Hitze in Brandenburg
: So übersteht man den deutschen Hitze-Rekord in Coschen

Im Dorf Coschen in Brandenburg erleben die knapp 400 Einwohner den deutschen Hitzerekord. Niemand habe sich rausgetraut, berichtet die Ortsvorsteherin. Warum sie sich vor allem um ihre Tiere sorgte.
Von
dpa
Neißemünde
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Selbst die 40-Grad-Marke wurde in dem Ort Coschen in Brandenburg übertroffen. (Symbolbild)

Patrick Pleul/dpa
  • In Coschen wurde ein vorläufiger Hitzerekord gemessen: 41,7 Grad laut Wetterdienst.
  • Der Ort wirkte wie ausgestorben, viele blieben drinnen bei abgedunkelten Räumen und Ventilator.
  • Ortsvorsteherin sorgte früh für Tiere und Pflanzen – Hühner litten, Katzen wirkten apathisch.
  • In der Klinik häufen sich Hitze-Beschwerden, empfohlen wird Lüften nur nachts und Abkühlen.
  • Diskussion im Dorf: Siesta prüfen und kühle Notfallorte mit Klimaanlagen schaffen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Es war ein totaler Temperaturschock“: So beschreibt die Ortsvorsteherin den Tag, an dem in ihrem brandenburgischen Dorf am Sonntag der vorläufige deutsche Hitzerekord gemessen wurde. 41,7 Grad zeigte die Messstation des Deutschen Wetterdienstes in Coschen in der Gemeinde Neißemünde an. Es sei unerträglich drückend gewesen, als ob man gegen eine Wand laufe, so Birgit Radt. Die einzige Lösung: zu Hause bleiben.

„Unser Ort war wie ausgestorben. Niemand hat sich rausgetraut, und alle haben sich verkrochen“, so Radt. Seit 2019 ist sie Ortsvorsteherin in dem knapp 400-Seelen-Dorf im Landkreis Oder-Spree. Coschen liegt an der Neiße, die hier entlang der Grenze zu Polen verläuft. Radts eigenes Haus ist gerade einmal einen Kilometer von der Wetterstation entfernt.

Auf den heißen Sonntag hatte sich die 53-Jährige gut vorbereitet: Schon um 6 Uhr früh klingelte ihr Wecker, damit sie Tiere und Pflanzen versorgen konnte. „Da war es noch nicht ganz so heiß.“ Ihr Hund durfte noch ein morgendliches Bad in der Neiße nehmen, und für die Hühner versuchte Radt, mit dem Rasensprenger eine kühle Zone rund um ihre Johannisbeersträucher zu schaffen.

Sorgen um die Tiere in Coschen während Rekordhitze

„Die Hühner waren sehr gebeutelt von der Hitze“, so Radt. „Und die Katzen lagen apathisch rum - wir haben uns zwischendrin gefragt, ob sie überhaupt noch atmen.“

Sie selbst verbrachte den Hitzerekord-Tag mit ihrem Partner in den vier Wänden: Ab 9 Uhr blieb Radt im abgedunkelten Zimmer bei laufendem Ventilator und vertrieb sich die Zeit mit etwas Büroarbeit, wie sie sagt. „Hier war es so erträglich wie möglich.“ Erst am Abend traute sie sich wieder vor die Tür: Erneut an den Fluss mit ihrem Hund.

Als es zwischen 18 und 19 Uhr einen Regenguss gibt, keimt die Hoffnung bei der 53-Jährigen auf, dass jetzt Abkühlung naht, denn auch sie leidet. Doch leider falsch gedacht: Stattdessen folgte durch die Nässe eher „eine Gewächshausstimmung“.

Radt weiß, wie belastend Hitze für den Körper sein kann - denn hauptberuflich arbeitet sie als Krankenschwester im Krankenhaus in Guben. Bei extremer Hitze gebe sie unter anderem den Tipp, nur in der Nacht zu lüften. In der Klinik seien bei großer Hitze häufig Symptome für Hitzestich zu sehen. „Es ist wichtig, sich abzukühlen.“ Schon vor dem Hitzerekord-Wochenende sei Eis an die Belegschaft verteilt worden.

Offene Frage nach Hitzerekord: Wo können Dörfer kühle Orte schaffen?

„Unser Dorf ist eine kleine Hitzeinsel“, sagt Radt und berichtet, dass es dort häufig heiß werde. „Wir nehmen das gelassen hin.“ Klar sei für sie aber: Mit Temperaturen über 40 Grad wisse in Deutschland niemand so recht umzugehen.

Als Ortsvorsteherin hat die 53-Jährige eine Verantwortung für Coschen mit den fast 400 Einwohnerinnen und Einwohnern. „Wir überlegen, ob wir die südliche Lebensweise aufgreifen sollen und zum Beispiel eine Siesta vorschlagen.“ So wird in Spanien die Mittagspause genannt, in die sich die Menschen dort in den sehr heißen Stunden zurückziehen.

„Wenn eine solche Hitze jetzt häufiger vorkommt, ist die Frage: Wo schaffen wir Kältepunkte?“, fragt sich Radt. Katastrophenpläne sähen oft Wärmeorte vor, falls die Heizungen ausfielen. In Coschen sei das etwa eine Gaststätte am Sportplatz. „Diese Idee sollten wir auf Klimaanlagen ausbauen.“ Denn es benötige auch in Dörfern Notfallorte, an denen sich Menschen bei Hitze versammeln könnten.

Am Montag war es etwas kühler in Coschen. Doch die Räume in den Häusern seien noch aufgeheizt, sagt die Ortsvorsteherin. „Alles klebt so ein bisschen.“