Alkoholverbot in Berlin: So wird das neue Verbot an Bahnhöfen kontrolliert

Inzwischen verboten: Bierbüchsen wie hier auf dem Müllereimer im Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin sind seit der Einführung des Alkoholverbots nur noch selten zu sehen.
Maria Neuendorff- An zwei Berliner Bahnhöfen gilt seit dem 1. Mai 2026 ein Alkoholkonsumverbot.
- Verboten ist Trinken im Bahnhof und auf Vorplätzen, nicht aber in Gastronomie und Shops.
- DB-Sicherheit kontrolliert rund um die Uhr und verweist Trinker vom Gelände – Bußgelder fehlen.
- Am Zoo greift das Hausrecht auch draußen, am Ostbahnhof nur bis hinter der Glasfront.
- Caritas und Stadtmission warnen: Verbot allein reicht nicht und fordern mehr Tagesstätten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Wege-Bier gehört in Berlin schon zur Tradition. Nicht nur zum Vatertag oder zum DFB-Pokalfinale pilgern Einheimische wie Touristen meist sogar scharenweise mit dem preiswerten Bier aus Supermarkt und Späti durch die Stadt.
Am Bahnhof Zoologischer Garten und im Ostbahnhof müssen die Flaschen und Dosen nun aber geschlossen in der Tasche bleiben. Denn seit dem 1. Mai 2026 gilt an den Knotenpunkten ein Alkohol-Konsum-Verbot.
Alkoholhaltige Getränke dürfen weder im Bahnhof noch auf den Vorplätzen konsumiert oder offen mitgeführt werden, heißt es dazu von der S-Bahn Berlin. Das Verbot gelte jedoch nicht innerhalb von Gastronomie und Shops, die Alkohol gewerblich ausschenken.
Wodka in Plastikbechern
Der Coffeeshop direkt neben dem Haupteingang am Bahnhof Zoo gehört nicht dazu. Auf den Stühlen vor der Tür, die eigentlich Gästen vorbehalten sein sollen, haben sich am Dienstagnachmittag drei sehr alkoholisierte Männer niedergelassen. Einer füllt mitgebrachten Wodka in einen Plastikbecher.
Doch es dauert nicht lange bis drei Männer in gelben DB-Westen die Trinker auffordern, den Platz zu verlassen. „Gehen Sie bitte woanders hin. Hier dürfen Sie keinen Alkohol trinken“, sagt einer der Security-Mitarbeiter. Die Betrunkenen lallen, einer lacht irre, ein anderer robbt auf dem Boden mit seinem Koffer vorwärts. Das Sicherheitsteam bleibt geduldig, aber streng. Ab und zu greifen sie dem einen oder anderem der Männer unter den Arm, während sie das torkelnde Trio vom Bahnhofsgelände geleiten.
Die Coffeeshop-Mitarbeiter, die hinter dem Tresen Croissants und Muffins verkaufen, sind erleichtert. „Wir haben besonders abends das Problem, dass hier ganze Cliquen die Stühle blockieren. Wir mussten schon oft die Polizei holen, weil es für uns gefährlich wird“, berichtet eine der Angestellten.
Seit dem Alkoholverbot habe sich die Situation sehr verbessert. Das macht sich auch optisch bemerkbar. „Vorher lagen die Leute hier einfach vor den Scheiben und tranken“, berichtet eine Berlinerin, die einen Cappuccino ordert.
Alkohol-Kontrollen rund um die Uhr
Auch Flachmänner und Dosen sind fast keine mehr zu sehen. Bahnhofshalle und Vorplatz wirken so, als hätte man gerade ordentlich durchgefegt.
Am Zoo gehört der Bahnhofsvorplatz zum Gelände der Deutschen Bahn, die somit auch dort ihr Alkohol-Konsum-Verbot durchsetzen kann. Am Ostbahnhof endet die Zuständigkeit direkt hinter der Glasfront und damit auch das Hausrecht.

Security-Mitarbeiter der DB-Sicherheit laufen regelmäßig Streife und fordern Personen, die im und am Bahnhof Zoo Alkohol trinken, auf, das Gelände zu verlassen.
Maria NeuendorffDie beiden Bahnhöfe wurden für den Modellversuch ausgewählt, weil es dort vom Personal her möglich ist, die Lage 24 Stunden am Tag zu kontrollieren, erklärt ein Bahn-Sprecher. Zuständig seien die Security-Mitarbeiter der DB-Sicherheit, die in der Region mit 600 Sicherheitskräften unterwegs seien. Mehr als 50 von ihnen sind regulär pro Schicht im S-Bahn-Netz auf Streife, heißt es von der Bahn.
„Es geht jetzt erst einmal darum, die Leute auf das Alkoholverbot hinzuweisen, gegebenenfalls zu verwarnen“, sagt Andreas Friedrich, Sprecher der S-Bahn Berlin.
Zahlen zu Verstößen und Ahndungen gibt es bisher nicht. Bußgelder wurden noch nicht festgelegt. „Im schlimmsten Fall droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch“, erklärt eine Polizeisprecherin.
Wie lange der Versuch andauern wird, wurde nicht festgelegt. Ähnliche Modellprojekte gibt es in anderen deutschen Großstädten. Am Münchener Hauptbahnhof und seinem Umfeld ist es seit 2019 verboten, Alkohol zu trinken. Nach positiven Erfahrungen hat der Stadtrat vor zwei Jahren eine Verlängerung des Verbots bis 2028 beschlossen.
Alkoholverbot in Berlin könnte ausgeweitet werden
Seit April 2024 gilt am Hamburger Hauptbahnhof ein Alkoholkonsumverbot. Ein Jahr nach Einführung wurden 75 Bußgeldverfahren registriert. Das Bußgeld beträgt dort 40 Euro, bei wiederholtem Fehlverhalten bis zu 200 Euro.
In Berlin wolle man sich nach den ersten Erfahrungen jedoch erst einmal zusammensetzen und besprechen, ob es Sinn mache, das Verbot auf weitere Bahnhöfe auszuweiten, erklärt der Bahn-Sprecher.

Auch am Berliner Ostbahnhof gilt seit dem 1. Mai 2026 ein Alkohol-Konsum-Verbot.
dpa/|Jens Kalaene„Allein mit einem Alkoholverbot ist es nicht getan“, findet Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. Sicherheit entstünde dort, wo soziale Probleme sozial beantwortet werden, betont sie. Dieser Meinung sind auch Mitarbeiter der Berliner Stadtmission, die am Bahnhof Zoo neben der Bahnhofsmission ein Hygiene- und Beratungscenter für Obdachlose betreibt.
„Wir verstehen die Deutsche Bahn, denn wir wissen, dass sich Reisende zunehmend unwohl fühlen, wenn auf den Bahnhöfen Alkohol konsumiert wird“, sagt Stadtmissions-Sprecherin Barbara Breuer. Durch Alkohol sinke die Hemmschwelle, die Aggression steige. „Selbst unsere Mitarbeiter werden besonders am Berliner Hauptbahnhof regelmäßig angegangen“, berichtet Breuer.
Alkoholismus als Krankheit
„Allerdings muss die Gesellschaft anerkennen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist und auch alkoholkranke Menschen das Recht haben, sich an geschützten und gut erreichbaren Orten aufzuhalten, zu denen eben Bahnhöfe gehören“, betont die Sprecherin.
Wenn man den Menschen nun diese Orte entzieht, bräuchten sie andere, wo sie hin können. Stadtmission und Caritas fordern deshalb mehr Tagesstätten in Berlin, in denen Betroffene sozial beraten werden - auch, was die Möglichkeiten der Suchttherapie betrifft.


