„Brandenburg ist erneut ein Stück weit sicherer geworden.“ Mit diesen Worten hat Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Mittwoch in Potsdam die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik für 2019 vorgelegt. Aber stimmt das wirklich? Die RUNDSCHAU blickt einmal genauer in die Zahlen:

Kriminalität sinkt insgesamt

171 828 Straftaten hat die Statistik der Polizei für 2019 in Brandenburg erfasst. Das sind 0,6 Prozent weniger als im Jahr 2018 und bedeutet zugleich den niedrigsten Wert seit der Jahrtausendwende.

Aufklärungsquote steigt leicht

56,3 Prozent aller Straftaten in Brandenburg wurden 2019 aufgeklärt. Das ist ein minimaler Anstieg im Vergleich zum Jahr davor, im Vergleich zu früheren Jahren aber ein eher durchschnittlicher Wert. Geholfen hat der Polizei, dass Delikte, bei denen eine Aufklärung generell schwierig ist, wie Diebstahl oder Einbruch, zurückgegangen sind. Gleichzeitig gibt es mehr Fälle von Körperverletzungen, Rauschgiftdelikten oder auch Mord. Dort ist es oft leichter, den Täter tatsächlich zu ermitteln. So wird nur jeder vierte Diebstahl in Brandenburg aufgeklärt, aber über 80 Prozent aller Gewaltdelikte.

Es wird weniger geklaut

So wenig wie im vergangenen Jahr ist in Brandenburg seit Jahren nicht mehr geklaut worden. Im Vergleich zu 2000 hat sich die Zahl der Fälle halbiert. Ein Viertel weniger Taschendiebstähle, 14 Prozent weniger geklaute Autos, zwölf Prozent weniger beim Klau aus Garagen, Bungalows und Gartenlauben - und das binnen eines Jahres. Da kann man der Polizei mal gratulieren. „Mein ausdrücklicher Dank geht vor allem an unsere Partner in der polnischen Polizei, mit deren Hilfe es uns gelungen ist, einer ganzen Reihe von international agierenden Täterbanden das Handwerk zu legen“, sagt der amtierende Polizeipräsident Roger Höppner.

Es gibt mehr Gewalt

Die Zahl der Gewaltstraftaten ist im vergangenen Jahr auf über 5000 gestiegen. Tas ist zunächst einmal ein beunruhigendes Zeichen, allerdings verglichen mit den vergangenen 20 Jahren kein neuer Rekordwert. 2007 beispielsweise waren es schon einmal fast 6000. Dennoch gibt es Tendenzen, die Grund zur Sorge geben. So gibt es zwar weniger schwere Körperverletzungen, die nach wie vor ein Gros der Taten in diesem Bereich ausmachen. Dafür aber mehr Raubdelikte (1000), deutlich mehr Vergewaltigungen (324), mehr Morde (18) und mehr Fälle von Totschlag oder versuchtem Totschlag (38).

Weniger Kriminalität in den Grenzgemeinden

In den Gemeinden entlang der polnischen Grenze sinkt die Kriminalität. Zwar sind sie verglichen mit ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung immer noch überproportional betroffen, dennoch ist ein deutlicher Rückgang spürbar. Insgesamt 17 890 Fälle hat die Polizei hier 2019 erfasst, 728 weniger als im Vorjahr. Das liegt vor allem daran, dass deutlicher weniger Autos geklaut wurden. Aber auch Einbrüche und Körperverletzungen sind entlang der Grenze rückläufig. Allerdings gibt es deutlich mehr Rauschgiftdelikte.

Weniger Autos werden geklaut

Exakt 2019 Fahrzeuge wurden 2019 in Brandenburg geklaut. Das ist ein neuer Tiefststand. Allerdings wurden auch nie in den vergangenen 20 Jahren so wenige Fälle aufgeklärt, gerade einmal 17,4 Prozent.

Welle der Einbrüche ist vorbei

Beim Wohnungseinbruch ist man zurück auf dem Level von 2009, bevor die große Welle der Einbrüche über Brandenburg kam. 2654 Fälle bedeuten zwar einen leichten Anstieg, insgesamt aber scheint sich dieser Deliktbereich zu stabilisieren.

Deutlich mehr Drogenkriminalität

Auffällig ist, dass Brandenburg in Sachen Rauschgift einen deutlichen Anstieg zu verzeichnen hat. Haupttriebfeder scheinen die „allgemeinen Verstöße mit Cannabis“ zu sein, die rund die Hälfte aller Delikte in diesem Feld ausmachen. Aber ob das nun bedeutet, dass die Polizei genauer kontrolliert oder dass tatsächlich mehr konsumiert wird, lässt sich aus den Zahlen der PKS nicht beantworten. Polizeipräsident Höppner kündigt jedenfalls Konsequenzen an: „Diesem negativen Trend gilt es in den kommenden Jahren noch deutlich verstärkter entgegenzutreten.“

Weniger Straftaten durch Zuwanderer

Die Anzahl der Straftaten mit Tatbeteiligung von Zuwanderern ist leicht rückläufig. Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße - die ja per Definition nur von Zuwanderern begangen werden können - heraus, so werden 4,0 Prozent aller Straftaten in Brandenburg von Zuwanderern begangen. Vergleichsweise hoch ist ihr Anteil bei Vergewaltigungen (10 Prozent), sexueller Belästigung (15 Prozent) oder Ladendiebstahl (12 Prozent). Der überwiegende Teil solcher Taten wird aber nach wie vor von Deutschen begangen.