Sie haben eine Frau körperlich misshandelt, seelisch gequält und ausgeraubt. Die stundenlange Gewaltorgie am 7. Januar dieses Jahres, eine Racheaktion aus nichtigem Anlass, gipfelte darin, dass die 34-Jährige in mörderischer Absicht in die eiskalte Oder gestoßen wurde. Am Montag sind im ersten von drei Prozessen in der Sache die beiden Haupttäterinnen verurteilt worden. Fünfeinhalb Jahre Haft nach Jugendstrafrecht lautete vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) der Schuldspruch gegen die 19-jährige Monique D. Die 31 Jahre alte Jennifer S. wurde zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Außerdem müssen die beiden Drogenkonsumentinnen eine Entziehungsanstalt aufsuchen.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten jeweils sechs Jahre Haft nach Jugendstrafrecht für Monique D. und acht Jahre Haft für Jennifer S. gefordert. Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding sprach von einer geplanten Tat, der Verabredung zu Raub, Gewalt und seelischer Demütigung des Opfers. Die Gründe dafür, dass sich eine aus Frauen und Männern bestehende Clique unter Drogeneinfluss dazu entschloss, seien bis zum Schluss unklar geblieben. Am Ende des Martyriums sei es darum gegangen, eine Aussage des gequälten Opfers bei der Polizei zu verhindern. Deshalb hätten die beiden Angeklagten beschlossen, die 34-Jährige in die eiskalte Oder zu stoßen. Es sei ein Wunder gewesen, dass sie sich selbst retten konnte, betonte der Oberstaatsanwalt.

Opferanwältin Katja Isenberg prangerte in ihrem Schlussplädoyer auch das Verhalten der beiden Frauen seit jener verhängnisvollen Nacht an. Die Geständnisse seien sehr spät gekommen und eine Entschuldigung habe es bis heute noch nicht gegeben. Ihre Mandantin sei durch die erforderliche Aussage als Zeugin erneut traumatisiert worden. Es sei zudem zu einfach, der Gesellschaft eine Mitverantwortung für das Geschehen zuzuschreiben. „Auch eine schwere Kindheit rechtfertigt nicht eine solch völlig sinnlose Tat“, betonte die Rechtsanwältin. „Jeder ist selbst seines Glückes Schmied.“

Als positiv hob Katja Isenberg hervor, dass beide Angeklagte je 6000 Euro Schmerzensgeld zahlen wollen, ab sofort und in Monatsraten à 50 Euro. Dies wurde zum Ende des Prozesses vereinbart. „Aber auch das hätte schon früher passieren können“, kritisierte die Nebenklagevertreterin. „Seit Januar ist viel Zeit vergangen.“ Die Wunden ihrer Mandantin seien äußerlich geheilt, „aber psychisch ist sie schwer gezeichnet“. Es sei unklar, ob und wenn ja wann sie wieder ein glückliches Leben führen könne. Zumal ihre Wohnung und das Quartier eines Tatbeteiligten in einer Straße liegen und man sich so zwangsläufig sehe. „Es ist nicht vorstellbar, was das mit einem macht.“

Die Verteidiger der beiden Angeklagten reagierten in ihren Plädoyers pikiert auf die Kritik der Nebenklage. Von späten Geständnissen könne keine Rede sein, und ein Aufwachsen in extrem zerrütteten Verhältnissen spiele sehr wohl eine Rolle, wenn nun über die Taten zu urteilen sei. Jennifer S. stamme aus einem Alkoholiker-Elternhaus, sie sei von Heim zu Heim weitergereicht worden, konnte lange Zeit weder schreiben noch lesen. Zudem habe es in der Familie ungeklärte Todesfälle gegeben, betonte Rechtsanwalt Valentin Babuska.

Sein Kollege Denis Matthies wies außerdem den Appell der Nebenklage zurück, sofort auf Rechtsmittel zu verzichten, damit das Opfer mit diesem Verfahren abschließen könne. Schließlich würden auf sie noch zwei Prozesse gegen weitere Beschuldigte folgen, so Katja Isenberg. Matthies erwiderte, dass es für seine Mandantin wichtig sei, zumindest eine Revision zu prüfen.

Späte Entschuldigung

Die Verteidiger beider Angeklagten stellten am Ende keine konkreten Strafanträge, forderten aber, dass sich das Strafmaß am unteren Rand der ausgehandelten Verständigung bewegen möge. Dem folgte die Kammer um die Vorsitzende Barbara Sattler weitgehend.

Die Vereinbarung sah vor, dass – jeweils ein Geständnis vorausgesetzt – Jennifer S. zu maximal acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wird und Monique D. zu einer Jugendstrafe von höchstens sechs Jahren.

Zumindest die 19-jährige Hauptangeklagte hatte sich am Montag in ihrem letzten Wort bei dem nicht im Saal anwesenden Opfer entschuldigt: „Es tut mir leid. Ich hoffe, dass sie das Geschehen verarbeiten kann.“

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