Mehrere Dutzend Tierschützer der Bewegung Animal Save haben am Samstag vorübergehend einen Geflügelschlachthof in Niederlehme bei Königs Wusterhausen besetzt. Die Polizei sprach von rund 70 Aktivisten, die Aktivisten von bis zu 100 Teilnehmern. Gegen 8 Uhr kletterten nach Polizeiangaben unter anderem Demonstranten aus Deutschland, Slowenien, Tschechien, Dänemark, Italien, Frankreich und der Slowakei auf die Dächer des Unternehmens und zündeten Nebeltöpfe. Andere blockierten die Zufahrten zum Unternehmen. Etwa 30 Aktivisten hätten sich an zwei Tore des Betriebs gekettet, sagte eine Polizeisprecherin.
Auf Bannern stand: «Killing animals is killing us» («Tiere töten tötet uns»). «Wir wollen, dass der Schlachthof geschlossen wird», sagte Tierschützerin Franziska Döring. Der Betrieb war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruch und Nötigung

Ein Tierschützer klebte nach Polizeiangaben mit Hilfe von Sekundenkleber an einem Eingangstor, zwei hätten sich miteinander verklebt. Sie seien mit Lösungsmittel getrennt worden. Die Aktivisten räumten ein Tor wieder frei, bei dem anderen Tor durchtrennten Polizeibeamte die Ketten. Zwei Personen leisteten aktiven Widerstand. Die Maßnahmen der Polizei dauerten bis gegen 13:30 Uhr an. Zwei junge Frauen wurden zur Feststellung ihrer Identität mit in die zuständige Polizeiinspektion genommen. Sie waren nicht bereit, ihre Personalien der Polizei vor Ort zugeben. 41 Teilnehmer, von denen die Identität festgestellt wurde, hätten Platzverweise erhalten, teilte die Polizei mit. Gegen die Aktivisten werde wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, Hausfriedensbruchs und Nötigung ermittelt.
Hintergrund der Aktion, die nicht angemeldet war, ist auch ein Coronavirus-Ausbruch. Bisher wurden in dem Geflügelhof nach Angaben des Landkreises Dahme-Spreewald neun Corona-Infektionen gezählt, rund 700 Menschen wurden getestet. Nachdem der Betrieb täglich einen Teil der Mitarbeiter testete, war Anfang des Monats bekannt geworden, dass sich zwei Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert hatten.