Brand in Berlin: Wann die U-Bahn-Linien 1 und 2 wieder planmäßig fahren

Die U2 am Bahnhof Nollendorfplatz ist seit dem Brand in einem Sicherungskasten am Wittenbergplatz gesperrt.
Maria Neuendorff- U1 und U2 sollen laut BVG voraussichtlich zum Wochenstart wieder planmäßig fahren.
- Auslöser war ein Brand am 17. September in einem Schaltraum am Bahnhof Wittenbergplatz.
- Seit zwei Wochen sind Abschnitte der U1 und U2 gesperrt, Nollendorfplatz ist stark betroffen.
- Kritik: mangelhafte Fahrgastinfo, fehlende Ausschilderung und zu wenig Personal vor Ort.
- Fahrgastverband mahnt fehlende Redundanz an und fordert eine schnelle Eingreiftruppe.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Bahnhof Nollendorfplatz in Berlin ist, was die U-Bahn betrifft, der größte Umsteigeknoten der Stadt. Doch seit zwei Wochen sind die Aufgänge zur U2 nach Pankow und Ruhleben mit Flatterband abgesperrt, weil keine Züge zwischen Zoologischer Garten und Gleisdreieck verkehren.
Die U1 zwischen Uhlandstraße und Warschauer Straße wurde nach dem Brand an einem Sicherungskasten im Schaltraum am Bahnhof Wittenbergplatz am 17. September sogar gänzlich aus dem Betrieb genommen.
„Wenn keine unvorhersehbaren Hindernisse auftauchen, können die Züge der U1 und U2 voraussichtlich zum Start der kommenden Woche wieder planmäßig verkehren“, hieß es am Mittwoch (30.9.) von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG).
U-Bahn: Kleine Brände, große Auswirkungen
Die Situation erinnert an die 13-wöchige Sperrung, nachdem im vergangenen Jahr im U-Bahnhof Schlossstraße ein Brand in einem Betriebsraum ausgebrochen war. Auch dort war die Feuerwehr schnell vor Ort. Auch dort wurde zum Glück niemand verletzt.
Aber durch den Brand fiel die Signaltechnik auf der Linie U9 zwischen dem Rathaus Steglitz und der Station Bundesplatz aus. Der Verkehr war über vier Monate lang unterbrochen.
Am 28. Februar 2024 brannte es auch im Tunnel der U6 zwischen den Bahnhöfen Reinickendorfer Straße und Kurt-Schumacher-Platz. Der Verkehr war sieben Wochen unterbrochen.
In diesen beiden älteren Fällen gehen Ermittler davon aus, dass Obdachlose die Brände entfacht haben könnten. Doch egal ob fahrlässige Brandstiftung oder technischer Defekt: Warum dauert es so lange, nach einem lokalen Brand die Züge wieder auf die Strecke zu bringen?
Die BVG will sich dazu momentan auf fachmännischer Ebene nicht detailliert äußern. Ihre Experten seien weiterhin vor Ort mit der Reparatur ausgelastet, heißt es auf Anfrage. Die Arbeiten im Technikraum am Wittenbergplatz seien so aufwendig, weil starke Rußablagerungen entstanden seien.
„Dass der Verkehr nach einem punktuellen Schadensereignis so empfindlich gestört wird, zeigt, dass das Berliner U-Bahnnetz nicht redundant ist“, sagt Christian Linow, Vize-Vorsitzender der IGEB (Interessengemeinschaft Eisenbahn, Nahverkehr und Fahrgastbelange Berlin e.V.). Ein redundantes System bedeutet, dass wichtige Teile oder Funktionen mehrfach oder doppelt vorhanden sind. Fällt eine Komponente aus, springt die andere sofort ein.
Dass man das veraltete und lange auf Verschleiß gefahrene Berliner U-Bahn-System nicht von heute auf morgen umbauen könne, sei logisch, sagt Linow. „Aber man muss dann zumindest besser reagieren.“ Und zum Beispiel das noch vorhandene Angebot – in dem Fall die Buslinien, die teilweise parallel verkehren – verstärken. „Es kann immer etwas kaputt gehen, aber dann muss man es eben entsprechend kommunizieren.“
Die fehlende Fahrgastinformation sei seit Jahren ein Dauer-Ärgernis in Berlin, betont Linow. „Auch diesmal hatten wir wieder viele Rückmeldungen, dass die Kommunikation am ersten und zweiten Tag nach dem Brand katastrophal war“, berichtet er. So sei der Schienenersatzverkehr teilweise nicht ausgeschildert gewesen, an den betroffenen Bahnhöfen hätte Personal gefehlt, das Auskunft hätte geben können. „Viele Fahrgäste konnten sich überhaupt nicht orientieren.“
Fahrgastverband forder U-Bahn-Eingreiftruppe
Linow fordert deshalb in solchen Fällen eine „schnelle Eingreiftruppe, die vor Ort die Dinge regelt. „Von mir aus mit Kreidetafeln“, so der 45-Jährige. Bei Europas größtem Verkehrsunternehmen, das insgesamt 16.000 Mitarbeiter hat, müsse das möglich sein, findet der U-Bahn-Experte.
Was die Fahrgast-Information am Bahnhof Nollendorfplatz angeht, so ist sie auch 13 Tage nach dem Brand eher ungenügend. Die gelbweißen Plastikschilder auf den Kacheln in Bauchhöhe fallen kaum ins Auge. Doch auch wer sie entdeckt, wird nicht unbedingt schlauer. Die deutsch- und englischsprachigen Hinweise zu den Umfahrungsmöglichkeiten sind selbst für Dauerpendler schwer zu entschlüsseln.

Leicht verwirrend: Diese Schilder sollen Pendlern am Nollendorfplatz in Berlin helfen, wegen der Sperrungen auf der U1 und U2 alternative Routen zu nutzen.
Maria NeuendorffAuch das Laufband unter den digitalen Anzeigen der wieder fahrenden U-Bahn-Linie 3 Richtung Warschauer Straße sind verwirrend, weil sie von der Unterbrechung auf der U2 berichten. „Kann ich mit diesem Zug durchfahren?“, fragt Emanuela Mingo irritiert einen anderen Fahrgast. „Ich habe von 2017 bis 2023 in Berlin gewohnt, so viele Einschränkungen im Verkehr gab es damals nicht“, erzählt die 68-jährige Italienerin, die regelmäßig in Berlin Freunde besucht.
Dabei sei sie ein großer Fan des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland, sagt die Rentnerin. „Das Angebot ist paradiesisch im Vergleich zu Italien. Auch das Deutschlandticket ist toll.“ Doch heute ist sie von den Einschränkungen der U-Bahnlinien und der Art der Information genervt. „So schlimm wie jetzt war es noch nie.“


