Solaranlagen, Umweltmanagement, spezielle Studiengänge, veränderter Speiseplan in der Mensa: Für Hochschulen in Brandenburg sind Klimaneutralität und Nachhaltigkeit im Studienbetrieb hochaktuell. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Einrichtungen.
Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) erzeugt nach eigenen Angaben mit Photovoltaikanlagen selbst regenerativen Strom: Im Rahmen eines Forschungsprojekts wird zudem seit 2011 eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 100 Kilowatt auf dem Dach der Forschungs- und Materialprüfanstalt (FMPA) betrieben. Zusammen mit einem Batteriespeicher mit einer nutzbaren Kapazität von 500 kW und 15 Ladesäulen dient die Anlage der Forschung zur Speicherung und Rückgewinnung erneuerbarer Energie beim Betrieb von E-Autos.

Forschungsprojekte zum Klimaschutz an der BTU Cottbus

Die Lausitzer Uni arbeitet zudem an mehreren Forschungsprojekten zu Nachhaltigkeit. Unter anderem wollen Wissenschaftler das Recycling von Batterien weiterentwickeln. Mit Hilfe eines neuen Verfahrens sollen Lithium-Akkus zukünftig Kathodenmaterial von ausgedienten Elektromobilakkus ohne Qualitätsminderung enthalten. Das Projekt fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
In der Universität Potsdam etwa arbeiten seit dem vergangenen Jahr zwei Managerinnen, die ein Klimaschutzkonzept umsetzen sollen. Es zeige der Universität Möglichkeiten auf, Treibhausgasemissionen zu senken, wie Sprecherin Antje Horn-Conrad berichtet. 82 Maßnahmen unter anderem in den Feldern Liegenschaften und deren Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energien, Mobilität, Ernährung und Green IT sind in dem Konzept enthalten. Zudem betreibt die Uni drei Solaranlagen.
Auch die Technische Hochschule Brandenburg (THB) bezieht nachhaltigen Strom – mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Gebäude des Zentrums für Informatik und Medien. Die Warmwasserbereitung erfolgt zudem über eine eigene Solaranlage am Mensa-Gebäude, wie Sprecherin Bianca Kahl berichtet. An der Hochschule werden unter anderem die Studiengänge Elektromobilität und Energieeffizienz Technischer Systeme angeboten. Auch in anderen Studiengängen befassen sich Seminare oder studentische Projekte der Hochschule zufolge mit verschiedensten Themen rund um die Nachhaltigkeit - beispielsweise mit der Entwicklung einer App für eine mögliche Mitfahrzentrale.
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Berlin

Ökostrom und Wasser-Recycling für mehr Klimaschutz

Die Studierenden im Land Brandenburg begleitet das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz mittlerweile in vielen Alltagssituationen. Das Studentenwerk in Potsdam bezieht nach eigenen Angaben Energie aus 100 Prozent Ökostrom. Im Hauptsitz werde nach dem Motto „weniger ist mehr“ agiert, indem Bewegungsmelder für die Flurbeleuchtung integriert sind, erläutert Sprecherin Josephine Kujau. In vielen der insgesamt 18 Wohnanlagen werde Strom aus nachhaltiger Energie- und Wärmegewinnung genutzt – etwa aus Photovoltaikanlagen, Solarthermien, und Blockheizkraftwerken. Sogenannte Grauwasseranlagen recyceln das Abwasser aus den Duschen und Handwaschbecken.
Als Beispiel für nachhaltiges Wohnen nennt die Sprecherin des Studentenwerks ein auf dem Campus der Technischen Hoschschule Wildau eröffnetes Wohnheim. Bei der Planung des Gebäudes sei viel Wert auf nachhaltige Aspekte gelegt worden. So könne in einem hauseigenen Blockheizkraftwerk Wärme und Energie gewonnen werden, erklärt sie. Diese wird direkt vor Ort verbraucht und versorgt auch das zweite – ältere – Wohnheim auf dem Grundstück mit. Die Solarthermie auf dem Dach des älteren Gebäudes kommt auch dem neuen Wohnheim zugute. Ein Gründach, das wie eine natürliche Klimaanlage wirkt, sei ebenso in dem Bau realisiert worden. Demnächst versorge eine E-Ladesäule auf dem Grundstück Fahrzeuge mit Strom, erzählt Kujau. Der Standort sei weitläufig, ein betriebseigenes E-Fahrzeug werde bereits genutzt.

Auch Uni-Mensen in Brandenburg sollen klimabewusster arbeiten

Potenzial, noch klimabewusster zu agieren, sieht das Studentenwerk bei den Verpflegungseinrichtungen wie der Mensa. So werden derzeit beispielsweise alle Plastikflaschen und Tetrapaks aus dem Sortiment genommen und durch nachhaltigere Glasflaschen ersetzt. Vor kurzem ist Kujau zufolge auf dem Campus Golm eine vegane Kaffeestation eingerichtet worden. Ab dem September werde ein regelmäßiger „Veggie Wednesday“ angeboten. Jeden Mittwoch werden in den acht Mensen und acht Cafeterien, die das Studentenwerk betreut, ausschließlich Speisen ohne Fleisch serviert. „Wir sind gespannt auf die Resonanz“.
Auch Berliner Hochschulen und ihre Mitarbeiter engagieren sich auf vielfältigen Wegen in Sachen Klimaschutz. Was viele Einrichtungen vereint, ist das Ziel, in den kommenden Jahren klimaneutral zu werden. Bei den Studenten fängt der Klimaschutz schon auf den Tellern in den Mensen an.
Ein Koch serviert in der veganen Mensa auf dem Campus der Technischen Universität in Berlin ein veganes Gericht mit Nudeln und Soja-Bolognese.
Ein Koch serviert in der veganen Mensa auf dem Campus der Technischen Universität in Berlin ein veganes Gericht mit Nudeln und Soja-Bolognese.
© Foto: Monika Skolimowska/dpa

Berliner Studenten sollen weniger Fleisch essen

Montags kommt kein Fleisch mehr auf den Tisch und auch sonst werden Schnitzel und Co. in der Minderheit sein: In den Berliner Mensen soll das Essen ab dem Wintersemester noch ökologischer werden. „Das neue Ernährungskonzept wurde insbesondere entwickelt, weil Studierende immer wieder an uns herangetreten sind mit dem Wunsch, das Angebot in den Mensen noch klimafreundlicher zu gestalten“, erklärt Daniela Kummle vom Studierendenwerk.
Fleisch und Fisch sollen künftig nur noch vier Prozent des Speiseplans ausmachen, das restliche Angebot wird vegetarisch oder vegan sein. Bereits seit fast zehn Jahren wird in den großen Mensen laut Kummle täglich ein veganes, sogenanntes Klimaessen, aus frischen, saisonalen Hauptzutaten serviert. „Dieses zeichnet sich durch einen besonders geringen Co2-Fußabdruck aus.“ Momentan sind die Mensen allerdings geschlossen, Essen gibt es auf Bestellung zum Abholen.

Uni-Mitarbeiter verzichten auf Kurzstreckenflüge

Der Klimaschutz wird an den Berliner Hochschulen immer mehr zum Thema. Und das macht sich nicht nur auf den Tellern bemerkbar. Viele Hochschulen stellen umfangreiche Klimaschutzkonzepte auf. Die Technische Universität (TU) zum Beispiel hat sich vorgenommen, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dazu sollen unter anderem Gebäude energetisch saniert werden. Hunderte Mitarbeiter wollen zudem bei Dienstreisen auf Kurzstreckenflüge verzichten und haben dazu eine Selbstverpflichtung unterschrieben.
„Wir haben das Thema Klimaschutz in den vergangenen vier Jahren deutlich nach vorn geschoben“, sagt Hans-Ulrich Heiss, TU-Vizepräsident für Lehre, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Nach außen hin sei das Engagement besonders sichtbar geworden, als Mitglieder des Präsidiums bei den Fridays for Future-Demonstrationen mitliefen.
Aktuell sei das „Climate Change Center Berlin Brandenburg“ ein wichtiges Projekt. In dem neuen Klimafolgen-Forschungszentrum mit Wissenschaftlern aus 34 Einrichtungen unter Federführung der TU sollen unter anderem die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des Klimawandels erforscht werden.
An der Hochschule gebe es zudem Hunderte Forschungsprojekte und viele Studiengänge, die sich mit Klimaschutzfragen beschäftigten. „Wahnsinnig stark nachgefragt ist zum Beispiel "Nachhaltiges Management", ein BWL-Studiengang mit grünem Touch“, erzählt Heiss. „Als wir den aufgesetzt haben, meldeten sich auf einen Schlag 600 Bewerber für 50 Plätze“.
Das Thema Nachhaltigkeit sei inzwischen ein Leitbild der Lehre. Jeder Student könne sich an einem entsprechenden Zertifikatsprogramm beteiligen. „Wir sind der Meinung, dass wir alle unsere Absolventen auf die nächsten Jahrzehnte vorbereiten müssen, nicht nur für den Beruf, sondern das Leben allgemein. Da wird der Klimawandel ein wesentliches Thema sein“, so Heiss.
Auch die Studenten selbst stellen demnach in Projektwerkstätten unter der Schirmherrschaft von Professoren seit vielen Jahren eigene Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit auf die Beine - von Photovoltaik über Bienenzucht bis hin zu klimafreundlicher Architektur. „Es ist ungeheuerlich, welche Fantasie und Erfindungsreichtum sie da entwickeln“, so Heiss.

Humboldt-Uni will bis 2030 klimaneutral werden

An der Humboldt-Universität engagieren sich Studenten ebenfalls: Zu den Projekten des „Nachhaltigkeitsbüros“ gehören etwa der Podcast „Nachhall“, das Lehrprogramm „Studium Oecologicum“ oder auch Urban Gardening.
Die Hochschule will bis 2030 klimaneutral werden und hat jetzt zwei Klimaschutzmanager engagiert. Einer von ihnen: Martin Herrmann. Mit seiner Kollegin will er zunächst ein Klimaschutzkonzept aufstellen und gemeinsam mit Hochschulvertretern Maßnahmen entwickeln, um die Treibhausgas-Emissionen deutlich zu minimieren.
„Wir fangen natürlich nicht bei Null an. Es gibt bereits vielfältigste Aktivitäten, wie zum Beispiel Photovoltaikanlagen auf Dächern. Die HU bezieht außerdem mehr als 90 Prozent ihres Stroms aus Ökostrom“, so Herrmann. Außerdem sei auf dem Campus eine erste Elektroladesäule installiert worden. Und da Dienstreisen per Flugzeug ein großer Treiber von Treibhausgasemissionen seien, hätten sich über 500 Mitarbeiter bereit erklärt, auf Kurzstreckenflüge, die sich innerhalb von zwölf Stunden mit alternativen Verkehrsmitteln zurücklegen lassen, zu verzichten.
Aus Sicht des Klimamanagers Herrmann „macht es wenig Sinn, sich nur auf die Hochschule selbst zu beziehen“. Sie leiste mit ihrer Forschung zur Nachhaltigkeit natürlich einen ganz wichtigen Anteil. „Es ist auch wichtig, die Ergebnisse der Forschung nach außen zu tragen“.
„Die Freie Universität hat im Dezember 2019 als erste deutsche Hochschule den Klimanotstand ausgerufen“, teilte eine Mitarbeiterin mit. Eines ihrer Ziele: Klimaneutralität bis 2025. Bereits seit 20 Jahren werde ein aktives Klimamanagement betrieben. Seither seien der Heizöleinsatz um 98 Prozent, der Wärmeverbrauch um 35 Prozent der Stromverbrauch um 19 Prozent gesunken - unter anderem durch Gebäudesanierungen, ein Prämiensystem für die Fachbereiche, eigene Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke.