Galeries Lafayette Berlin: Vom Kaufhaus zur Bibliothek? Ausverkauf läuft

Die Galeries Lafayette im Quartier 207 an der Friedrichstraße in Berlin zieht Ende des Monats aus.
Maria Neuendorff„Sale lavie“ steht auf den großen Plakaten, die an der Galeries Lafayette in Berlin den Ausverkauf ankündigen. Mit dem Werbespruch in Anlehnung an das französische Sprichwort „C’est la vie - So ist das Leben“ verabschiedet sich das berühmte Kaufhaus nach 29 Jahren aus dem Quartier 207 an der Friedrichstraße. Bis Ende Juli können Kunden noch Abschied nehmen und Schnäppchen mit Rabatten bis zu 70 Prozent ergattern.
Doch viel ist nicht mehr zu haben. „Das schallt hier richtig“, sagt eine Verkäuferin zu ihrer Kollegin, während beide an leergeräumten Regalen entlanglaufen. Viel ist am Mittwochmittag kurz nach Ladenöffnung nicht los. Ein paar Touristen schnuppern an edlen Düften, die vereinzelt noch angeboten werden.
Berlin Galeries Lafayette – edle Fummel im Ausverkauf
Make-up und Rouge liegen in Körbchen auf Kramtischen bereit. In den Obergeschossen kann man auch ein paar edle Fummel und Herrenhemden teurer Marken ergattern. In der Gourmet-Abteilung im Untergeschoss gibt es zwar noch frische Croissants, Quiche und Coq au Vin, aber in der Käsetheke herrscht schon gähnende Leere.
Ein neues Kaufhaus wird in den Bau, der unterirdisch über eine Passage mit dem Nachbarquartier 206 verbunden ist, nach jetzigem Stand nicht einziehen. Vielmehr soll der mondäne, abgerundete Glasbau zur neuen Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) umgebaut werden. Weil man gerade in den Verhandlungen sei, könne man derzeit dazu noch keine Details nennen, erklärt Daniel Bartsch von der Senatsverwaltung für Kultur. Aber so viel: Der Preis liege inzwischen schon deutlich unter den ursprünglichen noch unverhandelten 589 Millionen Euro. Für diese Kauf-Summe hatte das US-amerikanische Immobilienunternehmen Tishman Speyer, seit 2022 Eigentümer des Quartiers 207, das Haus von sich aus der Stadt angeboten.
Dass sich die Passage mit dem Kaufhaus in räumlicher und technischer Hinsicht als Bibliotheksbau eigne, sei schon hinreichend überprüft, erklärt Bartsch. Die Zwischen-Böden seien so robust, dass sie anstatt Kleiderständern auch schwere Bücherregale tragen können. Notausgänge seien genügend vorhanden.
Dazu biete das Quartier 207 mit seinen rund 35.000 Quadratmetern genau die momentan benötigte Fläche. Während in der ZLB derzeit nur 20 Prozent der Fläche öffentlich zugänglich seien, könnte man in der Galeries Lafayette rund 60 Prozent so gestalten, dass dort nicht nur Literatur gelagert wird, sondern sich auch Menschen aufhalten könnten, erläutert der Sprecher.

Die französische Kaufhauskette Galeries Lafayette schließt ihre Berliner Filiale im Quartier 207 Ende Juli 2024. Der Berliner Senat überlegt, die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in dem Gebäudekomplex einziehen zu lassen.
Bernd von Jutrczenka/dpa„Der Umzug der ZLB in so ein prestigeträchtiges Gebäude ist glasklar die allerbeste Variante und die nachhaltigste“, findet Bartsch. Dazu käme ein immenser Zeitgewinn: Laut Tishman Speyer könnten Umbau sowie Umzug bis 2026 vonstattengehen. Ein ZLB-Neubau würde laut Kulturverwaltung frühestens 2036 fertig. „Für diesen werden die Kosten derzeit auf 730 Millionen Euro kalkuliert“, verrät Bartsch. „Mit den steigenden Baupreisen würde sich die Summe wahrscheinlich bei fast einer Milliarde einpendeln.“
Dazu komme die extrem gute verkehrstechnische Anbindung der Friedrichstraße, die bis ins Umland reiche. Das Quartier 207 liege an einem geschichtsträchtigen Standort, an dem sich mit Komischer Oper, Konzerthaus und Humboldt-Uni Kunst, Kultur und Wissenschaft quasi die Klinke in die Hand gäben, schwärmt Bartsch.
Direktor Heller: „Jahrhundert-Chance für die Stadt“
„Das ist eine Jahrhundert-Chance für die Stadt“, findet auch Volker Heller, Generaldirektor der ZLB, die derzeit auf zwei Standorte verteilt ist: am Blücherplatz (Kreuzberg) und an der Breiten Straße in Mitte. Beide Häuser sind zum Teil marode und platzen jetzt schon aus alles Nähten.
Doch es hapert wie so oft am Geld. Bisher ist die neue ZLB nicht mit einem eigenen Posten im aktuellen Haushalt verankert. „So müssen wir die Finanzierung auf anderem Wege hinkriegen“, erklärt Bartsch. Ideen gebe es schon. Doch wird man sich nicht schnell einig, habe der Quartiers-Eigentümer parallel eine andere Nutzung als Bürostandort in der Pipeline. „Wir sind aber trotzdem sehr optimistisch, dass die Bibliothek in der Galeries Lafayette ein neues Zuhause findet.“

Nach Starkregen in Berlin ist in das Magazin der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) Wasser eingedrungen und wird von zwei Beschäftigten aufgewischt. Die Feuchtigkeit bringt die wertvollen Bestände in Gefahr.
Sven Käuler/dpaDoch was wird dann aus der Friedrichstraße als Einkaufsmeile? „Die ist mit dem Auszug der Galeries Lafayette endgültig Geschichte“, prophezeit ein Herrenausstatter, der im Untergeschoss gleich neben dem Kaufhaus sein Geschäft betreibt. Er wirkt wie der letzte Mohikaner, denn alle anderen Läden in der Passage haben schon dauerhaft geschlossen. Hinter den meisten Schaufenstern bestimmen Umzugskartons das Bild. „Wir sind noch bis nächste Mittwoch hier, dann wagen wir einen Neustart in Dresden“, erklärt der Ladenbesitzer.
Der Niedergang der Friedrichstraße habe aber schon vor vielen Jahren spätestens mit der Eröffnung der Mall of Berlin am Leipziger Platz begonnen. Dazu seien die Verlagerung des Einzelhandels ins Internet sowie die temporäre Verkehrssperrung der Friedrichstraße gekommen.

Auch die Passage im Untergeschoss der Galeries Lafayette an der Friedrichstraße in Berlin ist schon so gut wie leer gezogen.
Maria Neuendorff„Inzwischen gibt es in der Bölschestraße in Köpenick mehr Auswahl an guten kleinen Läden als bei uns hier mitten im Herzen der Stadt“, erzählt der Ladenbesitzer kopfschüttelnd. „In Berlin gibt es 68 Shopping-Center für nur knapp vier Millionen Einwohner, von denen dazu noch ein großer Teil auf staatliche Unterstützung angewiesen ist. Das steht irgendwie nicht mehr im gesunden Verhältnis.“


