„Ich sterbe mit freudigem Herzen angesichts der mir bewussten unermesslichen Taten und Leistungen unserer Soldaten an der Front, unserer Frauen zuhause, den Leistungen unserer Bauern und Arbeiter und der in der Geschichte einmaligen Einsatz unserer Jugend, die meinen Namen trägt.“ Mit diesen und vielen weiteren Worten bereitet Adolf Hitler (1889 - 1945) Ende April 1945 seinen eigenen Tod vor.

Sein politisches Testament hat er verfasst. Doch statt sich für seine Taten zu verantworten, wählt er angesichts der anrückenden Sowjettruppen auf Berlin den Freitod. Am 30. April mittags verteilte er Giftampullen an seine Begleiter im Führerbunker. Etwa um 15.30 Uhr schluckt Eva Braun das Zyankali. Hitler erschießt sich.

Eine der letzten Aufnahmen von Adolf Hitler vom 20. April 1945, seinem Geburtstag, zeigt ihn bei der Auszeichnung von Mitgliedern der Berliner Hitler-Jugend, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Volkssturmeinheiten zusammengefasst wurden.
Eine der letzten Aufnahmen von Adolf Hitler vom 20. April 1945, seinem Geburtstag, zeigt ihn bei der Auszeichnung von Mitgliedern der Berliner Hitler-Jugend, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Volkssturmeinheiten zusammengefasst wurden.
© Foto: Heinrich Hoffmann/dpa

Hitlers Leiche wird verbrannt, später aber eindeutig identifiziert

Seine Leiche wird wie befohlen im Garten der Neuen Reichskanzlei verbrannt und anschließend die Überreste mit anderen Leichen in einem Bombenkrater in der Nähe des Bunkerausgangs begraben. Erst am folgenden Tag, am Abend des 1. Mai, wird der Tod offiziell verkündet. Der Suizid findet dabei keine Erwähnung.

Am 10. Mai identifiziert Fritz Echtmann, langjähriger Assistent von Hitlers Zahnarzt, gegenüber Vertretern der sowjetischen Armee Gebissteile und Zahnbrücken der Leichen Hitlers und Eva Brauns. Dennoch halten sich unzählige Mythen über andere Ausgänge des Hitler-Endes.

Hitlers Tod brachte Stunde Null für viele Deutsche

Der Diktator Adolf Hitler ist tot, doch der sinnlose Krieg mit all seinen Grausamkeiten dauert noch Tage. Selbstmordwellen, Massenvergewaltigungen, Todesmärsche, Flüchtlingtrecks: Der Historiker Volker Ullrich beschreibt in seinem neuen Buch „Acht Tage im Mai. Die letzte Woche des Dritten Reiches“ die Lage in Deutschland vor 75 Jahren: „Viele Zeitgenossen erlebten die Tage zwischen Hitlers Tod am 30. April und der bedingungslosen Kapitulation am 7./8. Mai 1945 als eine tiefgreifende lebensgeschichtliche Zäsur, als vielzitierte Stunde Null“, schreibt Ullrich. Der Auflösungsprozess habe sich so rasant und plötzlich vollzogen, dass zeitgenössische Beobachter Mühe gehabt hätten, mit der Entwicklung Schritt zu halten.

Ein ehemaliger Forster erinnert sich

Einer von den vielen Deutschen, die trotz aller Niederlagen seit Stalingrad an den Endsieg glaubten, war Wolfgang Reichmuth. Der heute 92-Jährige befindet sich in der Stunde, als Hitler sich das Leben nimmt, 70 Kilometer weiter westlich in einer Falle. „Wir lagen am Silokanal in Brandenburg an der Havel. Vor uns eine Infanterieeinheit der Russen. Hinter uns die gesprengten Brücken der Stadt.“

Leserfoto von Wolfgang Reichmuth, 1944
Leserfoto von Wolfgang Reichmuth, 1944
© Foto: Wolfgang Reichmuth

Im Gespräch mit der Märkischen Oderzeitung berichtet der gebürtige Forster über seine Erfahrungen in den letzten Tagen des Hilterreiches. Für die RUNDSCHAU hat Reichmuth zudem die Geschichte seiner Forster Schulkasse rekonstruiert. 1946 sollten die Jungen ihr Abitur ablegen. Nur drei der 25 schafften es.

So endete der Zweite Weltkrieg in der Lausitz

Die RUNDSCHAU wird den Text im Rahmen einer Serie zum Kriegsende vor 75 Jahren in den kommenden Tagen veröffentlichen. Weitere Texten werden sich mit einem neu aufgetauchten Kriegstagebuch, mit dem langen Marsch britischer Kriegsgefangener, mit Spuren des Krieges bis heute, mit den wirtschaftlichen Folgen für die Lausitz und vielen weiteren Aspekten beschäftigen.

Bereits erschienen sind folgende Texte:

KZ-Transport bei Tröbitz – Obstbäume verkünden die Freiheit

Am 23. April 2020 hat sich zum 75. Mal die Befreiung von mehr als 2000 jüdischen KZ-Häftlingen nahe Tröbitz gejährt. Hinter ihnen lag eine 13-tägige Irrfahrt in einem 43 Waggons langen Zug, der als Verlorener Transport in die Geschichte einging. Vom Konzentrationslager Bergen-Belsen waren wenige Tage vor Kriegsende drei solcher Züge mit jeweils etwa 2500 jüdischen Männern, Frauen und Kindern zum KZ Theresienstadt geschickt worden. Der dritte Zug irrte zwei Wochen lang zwischen den Fronten hin und her, bis er am 23. April 1945 nahe Tröbitz auf freier Strecke zum Stehen kam und ihn niemand mehr auf dem Schirm hatte.

Gedenken in Plessa an die Kriegsgräuel

Ende April, wenige Tage vor der kapitulation Deutschlands, kommt es in der Lausitz noch zu zahlreichen Gräueltaten, auch in Plessa.

„Krieg kaputt, Hitler kaputt“

Karl Klaus Walther hat seine persönlichen Erinnerungen an das Kriegsende in Cottbus aufgeschrieben. Er ist der Sohn des langjährigen Stadtarchivars Max Walther und war 1945 zehn Jahre alt.

Wie ging es nach Hitlers Tod weiter?

Nach den Selbstmorden von Hitler und kurz darauf auch von Propaganda-Minister Joseph Goebbels bildete Großadmiral Karl Dönitz eine geschäftsführende Regierung. Dass die Alliierten diese als ernsthaften Verhandlungspartner in Betracht ziehen konnten, war Ullrich zufolge von vorneherein ausgeschlossen. Dönitz griff auf politisch schwerbelastetes Personal der nationalsozialistischen Führungsriege zurück. „Von einem Neuanfang konnte also überhaupt keine Rede sein. Vielmehr zeigte sich eine nahezu ungebrochene Kontinuität der nationalsozialistischen Machtelite.“ Am 8. Mai stimmt dann aber auch Dönitz der Kapitulation zustimmen.

Feldmarschall Wilhelm Keitel, Oberkommandierender der Wehrmacht (1938-45), unterschreibt in Berlin-Karlshorst die Kapitulations-Urkunde der deutschen Wehrmacht.
Feldmarschall Wilhelm Keitel, Oberkommandierender der Wehrmacht (1938-45), unterschreibt in Berlin-Karlshorst die Kapitulations-Urkunde der deutschen Wehrmacht.
© Foto: dpa-

Den Besiegten wurde der Katzentisch zugewiesen. Im Saal einer Villa in Berlin-Karlshorst erlebten die deutschen Generäle die ultimative Demütigung. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichnete Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel mit anderen Wehrmachtsoffizieren die Kapitulation im Zweiten Weltkrieg. So gingen vor 75 Jahren in Europa die Kämpfe zuende. Im Pazifik dauerte das noch einige Wochen länger.

Marschall Georgij Schukow, Sieger der Schlacht um Berlin und Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen in Deutschland, ordnete an, die deutschen Vertreter weder mit ihrem Rang anzureden noch sie zu grüßen. Nachdem die Übersetzung der Kapitulationsurkunde verlesen war, deutete Keitel an, dass ihm das Dokument zur Unterschrift vorzulegen sei. Schukow befahl: „Kommen Sie zum Schreiben hierher!“

Am 9. Mai strahlt der Reichssender Flensburg den letzten Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht aus. „Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen“, heißt es. (mit dpa)