Biker in Berlin und Brandenburg: Motorrad-Corso mit 400 Fahrern – das steckt dahinter

Hunderte Biker brechen in Berlin zur Tour durch Brandenburg auf.
M.C. Hermsdorf/Silvia Luchs- Ca. 400 Biker starten Motorrad-Corso durch Berlin und Brandenburg für Kinderhospiz Sonnenhof.
- Organisiert von M.C. Hermsdorf, feiern sie das 20-jährige Jubiläum der Sonnenhofroute.
- Ziel: Spenden für das Kinderhospiz sammeln. 2023 wurden bereits 22.700 Euro gesammelt.
- Tour umfasst mehrere Stationen; Startgeld mindestens 20 Euro.
- Teilnahme ist auch spontan möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn am Sonnabend (21.9.) eine schier endlos wirkende Kolonne von Bikern begleitet von Polizei-Motorrädern über die Straßen in Brandenburg rollt, werden sich wahrscheinlich viele Autofahrer verwundert die Augen reiben. Vielleicht werden auch einige Anwohner hinter dem ledernen Geschwader einen Rocker-Club vermuten, der seine Hoheit über die Straßen demonstrieren will.
Doch es handelt sich weder um die Hells Angels noch um die Nachtwölfe. Zu den Teilnehmern der sogenannten Sonnenhofroute gehören Menschen aus den verschiedensten Berufen mit den unterschiedlichsten Charakteren. „Unsere Mitglieder kommen quer aus der Gesellschaft, vom Maler über den Rechtsanwalt, von der Krankenschwester bis zur Richterin. Was uns eint, ist die Liebe zum Motorrad“, erklärt Gerd Reinke, zweiter Vorsitzender des M.C. Hermsdorf e.V., aus Berlin.
Biker on Tour – Hilfe für schwerstkranke Kinder
Der 55-Jährige ist Organisator der Sonnenhofroute, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert. Mit der Tour wollen die Biker auf die Notwendigkeit der Hilfe für schwerstkranke Kinder und deren Familien aufmerksam machen und sammeln bei dem Ausflug durch Berlin und Brandenburg Spenden für das Kinderhospiz Sonnenhof der Björn Schulz Stiftung in Berlin-Pankow.
Das braucht unter anderem dringend eine Dachsanierung. Die Biker (jeder ist willkommen) sollen dabei ein freiwilliges Startgeld von mindestens 20 Euro zahlen. Die Motorradfans treffen sich am Sonnenabend, ab 8 Uhr, auf dem Vereinsgelände in der Scharnweberstraße 81a in Berlin-Reinickendorf zum „Bikerfrühstück“ und wollen dann gegen 10 Uhr zum rund 50 Kilometer entfernten Flugplatz Bienenfarm aufbrechen.
Das Museum für Oldtimer-Flugzeuge befindet sich in der Nähe von Nauen im Havelland. Von dort aus geht es 43 Kilometer weiter ins Resort-Hotel Mark Brandenburg nach Neuruppin, wo eine Essenspause eingelegt wird. Eine weitere Station ist die TÜV Rheinland Akademie in Lehnitz bei Oranienburg. Die Abschlusskundgebung findet dann wieder in Berlin beim M.C. Hermsdorf statt, wo es neben Ansprachen auch Essen und Trinken sowie eine gemeinnützige Tombola gibt.
Die Idee zu den Sonnenhofrouten entstand schon vor mehr als 20 Jahren und war eher dem Zufall geschuldet. „Eines unserer Club-Mitglieder war Versicherungskaufmann. Sein Arbeitgeber hatte für die Angestellten eine Auto-Schnitzeljagd organisiert und fragte uns, ob wir die Verkehrssicherung dafür übernehmen könnten“, erinnert sich Reinke.
Also sicherte der M.C. Hermsdorf e.V. die Straßen ab. Die Versicherungsmakler hatten ihren Spaß. Auf den einzelnen Stationen wurden Spiele veranstaltet, und die Makler zahlten freiwillige Einsätze und spendeten reichlich. „Am Abend übergab man plötzlich uns den Spendentopf, mit der Bitte, damit etwas Gutes zu tun“, berichtet Reinke.
Fröhliche Stimmung im Kinderhospiz
Doch was genau sollte das sein? Reinke zog also mit vier Klubmitgliedern durch die Region und sah sich viele Hilfsprojekte an. Auch das Kinderhospiz Sonnenhof stand auf der Liste. „Auf dem Weg hatten wir plötzlich ein ganz beklommenes Gefühl. Das Thema Kinder und Tod schlug uns auf die Magengrube. Wir dachten, worauf lassen wir uns hier gerade ein?“, gesteht der Biker.
Doch die Männer in den Lederklamotten werden überrascht. „Im Hospiz herrschte eine fröhliche Stimmung, es wurde gelacht und es wurden Witze gemacht.“ Die Einrichtung erscheint den Besuchern nicht wie ein Ort der Trauer oder des Todes. „Ganz im Gegenteil, es war ein Ort der Freude und des Lebens.“ Reinke und seine Mitstreiter bewundern die Kraft des Pflegepersonals, das den Betroffenen das Leben so schön wie möglich macht. „Das hat uns imponiert.“
Als die Biker das Hospiz verlassen, schauen sie sich an und es ist sofort klar: „Die kriegen unser Geld.“
In den ersten Jahren der Spendentour fahren nur rund 20 bis 25 Teilnehmer mit. Auf den Stationen werden noch Spiele wie Baumstamm werfen oder Reifen langziehen angeboten. „Wir konnten auch viel mehr kleine Ziele ansteuern, da wir ein überschaubarer Haufen waren“, so Reinke.
Nach einem Zwischenstopp 2012 im Hotel Sommerfeld bei Kremmen in Oberhavel lernen die Organisatoren die dortigen Besitzer kennen. „Sie wollten uns helfen und stellten uns ihre PR-Abteilung zur Verfügung. Das Ergebnis waren drei sehr schöne Artikel in der lokalen Presse.“

So sieht es aus, wenn die Biker wie hier 2023 auf einem Hof in Brandenburg Pause machen.
M.C. Hermsdorf/Silvia LucksDas gibt einen enormen Schub. In den folgenden Jahren wird die Sonnenhofroute immer professioneller und größer. Die Vereins-eigenen Ordner bekommen ein spezielles Fahrsicherheitstraining. „Der TÜV Rheinland und die Brandenburger Polizei haben sich einiges für uns einfallen lassen, was wir jährlich trainieren dürfen.“ Der Motorradtross wird heute neben der Polizei auch von einer Ärztin, einem Motorradtaxi sowie einem Krankentransportwagen begleitet. „Die Sonnenhofroute gilt mittlerweile als der sicherste Motorrad-Korso Deutschlands“, betont Reinke.
Seit 2008 steht auch in der Satzung des M.C. Hermsdorf die Verpflichtung, die Björn Schulz Stiftung aktiv zu unterstützen. Seit 2013 ist die gemeinsame Spendenfahrt offiziell als Demo angemeldet. Die Hauptforderung ist ein Kinderhospiz-Gesetz, das regelt, dass Familien mit schwerstkranken Kindern mehr finanzielle Unterstützung von den Krankenkassen erhalten. „Dass zum Beispiel auch der Sportverein bezahlt wird, die Unterbringung der Eltern und Geschwister im Hospiz sowie Therapien für die Familienmitglieder, auch über den Tod des Kindes hinaus“, nennt der Berliner einige Beispiele.
Biker mit guter Mission – 22.700 Euro Spenden im Jahr 2023
Die betroffenen Kinder hätten diesbezüglich bisher kaum eine Lobby, die Familien häufig keine zusätzliche Kraft, sich mit Politik und Krankenkassen auseinanderzusetzen. „So wollen wir für sie das Sprachrohr sein“, betont Reinke. Sie haben auch schon an das Gesundheitsministerium geschrieben und Politiker zur Tour eingeladen. „Auch wenn sie nicht kommen. Aber wir wollen so groß werden, dass man diesen Appell hört“, sagt der Organisator.
In diesem Jahr haben sich bisher 370 Teilnehmer auf 280 Motorrädern angemeldet. Im vergangenen Jahr kam das sagenhafte Spendenergebnis von 22.714,58 Euro zusammen. Die Cents hinter dem Euro-Betrag seien dadurch entstanden, dass manche Teilnehmer mit der Überweisung ungerader Beträge testen wollten, ob wirklich 100 Prozent der Spenden an den Sonnenhof gehen, erklärt Reinke lachend.
„Das geht es“, versichert der Tour-Chef. Denn im Hospiz, das auf Spenden angewiesen ist, drücke an vielen Stellen der Schuh. „Wir sind schon für einen neuen Spielplatz gefahren, für die Heizung, für behindertengerechte Tische, und nun starten wir für ein neues Dach, damit die Hospiz-Bewohner nicht irgendwann im Regen stehen.“
So sollten sich Autofahrer an diesem Sonnabend nicht ärgern, wenn es auf den Straßen wegen der Biker-Kolonne nicht sofort weitergeht. Denn jedes Motorrad mehr bedeutet auch mehr Spenden für das Kinderhospiz.
Einfach mitfahren
Teilnehmer können sich über die Homepage www.mchev.de/anmeldungsonnenhofroute anmelden. Darum wird gebeten, damit der Veranstalter auch genügend Essen und Trinken bereithalten kann.
Unter dem Stichwort „Sonnenhofroute“ kann das Startgeld von mindestens 20 Euro auf das Vereinskonto des M.C. Hermsdorf e.V. überwiesen werden. IBAN: DE19 1002 0890 0610 1516 39
Für Kurzentschlossene ist es aber auch möglich, einfach spontan mitzufahren und die Spende am nächsten Stopp an die Organisatoren abzugeben.



