Ebola in Berlin: Warum die Isolierstation der Charité sogar Panzerglas braucht

Zwei Intensivpflegerinnen auf der Sonderisolierstation der Charité in Berlin desinfizieren sich in der Schleuse mit einer Schaumlösung.
Sören Stache/dpa- Charité zeigt ihre Sonderisolierstation in Berlin – Behandlung hochinfektiöser Krankheiten.
- Dort wurde der US-Arzt Peter Stafford mit Ebola behandelt, seine Familie war in Quarantäne.
- Station mit Unterdruck, Panzerglas und gefilterter Abluft; Abwasser wird abgekocht.
- Antikörperpräparat half dem Patienten, eine Zulassung gibt es nicht mangels Studien.
- Die Station hat 20 Plätze und ist bundesweit einzigartig in der Verzahnung mit Intensivmedizin.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eine Schicht auf der Sonderisolierstation der Charité in Berlin ist körperliche Schwerstarbeit: „Wir sollten ausreichend geschlafen, gegessen und getrunken und alle spitzen Gegenstände aus den Taschen entfernt haben“, sagt eine der Intensivpflegerinnen, bevor sie und eine Kollegin sich in zwei monströse Schutzanzüge kämpfen, die wirken, als würden sie gleich den Mond besteigen.
Gerade mal drei Stunden können und dürfen sie darin aushalten, denn in ihnen wird es so warm, dass man in dieser Zeit bis zu anderthalb Liter Schweiß verliert. Trinken oder auf Klo können die beiden aber darin nicht. Bevor sich die Charité-Angestellten verpacken, kleben sie sich noch gegenseitig das erste Paar Handschuhe mit Tape an den Armen fest. „Damit sie beim Wechseln des zweiten Paars nach einer Behandlung nicht wegrutschen“, erklärt eine der Fachkräfte.
Schon beim Anziehen der Arbeitskleidung muss jeder Handgriff sitzen. Denn wenn das Duo durch die Schleuse in den roten Bereich der Station 59 zu den lebensbedrohlich erkrankten Patienten tritt, begeben sich die Mitarbeiter selbst in Lebensgefahr.
Ebola-Patient hinter Panzerglas
Noch vor kurzem wurde auf der Station der mit dem Ebola-Virus erkrankte Arzt Peter Stafford behandelt. Der US-Amerikaner hatte sich im Kongo mit dem tödlichen Virus infiziert. Auch seine Frau, ebenfalls Ärztin, und seine vier kleinen Kinder wurden auf der Sonderisolierstation der Charité betreut.
Vor dem ebenerdigen Krankenzimmer im eher unscheinbaren Gebäude aus beigen Backsteinen sieht man immer noch Spuren der Kreide, mit denen die Kinder im Alter von ein bis sieben Jahren auf dem Boden gemalt haben. Das Gelände am südlichen Ende des weitläufigen Campus in Berlin-Wedding war nach der Einlieferung der Familie weiträumig abgesperrt worden.
Die Fenster, durch die die Familie zumindest Blickkontakt mit dem Vater aufnehmen und durch eine Sprechanlage auch mit ihm kommunizieren konnte, sind aus Panzerglas. Unterdruck sorgt dafür, dass das Virus nicht aus dem Patientenzimmer austreten kann. Abwasser wird abgekocht, um alle Krankheitserreger zu töten, die Abluft gefiltert.
Die Patienten werden hier über spezielle Terrassen-Türen direkt vom Krankentransport ins Zimmer getragen, damit sie gar nicht erst die Flure passieren. Vorher war Stafford in einer luftdicht abgeschlossenen Liege mit einem Spezialflugzeug aus Afrika nach Berlin ausgeflogen worden und auf dem militärischen Teil des BER in Schönefeld gelandet.
Ebola-Patient landete am BER
Damit war der Landkreis Dahme-Spreewald für den Weitertransport in einem Infektions-Rettungswagen für den hochinfektiösen Patienten zuständig. Auch das Fahrzeug ist wie die Sonderisolierstation speziell ausgestattet, um Rettungskräfte und Umwelt vor gefährlichen Krankheitserregern zu schützen.
Der Patient, der sich mit dem seltenen Bundibugyo-Ebola-Typ angesteckt hatte, habe sich in einem kritischen Zustand befunden. „Er hatte schon geistige Aussetzer“, berichtet Charité-Infektiologie-Professor Leif Erik Sander. Doch die deutschen Spitzenmediziner, die von ihren amerikanischen Kollegen um Hilfe gebeten wurden, konnten dem 39-Jährigen schnell helfen.

Intensivpflegerinnen auf der Sonderisolierstation der Charité zeigen während eines Vor-Ort-Termins anhand einer Puppe die Arbeitsabläufe.
Sören Stache/dpaDer Patient habe intravenös ein Antikörperpräparat bekommen, erklärt Sander. „Es ist aber nicht zugelassen, weil noch keine klinischen Studien mit mehreren Patienten möglich waren“, berichtet der Charité-Professor. So könne es im Ebola-Ausbruchsgebiet Kongo, wo es in manchen Regionen teilweise nicht einmal die Möglichkeit gebe, eine Infusion zu legen, nicht angewandt werden. Das spezielle Ebola-Virus, gegen das es bisher weder Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt, hat inzwischen über hundert Todesopfer gefordert.
Der Charité-Virologe Christian Drosten hat daran mitgearbeitet, einen passenden PCR-Test für die neue Virus-Form zu entwickeln. Die Tests werden nun Laboren weltweit zur Verfügung gestellt.
Sonderisolierstation der Charité hat 20 Plätze
Stafford hatte sich mutmaßlich während einer Operation einer Ebola-Kranken angesteckt. Frau und Kinder kamen als seine direkten Kontaktpersonen ebenfalls auf der Berliner Sonderisolierstation zeitweise in Quarantäne. Nach ein paar Tagen war aber sicher, dass sie sich nicht infiziert hatten, stellten die Ärzte fest. Alle waren erleichtert. „Denn gerade bei kleinen Kindern führt das Virus sehr schnell zum Tode“, erklärt Sander.
Die Familie, die sich im Kongo selbstlos für die Ärmsten der Ärmsten einsetzt, hatte noch einmal Glück und konnte vor wenigen Tagen entlassen werden. Die Sonderisolierstation der Charité ist mit der Kapazität von 20 Plätzen die größte in Deutschland. Es gibt zwar noch sieben annähernd vergleichbare Stationen, die meisten sind aber nur für maximal zwei Patienten ausgelegt.
Die Einrichtung in Wedding wurde schon in den 1970ern als Vorsorge für einen befürchteten Pocken-Ausbruch errichtet und 2010 modernisiert. An den meisten Tagen werden hier Patienten mit eher üblichen Infektionen versorgt. Im Krisenfall können diese aber schnell verlegt und die Sonderisolierstation in zwei Stunden hochgefahren werden, heißt es.
Das letzte Mal war das im Jahr Dezember 2024 geschehen, als eine russische Exil-Oppositionelle Vergiftungssymptome zeigte. „Es wurde befürchtet, dass sie Opfer eines Angriffs mit biologischen Kampfstoffen ist“, berichtet Sander. Das habe sich jedoch nicht bestätigt.
Charité-Isolierstation bundesweit einzigartig
Die Isolierstation in Berlin ist deutschlandweit die einzige, die Infektiologie und Intensivmedizin direkt miteinander verbindet. So gibt es sogar einen OP, in dem die Patienten akut operiert werden können.
Aus der Schleuse nebenan strömt ein ätzender Geruch. Das Team aus Pflegerin und Ärztin, das sich während ihrer Drei-Stunden-Schicht in ihren Mond-Anzügen nur über Headsets unterhalten konnte, schäumt sich ausgiebig mit einer Desinfektions-Lösung aus Essigsäure ein. „Das Ganze muss dann erstmal einwirken. Bei Ebola sind das fünf Minuten“, erklärt Benjamin Stadtmann, der den Pflegedienst koordiniert.

Wieder vereint: Ebola-Patient Peter Stafford und seine Familie, die ebenfalls auf der Sonderisolierstation der Charité in Berlin betreut wurde.
Pia Nitz/CharitéErst danach dürfen die Kolleginnen außerhalb des roten Bereichs aus der Schleuse in eine Wanne treten. Dort stehen schon weitere Kollegen in weißen Ganzkörper-Kitteln bereit und schneiden das Team mit der Schere aus den Ganzkörper-Anzügen. Das 120-Euro-Teil wird danach direkt im Sondermüll entsorgt. So sind pro Schicht 15 bis 20 Mitarbeiter nötig, auch wenn nur ein Patient versorgt wird.
Das kostet. Im Fall von Stafford und seiner Familie handelt es sich wahrscheinlich um eine „niedrige siebenstellige Summe“, sagt Charité-Chef Heyo K. Kroemer. Der US-Patient sei allerdings versichert. Zudem gebe es zu seinen Behandlungskosten Absprachen zwischen Berlin und Washington.
Was bei Angriff mit biologischen Waffen?
Und obwohl die Charité häufiger international um Hilfe gebeten wird und die Sonderisolierstation vor allem auch für den Fall von Angriffen mit biologischen, chemischen und nuklearen Stoffen vorgehalten werde, fehle es in Berlin, aber auch bundesweit an einem System der Gesundheitssicherheit, sagt Kroemer.
Viele Staaten hätten ein Gesundheitsvorsorgesicherstellungsgesetz, das im Ernstfall die Zuständigkeiten und Abläufe regelt, wenn man es einmal mit einer Vielzahl von Patienten zu tun hat, betont Kroemer. „In Deutschland gibt es das bisher nicht.“


