Die Ansiedlung des US-Elektroautobauers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) ist nach Angaben der Brandenburger Staatskanzlei einen weiteren Schritt näher gerückt. Der Vorstand des Unternehmens hat am 18. Januar 2020 dem Kaufvertrag mit dem Land Brandenburg zum Erwerb des rund 300 Hektar großen Grundstücks zugestimmt, wie Regierungssprecher Florian Engels mitteilte. Auf dem Gelände will Tesla seine Fabrik bauen. Der Finanzausschuss des Brandenburger Landtags hatte den Kaufvertrag bereits gebilligt.

Tesla will in Grünheide 150.000 Elektro-Autos bauen

In Grünheide bei Berlin sollen von Sommer 2021 an jährlich zunächst 150.000 Elektroautos der Typen Model 3 und Y gebaut werden, nach einem Ausbau bis zu 500.000 Fahrzeuge im Jahr. Der Kaufpreis für das Waldgelände bei Grünheide (Kreis Oder-Spree) war vom Landesbetrieb Forst auf knapp 41 Millionen Euro taxiert worden, ein weiteres unabhängiges Gutachten steht aber noch aus. Der endgültige Kaufpreis soll dem Ergebnis dieses zweiten Gutachtens angepasst werden, sofern es zu einem abweichenden Grundstückswert kommt.

Grünheide

Das als Industriefläche ausgewiesene Areal wird derzeit auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Nach Angaben der Staatskanzlei befinden sich dort höchstwahrscheinlich US-Blindgänger. Deshalb untersagte die Gemeinde Grünheide, das Gelände zu betreten.

Bürger demonstrieren gegen und für Tesla-Fabrik in Grünheide

Die Tesla-Ansiedlung in Grünheide wird von Bürgern kontrovers diskutiert. Nach Polizeiangaben demonstrierten rund 200 Menschen in der Gemeinde gegen die Ansiedlung des US-Unternehmens – mehr Teilnehmer als erwartet. Laut Polizei war eine Demonstration gegen die geplante Fabrik mit bis zu 100 Teilnehmern angemeldet worden. „Keine Großfabrik im Wald“ und „Geheim verhandelt – Umwelt verschandelt“ stand auf Plakaten.

Die Bürger protestierten damit unter anderem gegen die Rodung des Waldes für das große Gelände, auf dem die Fabrik gebaut werden soll.

An einer weiteren Demo für die Tesla-Ansiedlung nahmen in der Gemeinde etwa 30 Menschen teil, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte. Nach Angaben der Veranstalter waren es jedoch rund 50 Teilnehmer, darunter zahlreiche Familien mit Kindern. Auf Transparenten stand „Elon, ich möchte ein Auto von Dir“ oder „Gestalten statt verhindern.“ Einige Bewohner aus der Region waren mit ihren Tesla-Fahrzeugen gekommen.

Die einen hoffen auf Jobs, die anderen sorgen sich ums Trinkwasser

Unter den Befürwortern einer Tesla-Ansiedlung war auch Anke Kranhold, deren Familie seit vier Generationen in Grünheide lebt. „Ich selber habe Söhne und zwei Schwiegertöchter, die Ingenieure sind, vielleicht haben die ja künftig die Chance, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, statt nach Berlin zu pendeln“, sagte die 46-Jährige.

„Warum muss das alles so holterdiepolter gehen“, sagte ein Tesla-Gegner in Grünheide. Das gehe alles viel zu schnell. Ein anderer Demonstrant ergänzte: „Da kommt ein Milliardär aus den USA und wedelt mit den Geldscheinen und auf einmal ist in Brandenburg alles möglich“. Die Gegner des Baus der Tesla-Fabrik befürchten unter anderem auch, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet sein könnte. Das Gelände der geplanten Fabrik liegt in einer Trinkwasserschutzzone.

Als ein Zug von Tesla-Gegnern an den Befürwortern vorbeilief, kam es kurzzeitig zu verbalen Auseinandersetzungen. Beide Seiten beschimpften sich gegenseitig. Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Die Lage beruhigte sich anschließend wieder.