Einkaufen in Polen: Einwegpfand auf Flaschen kommt – wie hoch ist es?

Leere Flaschen aus Plastik werden in Polen eigentlich in käfigartigen Containern gesammelt. Aber nicht mehr lange: Bald bekommt man Geld dafür zurück.
Daniel Bockwoldt/dpaIn Polen wird ein Pfandsystem eingeführt. Schon in wenigen Monaten soll beim Getränkekauf auf Einwegflaschen aus Kunststoff bis drei Liter Fassungsvermögen, auf Dosen bis 1,5 Liter und Mehrwegglasflaschen bis ein Liter ein Pfand erhoben werden, das bei Rückgabe des Leerguts erstattet wird.
Ein entsprechendes Gesetz verabschiedete die PiS-Regierung bereits im Jahr 2023. Startschuss für das Pfandsystem ist der 1. Januar 2025. Damit setzt Polen Anforderungen einer EU-Richtlinie zur Reduktion von Einmal-Plastik um.
Bisher gab es in Polen nur Pfand auf bestimmte Mehrwegglasflaschen, zum Beispiel Bierflaschen. Zuletzt war das Pfand auf eine Bierflasche auf 81 Groszy, umgerechnet rund 19 Cent, angehoben worden. Getränke-Dosen und sogenannte PET-Flaschen (Plastikflaschen) sind bislang pfandfrei. Einzelne Unternehmen boten private Gutschriftsysteme für die Abgabe von Verpackung an. So kann man in manchen polnischen Lidl-Märkten zum Beispiel seit 2023 leere Plastikflaschen abgeben und erhält je Flasche 5 Groszy für den Einkauf bei Lidl gutgeschrieben.
Nur 43 Prozent der Einwegflaschen in Polen wird recycelt
PET-Flaschen werden in Polen eigentlich in extra Containern gesammelt. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg, denn oft landen sie einfach im Restmüll. Nur 43 Prozent der Einweg-Flaschen in Polen werden laut dem Nationalen Umweltschutz-Fonds irgendwie weiterverarbeitet und nur 20 Prozent gelangen in einen geschlossenen Wertstoff-Kreislauf. Mit dem Pfandsystem rechnet man mit einer Rückgabequote von 90 Prozent.
Das ab kommendem Jahr eingezogene Pfand beträgt:
- für Getränkedosen 50 Groszy - umgerechnet 12 Cent
- für Mehrwegflaschen aus Glas 1 Złoty – umgerechnet 23 Cent
- für PET-Flaschen bzw. Plastikflaschen (zum Beispiel Wasser, Saft) - 50 Groszy – umgerechnet 12 Cent.
Den Kassenbon muss man im Supermarkt nicht vorzeigen
Die Höhe des Pfands muss auf den Flaschen und Dosen angegeben werden – anders als in Deutschland, wo nur ein Piktogramm auf die Pfandeigenschaft hinweist. Zur Rücknahme von Leergut verpflichtet sind Geschäfte mit einer Ladenfläche ab 200 Quadratmetern, wo man Getränke in Einweg- oder Mehrwegbehältern kaufen kann, also zum Beispiel Supermärkte. Den Kassenbon muss man dabei nicht vorzeigen.
Anders sieht das in kleineren Geschäften unter 200 Quadratmetern Fläche aus. Hier können die Händler die Vorlage des Kassenbons verlangen. Die kleineren Läden ziehen das Pfand beim Kauf ebenfalls mit ein, sind aber nicht zur Rücknahme des Leerguts verpflichtet – zumindest nicht von Einweg-Behältern. Bei der Rückgabe muss das Leergut generell unbeschädigt sein. Manche Flaschen sind ausgenommen vom Pfandsystem, zum Beispiel Spirituosenflaschen. Tetra Paks sind ebenfalls nicht mit Pfand belegt.
In jeder Gemeinde Polens soll es eine Leergutrücknahme geben
Das polnische Pfandgesetz wird in Kürze noch kleinere Änderungen erfahren. Zum Beispiel soll garantiert werden, dass es in jeder Gemeinde eine Möglichkeit der Pfandrückgabe gibt, damit ländliche Regionen nicht benachteiligt sind. Dafür soll es auch Leergutsammelstellen außerhalb von Märkten und Geschäften geben. Außerdem ist vorgesehen, Milchflaschen von der Pfandpflicht auszunehmen. Ursprünglich sollten sie Teil des Systems sein.
Die Einführung des neuen Pfandsystems kostet die Getränke-Branche rund 1,5 Milliarden Złoty (knapp 350 Millionen Euro). Geplant ist eine sechsmonatige Übergangszeit, also bis Mitte 2025, in der bestehende Getränke-Bestände verkauft werden dürfen, auch wenn sie nicht als Pfandflaschen markiert sind.
Die meisten Supermarktketten in Polen haben angekündigt, Pfandautomaten („Butelkomat“) aufzustellen, wie sie in Deutschland auch üblich sind. Carrefour, Lidl und Biedronka testen sie bereits.


