Im Zuge des Großmanövers „Defender Europe 2020“ übt die US-Armee derzeit die Verlegung einer kompletten Division von den USA nach Osteuropa. Zunächst wurde dafür militärisches Material aus Stützpunkten in den Niederlanden und Westdeutschland geholt. Nun folgen die ersten Schiffe mit Panzern und anderen Militärfahrzeugen. Die Soldaten kommen per Flugzeug an, unter anderem in Berlin.

Deutschland spielt bei dem größten europäischen Aufmarsch amerikanischer Truppen seit 25 Jahren eine besondere Rolle – als Dreh- und Angelpunkt für die Truppenverlegungen im großen Stil. Auch die Lausitz spielt ihre Rolle dabei. Der Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißwasser ist eines von vier Convoy Support Centern und dient zugleich als Rastraum für die durchziehenden Truppen.

Youtube Defender 2020: Was kommt mit dem Mega Manöver der USA auf uns zu?

Defender 2020: In den kommenden Tagen rollen die US-Transporte

Wann konkret werden die Transporte die Lausitz erreichen? Das ist immer noch nicht klar. Erste Züge mit militärischen Material wurden schon gesichtet. Die eigentliche Truppenverlegung soll aber erst in den kommenden Tagen folgen. Laut Olaf Detlefsen, Kommandeur des Landeskommandos Brandenburg, rechne man „in der nächsten Woche“ mit dem Eintreffen der US-Konvois in Lehnin. Die dortige Kaserne ist ein weiterer Rastraum für die US-Militär-Konvois. Von Lehnin aus geht es für die Soldaten dann weiter Richtung Frankfurt (Oder) oder Oberlausitz.

Oberst Olaf Detlefsen, Kommandeur Landeskommando Brandenburg, erläutert, was auf Brandenburg zukommt.
Oberst Olaf Detlefsen, Kommandeur Landeskommando Brandenburg, erläutert, was auf Brandenburg zukommt.
© Foto: Soeren Stache/dpa

In Sachsen werden die Konvois in der zweiten Märzhälfte erwartet. „Die Truppentransporte im Freistaat sind überwiegend in den Nachtstunden auf der A72, der A4, der B115 und der B156 geplant. Kampfpanzer und andere schwere Fahrzeuge werden ausschließlich per Bahn transportiert, um Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr in Grenzen zu halten“, informierte die Staatskanzlei am Mittwoch.

Defender 2020: Panzer kommen per Bahn

Die Konvois, die sich auf der Straße bewegen, sollen das vor allem nachts tun. Geplant sei, überwiegend die Autobahn zu nutzen und Kettenfahrzeuge nur auf Zügen zu transportieren, erläuterte Olaf Detlefsen am Mittwoch in Lehnin. Brandenburg wird im Rahmen der Übung wegen seiner Lage für umfangreiche militärische Transporte auf Straße und Schiene genutzt.

Vier Korridore hat die US-Army benannt, auf denen die Transporte Richtung Osten vor allem stattfinden sollen:

Düsseldorf – Hannover – Magdeburg – Frankfurt/O.

Dortmund – Hannover – Berlin – Frankfurt/O.

Mannheim – Nürnberg – Dresden – Görlitz

Bremerhaven – Hamburg – Berlin – Stettin.

Washington/Weißkeißel/Warschau

Defender 2020: Weitere Schiffe kommen an

Unterdessen treffen weitere Schiffe mit US-Militär-Material ein. Auf die Endurance, die am vergangenen Donnerstag die ersten Panzer in Bremerhaven anlandete, folgte am Montag die Green Bay. Als nächstes wird der Frachter Green Lake erwartet, voraussichtlich am Montag soll er Bremerhaven erreichen.

Derweil werden in Beaumont/Texas schon die nächsten Fahrzeuge für den Transport über den Atlantik fertiggemacht, wie die US Army am Mittwoch via Twitter informierte.

Ketten- und Radfahrzeuge der US Armee werden im Rahmen Großübung "Defender Europe 20" in Bremerhaven ausgeladen.
Ketten- und Radfahrzeuge der US Armee werden im Rahmen Großübung „Defender Europe 20“ in Bremerhaven ausgeladen.
© Foto: Karsten Klama/dpa

Insgesamt soll der Aufmarsch der US-Division bis in den April reichen. Im Mai folgen dann gemeinsame Übungen mit deutschen und anderen Nato-Militäreinheiten. Anschließend folgt die Rückverlegung in die USA.

Defender 2020: Linke ruft zum „breiten Widerstand“

Kritiker hat Manöver längst auf den Plan gerufen. Sie sehen „Defender 2020“ als unnötige Provokation in Richtung Russland. „Wir rufen zu Aktionen des zivilen Ungehorsams auf, breiter Widerstand ist nötig. Es gilt, gemeinsam mit der Friedensbewegung ein klares Zeichen gegen die Politik der USA, aber auch der Bundesregierung zu setzen. Und dort, wo es möglich ist, die Manöver zu stören oder zu verhindern“, erklärt etwa die sächsische Linkspartei. Am 28. März soll es eine „Friedenskonferenz“ der Bundespartei in Weißwasser geben. Zum Ostermarsch soll das Manöver am 13. April in Cottbus Thema sein.

Auch aus Russland gibt es mittlerweile Kritik. (mit dpa)