Ein Streik der Lokführergewerkschaft GDL wird an diesem Mittwoch und Donnerstag voraussichtlich zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen in Berlin und Brandenburg führen. Die Gewerkschaft hat ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn aufgerufen, am Mittwoch und Donnerstag ganztägig die Arbeit niederzulegen. Betroffen sind neben dem Fernverkehr die Regionalzüge und die S-Bahn. Damit will die GDL den Druck in der laufenden Tarifrunde erhöhen. Auf den Linien RE1, RE3, RE5, RE6, RE7, RE10, RE15, RE18, RB11 und RB43 wird Ersatzverkehr mit Zügen und Bussen angeboten. Auf den Linien FEX, RB10/14, RB13, RB20, RB21, RB22, RB23, RB24, RB31, RB49, RB55 und RE/RB66 wird kein Ersatzverkehr angeboten.
Kommunale Verkehrsbetriebe sind nicht betroffen, auch nicht die Berliner Verkehrsbetriebe. U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse in der Hauptstadt fahren also, dürften aber deutlich voller sein als üblich. Man fahre wegen der Corona-Pandemie schon mit vollem Einsatz, sagte Betriebschef Rolf Erfurt. „Eine zusätzliche Verstärkung einzelner Linien mit mehr Fahrzeugen ist - auch aufgrund der sehr kurzen Vorwarnzeit - nicht möglich.“

So trifft der Lokführerstreik Sachsen

Auch in Sachsen werden die Streiks deutlich zu spüren sein. Die Streikbeteiligung in den östlichen Bundesländern ist erfahrungsgemäß sehr hoch, die Auswirkungen im Fern- und Nahverkehr werden daher deutlich zu spüren sein, wie ein Bahnsprecher am Dienstag sagte. Die Züge zwischen Prag und Dresden sollen fahrplanmäßig rollen, die weitere Verbindung nach Berlin und Hamburg wird wohl entfallen.
Trotz eines Ersatzfahrplans könne man nicht garantieren, dass alle Reisenden wie gewünscht an ihr Ziel kommen, betonte der Bahnsprecher. Man bitte daher Fahrgäste, die nicht zwingend fahren müssen, ihre Reise möglichst zu verschieben. Gegenüber den Kunden wolle man sich sehr kulant zeigen. Die für den Streikzeitraum gelösten Karten könnten bis einschließlich dem 20. August bei aufgehobener Zugbindung genutzt oder erstattet werden.
Beim Regionalverkehr werde das ebenfalls sehr eingeschränkte Angebot regional sehr stark schwanken. Es gehe in den Metropolregionen und im ländlichen Raum darum, ein Grundangebot für Schüler und Pendler sowie wichtige Zubringer zu Fernverkehrszügen oder Flughäfen beizubehalten.

Odeg-Züge fahren weiterhin

Nicht bestreikt werden auch Konkurrenten der Bahn wie der Fernzuganbieter Flixtrain und regionale Konkurrenten wie die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) und die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB). „Beeinträchtigungen können jedoch nicht komplett ausgeschlossen werden, falls auch die Infrastruktur (Fahrdienstleiter) der DB bestreikt werden soll“, teilte die NEB mit. Auch die Odeg hält Einschränkungen im Betriebsablauf sowie vollere Züge für möglich. Geschäftsführer Roland Pauli: „Wir schließen aus unseren Erfahrungen vergangener GDL-Streiks bei der Deutschen Bahn, dass die Züge der Odeg zur Aufrechterhaltung des Regionalverkehrs verkehren sollten. Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf können allerdings nicht ausgeschlossen werden. Vor allem in Ballungsgebieten im Odeg-Streckennetz kann es zu längeren Haltezeiten und sehr vollen Zügen auf Grund höherer Fahrgastzahlen kommen.“