Bus und Bahn in Berlin: Kritik an Abschaffung von BVG-Fahrscheinautomaten

Neue Ticketautomaten bei der BVG: An sogenannten Validatoren sollen Fahrgäste in Berlin ihre Tickets in der Zukunft kontaktlos kaufen.
Christophe Gateau/dpa- BVG plant Ersatz von rund 700 Automaten durch bis zu 3600 bargeldlose Validatoren ab 2029.
- Ticketkauf verlagert sich zu Apps und Kartenzahlung, Papierfahrscheine entfallen an Geräten.
- Fahrgastverband IGEB kritisiert fehlende Alternative und fordert mindestens einen Bar-Automaten je Station.
- BVG verweist auf Guthabenkarte: bar aufladbar in Kiosken, anonym nutzbar an Geräten.
- Angebot der neuen Terminals wird mit VBB und Land abgestimmt – Sorge um eingeschränkte Tarifwahl.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Der Ticketkauf für U-Bahn, S-Bahn, Bus und Straßenbahn in Berlin hat sich verändert. Mehr als die Hälfte aller Einzel- und Tagestickets werden laut Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bereits über Ticket-Apps auf dem Smartphone gekauft.
An den Automaten in U-Bahnhöfen würde bereits mehr als 75 Prozent der Käufe mit Karte oder mobilen Bezahldiensten abgewickelt, heißt es von Deutschlands größtem Verkehrsunternehmen. Zudem nutzten viele das Deutschlandticket für den Nahverkehr.
Die BVG will deshalb die teils über 30 Jahre alten, wartungsintensiven und häufig störungsanfälligen rund 700 Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen sowie in Bus und Tram durch bis zu 3600 sogenannten Validatoren ersetzen.
Die relativ kleinen Monitore, die die Größe eines Fahrkarten-Entwerters haben, wirken eher wie Kartenlesegeräte, und das sind sie auch. Auf jeden Fall lassen sie sich nicht mehr mit Bargeld bestücken und spucken auch keine Fahrscheine aus. Die Tickets kommen digital aufs Handy. Dafür ist eine Bankkarte oder eine Bezahlung mit Smartphone nötig.
Digitale BVG-Geräte werden alternativlos
Der Berliner Fahrgastverband IGEB findet diesen technischen Fortschritt, der in Berlin ab 2029 flächendeckend eingeführt werden soll, mittelprächtig und kritisiert die Alternativlosigkeit. „Validatoren können Fahrkartenautomaten ergänzen, aber nicht ersetzen“, heißt es in einer ersten Reaktion, nachdem die BVG Modelle möglicher Validatoren präsentiert hat.
Der Fahrgastverband fordert, an jeder U- und Bahn-Station in Berlin mindestens einen vollwertigen Fahrkartenautomaten stehen zu lassen, an dem alle Fahrscheine des VBB-Tarifs auch mit Bargeld gekauft werden können. „Darüber hinaus sind Automaten an wichtigen, stark frequentierten Straßenbahn- und Bushaltestellen erforderlich.“
Als Beispiel für solch einen Kompromiss führt der Fahrgastverband die Entwicklung in anderen europäischen Großstädten an. „Krakau setzt trotz Validatoren auf die Beschaffung neuer stationärer Automaten“, erklärt Vorsitzender Christfried Tschepe.
Auch Wien garantiere mindestens einen Automaten an jeder von einem Abbau betroffenen U-Bahn-Station. „Selbst im besonders digitalisierten Helsinki bleiben vorerst rund 70 Automaten an wichtigen Verkehrsknotenpunkten erhalten“, betont Tschepe. Und auch London halte an klassischen Automaten als Alternative fest.
„Wer mit Bargeld bezahlen möchte, kann auch in Zukunft die BVG-Guthabenkarte nutzen“, entgegnen die Berliner Verkehrsbetriebe. Diese Prepaid-Karten wurde schon vor fünf Jahren eingeführt, nachdem es Proteste gegen das Ende der Bargeld-Zahlung in Bussen gegeben hatte.
Die Guthaben-Karten werden in den BVG-Kundenzentren sowie an rund 900 Kiosken und in Lottoläden verkauft und können dort bar bezahlt und, wenn sie leer sind, auch wieder aufgeladen werden.

BVG-Vertriebsleiter Michael Beer testet Validatoren. Welches Modell ab 2029 schrittweise in Berlin eingeführt wird, ist noch nicht klar.
Maria NeuendorffMit der Karte will die BVG auch Kritik in Sachen Datenschutz entkräften. „Sie ermöglicht den bargeldlosen und anonymen Ticketkauf in Fahrzeugen und Stationen“, betont die BVG. Darüber hinaus bleibe die vollständige Ticketauswahl in den BVG-Kundenzentren und an Verkaufsstellen, Kiosken und Spätis verfügbar.
Der Fahrgastverband befürchtet jedoch, dass gerade bei der Tarif-Auswahl die neuen Terminals die Wahlmöglichkeiten der Fahrgäste eher beinträchtigen. „Ein sinnvoller Einsatz solcher Geräte setzt eine grundlegende Vereinfachung des komplexen VBB-Tarifs voraus“, sagt Tschepe. Kritiker befürchten, dass mit der Einführung der neuen Terminals bestimmte Sonderangebote wie das 24-Stunden-Ticket oder der Vierer-Fahrschein digital entfallen könnten.
Fahrgäste könnten an den neuen Geräten zwischen gängigen Tickets der Tarifbereiche AB und ABC wählen und diese kontaktlos bezahlen, erklärt dazu BVG-Vertriebsleiter Michael Beer. Das genaue Angebot werde noch gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und dem Land Berlin abgestimmt.
Mit den neuen Geräten wolle die BVG nicht nur Papier, sondern auch Geld sparen, denn die Wartung der alten Fahrkartenautomaten würde von Jahr zu Jahr aufwändiger.
„Ein billigeres Vertriebssystem ist aber nicht automatisch ein besseres“, betont Fahrgast-Vertreter Tschepe. „Entscheidend muss sein, dass alle Fahrgäste einfach, barrierearm und ohne Smartphone oder Bankkarte ihre Fahrkarten erwerben können.“


