Foodie-Podcast aus Brandenburg: Ist veganer Fleisch-Ersatz nützlich oder ungesund?

Heiß debattiert: Vegane Ersatzprodukte für Fleisch. Christopher Hollmann von „Veganuary Deutschland“ sieht im Podcast „Brandenburg, lass uns über Essen reden“ klare Vorteile. Hat er recht?
Oliver Berg/dpa- Vegane Fleischersatzprodukte boomen, sind aber gesundheitlich umstritten.
- Veganuary-Chef Hollmann: gut als Einstieg; vegan ist nicht automatisch gesund.
- Gründe fürs Umsteigen: Tierwohl, Klima; an manchen Tagen klimafreundlicher.
- YouTuber Flohr: lieber frisch kochen; Pilze, Möhren, Haferflocken als Alternativen.
- Produktion 2024: 126.500 t Ersatzprodukte; pro Kopf 1,5 kg vs. 53,2 kg Fleisch.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vegane panierte Nuggets, pflanzenbasierter Fleischkäse, pflanzliche knusprige Schnitzel „nach Hähnchen-Art“ – der Markt für industriell hergestellte Alternativen zu Fleisch ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Aber wie gesund sind diese Produkte?
Im Podcast „Brandenburg, lass uns über Essen reden“ von MOZ und LR zeigt sich der Chef von „Veganuary Deutschland“, Christopher Hollmann, überzeugt von den Vorteilen. Die Podcast-Hosts Sandra Ketterer und Elisabeth Voigt stellen dem andere vegane Kochweisen gegenüber.
Veganes Essen ist nicht automatisch gesund
„Fleisch-Alternativen, die nicht unbedingt gesund sind, dienen im ‚Veganuary‘ vor allem als Einstiegshilfen“, erklärt Hollmann. Die Aktion „Veganuary“ wurde 2014 in Großbritannien ins Leben gerufen, um Menschen zu motivieren, sich im Januar komplett vegan zu ernähren.

Befürwortet auch vegane Alternativen zu Fleisch aus dem Supermarkt, wenn sie beim Ernährungsumstieg helfen: Christopher Hollmann, Geschäftsführer von Veganuary Deutschland.
Veganuary/ Christopher HollmannUrsprünglich war es eine reine Online-Initiative, die Verbraucherinnen und Verbraucher angesprochen hat. Inzwischen kooperiert sie in vielen Ländern der Welt auch mit großen Lebensmittelherstellern und anderen Unternehmen, um die vegane Lebensweise stärker zu bewerben. Darunter sind auch Firmen, die vegane Fleischalternativen herstellen.
Fleisch-Alternativen wie vegane panierte Schnitzel oder fertige Burgerpattys stehen im Ruf, zu viel Salz, Zucker oder Geschmacksverstärker zu enthalten. Es sei richtig, dass diese Produkte nicht automatisch gesund seien, sagt Hollmann. Es komme immer auf das einzelne Lebensmittel an. Generell gelte: „Die Garantie, sich pflanzlich zu ernähren und sich dann automatisch gesund zu ernähren, gibt es nicht.“ Wie bei jeder Ernährungsform müssten die Menschen auf viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte setzen.
Aber es gehe vielen Menschen nicht oder nicht ausschließlich um ihre Gesundheit, wenn sie auf vegane Kost umstiegen. Das Tierwohl und der Klimawandel seien weitere wichtige Gründe. Hier könnten die pflanzlichen Alternativen zu geliebten Gerichten eine Brücke bilden. Wer im Januar mehrere Tage ein solches Ersatzprodukt esse, werde an diesen Tagen zwar nicht gesünder essen als vorher, aber auf jeden Fall klimafreundlicher und ohne dass ein Tier geschlachtet werden müsse.
Veganer YouTuber aus Eggersdorf kocht lieber frisch
„Um wegzukommen von dieser Tierausbeutung und auch für das Klima ist das wirklich eine super Geschichte“, stimmt YouTube-Koch Alexander Flohr aus Eggersdorf bei Strausberg zu. Einige der pflanzlichen Alternativprodukte hätten tatsächlich eine bessere Klimabilanz als Fleischpendants und machten den Umstieg einfach. Kulinarisch beurteilt Flohr, der seit mehr als zehn Jahren vegan lebt, die Ersatzprodukte aber negativ. „Es ist definitiv immer besser, frisch zu kochen.“ Frisch geriebene Möhren und Haferflocken zum Beispiel ergäben ein schmackhafteres und gesünderes Schnitzelpendant als Fertigware aus dem Supermarkt.

YouTube-Koch Alexander Flohr spricht im Podcast „Brandenburg, lass uns über Essen reden“ über seinen Weg zur veganen Ernährung. (Foto von Oktober 2025)
Sandra KettererFlohr kam zur veganen Ernährung, weil er aufgrund von zu viel ungesundem Essen, zu wenig Bewegung und zu viel Stress krank wurde. Wie er im Podcast „Brandenburg, lass uns über Essen reden“ erzählte, gab es zur Zeit seines Umstiegs kaum vegane Fertigprodukte. Um seine bisherigen, geliebten Fleischgerichte nachzuahmen, stellte er sich in die Küche. „Ich habe recht schnell begriffen, okay, wenn du jetzt ein Gulasch machst, dann nimmst du einfach getrocknete Pilze und brätst die irgendwie an und hast ähnliche Aromen, als würdest du irgendwie Fleisch anbraten.“
Veganes Essen in Restaurants – vier Beispiele
Restaurants und Imbisse in Brandenburg gehen unterschiedlich an die Herausforderung heran, rein pflanzliche Gerichte anzubieten. „Grünzeug's Veggie Bar“ in Rheinsberg beispielsweise setzt ausschließlich auf Veganes und Vegetarisches. Es stehen vor allem Burger auf der kleinen Karte, die Pattys dafür sind hausgemacht.
Ähnlich geht das Bistro „Sebastians“ in Cottbus vor. Chef Sebastian Drogott arbeitet zur Zeit an neuen veganen Gerichten für die Karte, die grundsätzlich auch Fleisch enthält. „Ich bin kein Freund von veganen Ersatzprodukten“, erzählt Drogott. Also experimentiere er mit Gemüse und Hülsenfrüchten.
Das Restaurant „Zur Kräutermühle“ in Burg im Spreewald setzt auf traditionelle Gerichte mit viel Fleisch oder Fisch. Für vegan lebende Menschen bietet das Haus unter anderem den klassischen Burger in einer fleischlosen Variante an. Das vegane Patty kaufe die Küche zu, Preis-Leistungsverhältnis und Qualität passten zu seinem Konzept, sagt Chef Robert Motzek. „Es wäre für uns nicht sinnvoll, den selbst zu machen, deswegen haben wir viel probiert und uns für ein Produkt entschieden, was uns sehr gut gefällt.“
Das bekannte Ausflugsrestaurant „Wotschofska“ in Lübbenau im Spreewald kocht klassische Brandenburger Wirtshausküche, darunter Wildgulasch und Rindsrouladen. Das Angebot für vegane Gäste ist, so gut es geht, in dieses Konzept integriert: So gibt es Nudeln mit Tomatensauce in der Grundversion ohne tierische Produkte, gebratene Jagdwurst und Käse können gesondert dazu bestellt werden.
So beliebt ist veganer Fleischersatz in Deutschland
In den vergangenen Jahren ist der Markt für veganen Fleischersatz in Deutschland gewachsen. Das Statistische Bundesamt verzeichnete für das Jahr 2024 eine Produktion von 126.500 Tonnen, mehr als doppelt so viel wie noch fünf Jahre zuvor (2019: 60.400 Tonnen).
Rein rechnerisch habe jeder Mensch in Deutschland im Jahr 2024 1,5 Kilogramm Fleischersatzprodukte gegessen. Dem gegenüber hätten im selben Zeitraum – ebenfalls rein rechnerisch – 53,2 Kilogramm Fleisch pro Person gestanden.
