blumberg.

Denn der Bedarf an pädagogischem Nachwuchs sei gestiegen, der Mangel an qualifiziertem Personal nicht nur an den staatlichen Schulen spürbar, sagt „Docemus“-Chef Jens Brügmann. „Mit der Kampagne richten wir uns an Absolventinnen und Absolventen aller Fachrichtungen, die Spaß am Umgang mit jungen Menschen haben und deren Lebensweg ein Stück mitgestalten wollen. Aber auch erfahrene Lehrkräfte, ehemalige im Ruhestand und alle, die sich beruflich neu orientieren möchten, können sich gern bei uns bewerben.“

15 freie Schulen suchen aktuell noch Lehrer

Schaut man sich auf dem Stellenportal lehrer.biz um, stößt man auf rund 15 freie Schulen in Brandenburg, die ab sofort zumeist gleich mehrere Pädagogen suchen. Allein die Oberbarnimschule in Eberswalde sucht über ihre Homepage zum nächstmöglichen Zeitpunkt Lehrer für acht verschiedene Fächer.

„Es wird mit jedem Monat anstrengender, das Level an unseren Schulen zu halten“, sagt Irene Petrovic-Wettstädt, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen im Land Brandenburg (AGFS). „Je weiter weg von Berlin und Potsdam, umso schwieriger.“ Schon an Referendare zu kommen, sei dort ein Problem. Viele würden in Potsdam ihre Ausbildung machen, aber dann auch aus finanziellen Gründen den Schritt scheuen, in eine andere Region zu ziehen und sich dort an einer freien Schule zu bewerben.

„Das Bittere ist die doppelte Ungleichbehandlung“

„Das Bittere ist die doppelte Ungleichbehandlung der freien Schulen in Brandenburg“, findet Irene Petrovic-Wettstädt. Sie betreffe damit auch 13 Prozent aller Schüler im Land. Die freien Schulen seien unverzichtbar. „Aber wir können nicht verbeamten und wir sind von den Gehaltsentwicklungen an den staatlichen Schulen abgekoppelt.“ Gegen die in ihren Augen mangelhafte Finanzausstattung klagen die freien Schulen vor dem Verwaltungsgericht. „Es geht um Zuschüsse in Höhe von 44 Millionen Euro für zwei Schuljahre, die uns vorenthalten werden“, sagt die Chefin der Arbeitsgemeinschaft.

Auch die Fortbildung von Quereinsteigern bleibe bei der Zuschuss-Berechnung unberücksichtigt, kritisiert Irene Petrovic-Wettstädt. „Wir stellen Mentoren bereit, bezahlen für Fortbildungskurse pro Person 1500 Euro im Halbjahr. Aber die Berechnung der Zuschüsse hat sich seit 2012 nicht verändert. Damals hat niemand an Quereinsteiger gedacht.“

Eine Chance für Seiteneinsteiger

Längst liege den freien Trägern die Integration von Seiteneinsteigern besonders am Herzen. „Wir haben vor fünf Jahren sehr bewusst ein Programm aufgelegt, um die Potenziale dieser Menschen für unsere Schüler zu nutzen“, sagt Markus Althoff von der Hoffbauer-Stiftung. Die Bewerberlage bei Hoffbauer sei „immer noch gut“, betont Althoff. Das liege vor allem daran, dass man ausschließlich Standorte am Berliner Rand habe und bei der Bezahlung vom Tarifwerk des Diakonischen Werks profitiere.

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Autor XXX