Einkaufen in Polen
: Neues Pfandsystem – das müssen Kunden wissen

Ab 2025 erhebt Polen Pfand auf viele Getränkeverpackungen. Was Verbraucher dabei beachten müssen.
Von
Heike Reiß
Guben
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Pfandautomat: ARCHIV - 14.04.2015, Berlin: Ein Flaschensammler gibt Pfandflaschen an einem Automaten ab. In Augsburg hat sich ein Getränkemarktmitarbeiter rund 3400 Euro mit Pfandbons erschlichen. (zu dpa: «Betrug mit Pfandbons - Angestellter bekommt Bewährungsstrafe») Foto: Lukas Schulze/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Gang zum Pfandflaschenautomat gehört für viele Kundinnen und Kunden in Guben und Gubin zum wöchentlichen Einkauf. Ab 2025 erweitert Polen sein Pfandsystem. Wie viel Geld erhalten Kunden dann bei Rückgabe der Getränkeverpackungen? (Symbolfoto)

Lukas Schulze/dpa

Sie kommen in Gruppen und allein, mit schweren Tüten und Leichtware, aber dem gleichen Ziel: mit weniger Gepäck wieder den Heimweg antreten. Vor dem Pfandautomaten sind alle Menschen gleich. Vorausgesetzt, dieser nimmt die eingespeiste Pfandflasche ohne Fehlermeldung zurück.

Wenn nicht, landet sie in einem der Mülleimer, die zahlreiche Rückgabestellen mittlerweile bereithalten, damit die Kunden die betreffenden Getränkeverpackungen nicht wieder mit nach Hause schleppen müssen. Ein Blick in diese Behälter in Supermärkten in Guben zeigt: Da landet auch die eine oder andere Flasche aus Polen drin.

Das Land wird sein Pfandsystem zum neuen Jahr 2025 auf ausweiten. Zudem wird Ende 2024 mit einer Änderung der Verpackungsverordnung der Europäischen Union (EU) gerechnet. Die sieht vor, dass Endvertreiber wie Supermärkte all jene Getränkeverpackungen, die sie selbst in den Verkehr bringen, in Form, Art und Größe zurücknehmen und ein entsprechendes Pfand darauf erstatten müssen. Die Marke des Produkts ist dabei egal.

Diese Regelung ist in Deutschland schon in Kraft. In anderen EU-Mitgliedsstaaten wie Polen wird sie erst umgesetzt.

Wie viel Pfand Kunden für Plastikflaschen und Dosen erhalten

Polen verfügt seit 2022 über ein eigenes Pfandsystem. Grundlage dafür sind die Vorgaben der EU zur Verminderung von Einweg-Plastik. Für einige Mehrwegflaschen wie Bier gibt es im Nachbarland bereits Pfand. Ab dem 1. Januar 2025 sollen der auch für folgende Behältnisse gelten:

  • Getränkedosen bis zu einem Liter: 50 Groszy (circa zwölf Cent)
  • Mehrweg-Glasflaschen bis zu 1,5 Liter: ein Złoty (etwa 23 Cent)
  • PET- beziehungsweise Kunststoff-Flaschen bis zu drei Liter: 50 Groszy (rund zwölf Cent)

In diesem Kontext werden an größeren polnischen Supermärkten – in Gubin zum Beispiel Biedronka und Lidl – neue Pfandautomaten installiert. Dort können die Kunden ab 2025 alle Getränkeverpackungen, die das notwendige Pfandlogo, das Wort „Kaucja“ (hier zu Deutsch: Pfand) rechteckig umrandet von zwei Pfeilen, tragen, zurückgeben.

Polnische Produkte auf dem Kassenband im Biedronka in Gubin.

Polnische Produkte auf dem Kassenband im Biedronka in Gubin.

Blick auf einen Einkauf im Biedronka in Gubin: In Zukunft soll in Polen auch auf PET-Flaschen ein Pfand gelten.

Angela Hanschke

Das heißt jedoch nicht, dass dies in jedem Supermarkt möglich sein wird, denn das Gesetz gilt erst für Märkte ab einer Größe von 200 Quadratmetern. Läden mit kleinerer Verkaufsfläche können, müssen sich dem System aber nicht anschließen. Nach Angaben des polnischen Umweltministeriums sollen auch „Sammelstellen für leere Verpackungen außerhalb von Einzelhandelsgeschäften“ eingerichtet werden. Eine gesetzlich festgelegte Höchst-Abgabemenge von Pfandflaschen gibt es nicht.

Mehr Aufwand hat, wer in beiden Ländern einkauft

Ein wichtiger Unterschied bleibt: Wer auf beiden Seiten der Neiße einkauft, hat hinsichtlich des zeitlichen Aufwands das Nachsehen. Denn Deutschland und Polen haben jeweils in sich geschlossene Pfandsysteme. „Sollten Sie beim Kauf einer Getränkeverpackung im Ausland ein Pfand hinterlegt haben, so haben Sie an dem Pfandsystem teilgenommen, welches in diesem Land Gültigkeit hat. Eine Rückforderung dieses Pfands über das deutsche Pfandsystem ist daher nicht möglich“, fasst Michelle Mueller, Sprecherin des Lidl-Konzerns, die Lage zusammen.

Bei der Discounterkette Netto werden alle Einwegflaschen zurückgenommen, unabhängig davon, wo diese herkommen, bei Mehrwegflaschen alle jene, die in den eigenen Filialen verkauft werden. Aber auch hier ist das allseits bekannte DPG-Logo entscheidend, ergänzt Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount.

Für die Verbraucher und Verbraucherinnen heißt das: Pfandflaschen aus Deutschland in den heimischen Automaten, das Pendant aus dem Nachbarland zu einer Rückgabestelle in Polen. Sonst muss das Leergut im Abfallbehälter landen. Ob sich der Weg zum Automaten lohnt, muss jeder Kunde und jede Kundin für sich entscheiden.

Regalpreis der Getränke bleibt gleich – auch in Polen

Im Jahr 2023 hat der Bundesgerichtshof zugunsten eines Händlers entschieden, der auf seinen Joghurtgläsern die Angabe „zuzüglich Pfand“ vermerkt hat. Damit muss das Pfand in Deutschland nicht zwangsweise in den Gesamtpreis integriert werden.

In Polen ist es ähnlich. Laut dem polnischen Umweltministerium darf das Pfand nicht auf den Preis des Produkts aufgeschlagen werden, da dies die Wettbewerbsfähigkeit des betreffenden Produkts im Vergleich zu den anderen angebotenen Waren beeinträchtigen würde. Das Pfand wird erst zu einem späteren Zeitpunkt des Verkaufs, meist an der Kasse, erhoben und erscheint dann auf dem Kassenzettel.