East Side Gallery Berlin: Warum nur dieses eine Original an der DDR-Mauer übrig ist

Das Mauerbild „Hands“ an der East Side Gallery in Berlin ist das einzige erhalten Originalgemälde aus dem Jahr 1990. Restauratoren wollen nun an ihm besondere Erkenntnisse gewinnen.
Maria Neuendorff- East Side Gallery: Nur „Hands“ ist das erhaltene Original von 1990 und stark verwittert.
- Restauratoren untersuchen und konservieren das Werk – „wie die Mona Lisa“, so Axel Klausmeier.
- „Hands“ zeigt erhobene Hände als Hoffnungssymbol und erinnert an die Montagsdemonstrationen.
- 2008/2009 malten viele Künstler ihre Werke neu, teils verändert; „Hands“ blieb im Originalzustand.
- DSD fördert die Konservierung mit 13.300 Euro, Leitlinien sollen den weiteren Erhalt ermöglichen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die East Side Gallery in Berlin zieht jährlich bis zu vier Millionen Besucher an. Beim Streifzug entlang der bunten Mauerbilder tauchen Touristen in die Geschichte der Wendezeit ein. Was viele nicht wissen: Unter den 106 Werken der größten Open-Air-Galerie der Welt befindet sich nur noch ein einziges Original.
Das Werk „Hands“ zeigt nach oben gestreckte Hände als Symbol für Hoffnung. Die Künstlerin Margaret Hunter wollte damit unter anderem an die Montagsdemonstrationen erinnern, die im Herbst 1989 in zahlreichen ostdeutschen Städten stattgefunden hatten.
Die Idee dazu kam Hunter am Tag des Mauerfalls in ihrer schottischen Heimat. Ihr Mann, der aus Deutschland stammt, überbrachte ihr die Nachricht von den feiernden Berlinern, als sie gerade im Atelier an der schottischen Westküste saß.
Die Künstlerin, die zwischen West-Berlin und Schottland pendelte, übermannten auch in der Ferne die Gefühle. Diese drückte sie sofort in einem Entwurf aus, den sie dann wenig später auf die Mauerreste in Berlin malte.
Einziges DDR-Mauer-Bild im Original
Das Bild, das sich am hinteren westlichen Ende der 1,3 Kilometer langen East Side Gallery befindet, ist heute stark verwittert. Die Handumrisse sind nur noch von einem gewissen Winkel aus zu erkennen. Restauratoren sind dabei, die einzelnen Absplitterungen sorgsam zu untersuchen und gegebenenfalls auszubessern. „Wir behandeln das Bild wie die Mona Lisa“, sagt Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, bei einem Vorort-Termin am Mittwoch (14.10.).
Denn das Werk sei das einzige authentische Zeit-Zeugnis zur Entstehung der East Side Gallery. Im Sommer 1990 wurden 118 Künstlerinnen und Künstler aus 21 Ländern eingeladen, die Betonsegmente des ehemaligen „antifaschistischen Schutzwalls“, wie die DDR die Mauer bezeichnete, zu gestalten.
Die Aktion sei eigentlich als temporäres Kunstprojekt vor dem vollständigen Abriss der Mauer gedacht gewesen, berichtet Klausmeier. Niemand hätte damals gedacht, dass die Bilder nach 36 Jahren noch stehen würden. „Es sollte hinterher auch eine Verkaufsveranstaltung geben“, erzählt der Kunst- und Architekturhistoriker.
Doch es kam anders. Aufgrund ihrer historischen, städtebaulichen und künstlerischen Bedeutung wurde die Anlage bereits 1991 unter Denkmalschutz gestellt. Die Bilder aber litten über die Jahre unter Sonneneinstrahlung, Abgasen und Vandalismus.
Die erste Sanierung fand deshalb schon im Jahr 2000 statt. 2008 und 2009 malte dann ein Großteil der Künstler auf Einladung ihre Werke originalgetreu nach der alten Vorlage nach. Manche veränderten ihre Bilder dabei auch.
Ein Beispiel dafür ist das berühmte Motiv mit einem durch die Mauer brechenden Trabant von Birgit Kinder, das gleich neben „Hands“ hängt. Die Künstlerin hat es ebenfalls mehrmals neu aufgemalt. Kurz nach dem Mauerfall hatte sie den Trabant noch mit „Test the Best“ überschrieben. Heute lautet der Schriftzug „Test the Rest“. Für Klausmeier auch eine Anspielung darauf, wie wenig noch von der DDR übriggeblieben ist.

So sah das Bild „Hands" an der East Side Gallery in Berlin kurz nach seiner Entstehung 1990 aus. Das berühmte Trabi-Bild „Test the Best“ links daneben wurde später übermalt.
Mary Mackey/Stiftung Berliner MauerDas übriggebliebene „Hands“ sei auch deshalb so einzigartig, weil es noch auf den spröden Beton der militärischen Grenzanlage gemalt wurde, der sich nicht wirklich als Leinwand eignet, erklärt der DDR-Experte.
Denn für die Erneuerung der Bilder wurde glatter Putz auf den Mauersegmenten geschaffen. Die Bilder wurden mit einer besonderen Schutzschicht gegen Graffiti versehen. Margaret Hunter weigerte sich, das Bild neu zu malen, auch gerade weil es dadurch die Authentizität verlieren würde.
Mit ihrem Einverständnis werden an „Hands“ aber Konservierungsarbeiten durchgeführt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterzeichnete dafür am Mittwoch einen Fördervertrag in Höhe von 13.300 Euro. Die Stiftung vereint viele private Unterstützer und Institutionen unter einem Dach.
Eine davon ist die Denkmalstiftung für Berlin und Potsdam, gegründet von dem 2023 verstorbenen Stifter Helmut Gneuss. „Er war gebürtiger Berliner und legte immer Wert darauf, Ost und West zusammen zu betrachten“, sagt Manuel Hase, Betreuer der Potsdamer Stiftung. „So ist die Förderung für das Mauerbild für uns ein besonderes Geschenk in seinem Sinne.“
Handlungsleitlinien für die East Side Gallery
Mit Hilfe der konservatorischen Maßnahmen, die nun mit dem Geld ausgeführt werden können, will die Stiftung Berliner Mauer nun auch Handlungsleitlinien entwickeln, wie man die East Side Gallery als Ganzes viele weitere Jahre bewahren kann. „Wir können damit den Verfall verlangsamen“, sagt Direktor Klausmeier. „Dauerhaft aufhalten kann man ihn aber nicht.“


