Waldbrände, Schadinsekten, Hitze und Trockenheit: Brandenburgs Wäldern geht es so schlecht wie noch nie seit Beginn der Dokumentation 1991. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2019 seien alarmierend, hieß es bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch in Potsdam.

Die Auswirkungen des Klimawandels seien inzwischen bei allen Baumarten sichtbar, betonte Forst- und Klimaschutzminister Axel Vogel (Grüne). Mehr als ein Drittel der Waldfläche (37 Prozent) sei deutlich geschädigt, gut ein Viertel mehr als 2018, hieß es. Nur noch 14 Prozent der Waldflächen seien gesund.

Ziel: Stabile Mischwälder

„Wir werden den Umbau hin zu mehr naturnahen Laubmischwäldern vorantreiben“, betonte Vogel: „Waldbrandgebiete sollen wiederaufgeforstet und auf früheren Kiefernmonokulturen stabile Mischwälder entstehen.“ Brandenburg gehöre zu den Bundesländern, die bereits heute am stärksten mit den Folgen der Klimaerwärmung zu kämpfen hätten, betonte Vogel: „Die schwindende Verfügbarkeit von Wasser ist die wahrscheinlich folgenschwerste Auswirkung der Klimaveränderungen.“

Strategien gegen Extremwetterlagen

Es müssten dringend Strategien zur Anpassung der Wälder an die zunehmenden Extremwetterereignisse erarbeitet und umgesetzt werden, forderte Vogel. Dazu müssten jedoch „alle an einem Strang ziehen“. Wissenschaft, Forstverwaltung, Waldbesitzer, Wasserwirtschaft, Jagd und Naturschutz müssten sich an einem breiten gesellschaftlichen Bündnis für den Wald beteiligen. Dazu sei 2020 auch ein Brandenburger Waldgipfel geplant.

Die durch Trockenheit und Waldbrände geschädigten Bäume seien anfälliger gegen Pilzbefall und Schadinsekten geworden, hieß es. Auch für die märkische Kiefer sei die Gefahr durch Klimaveränderungen groß.

Eichen sind so krank wie noch nie

Bei der Eiche sei mit deutlichen Schädeln bei zwei Dritteln des Bestandes das bislang schlechteste Ergebnis zu verzeichnen. Nur acht Prozent der Eichen seien gesund. Der Zustand der Buchen, der mit 62 Prozent Schäden fast den Wert der Eiche erreiche, habe sich in Brandenburg und auch bundesweit dramatisch verschlechtert.

Der Wassermangel in den vergangenen zwei Jahren habe zu Schäden geführt, wie sie seit Beginn der Waldzustandserhebung noch nicht aufgetreten seien. Die dadurch geschwächten Buchen hätten den zunehmenden Angriffen von Schaderregern wie Käfern und Pilzen nichts mehr entgegenzusetzen.

Nachdem sich 2016 die Kiefernbuschhornblattwespe durch die Baumkronen gefressen und die Kiefern geschwächt habe, sei das Jahr 2017 mit ausreichend Niederschlägen nur eine kurze Erholungsphase für die Bäume gewesen, hieß es weiter.

Mehr als 1000 Waldbesitzer betroffen

Die Stürme Ende 2017, das Sturmtief „Friederike“ im Januar 2018 und die seit 2018 anhaltende Trockenheit hätten die Lage dann dramatisch verschärft. Borkenkäfer, Prachtkäfer und pilzliche Schaderreger hätten sich massiv ausgebreitet.

Mehr als 1000 Waldbesitzer seien in der durch Kleinprivatwald geprägten Region von den Schäden betroffen, hieß es weiter. Mit einer Beratungsoffensive der Förster sollen die Waldbesitzer nun bei der Beräumung der Schadflächen und beim Waldumbau unterstützt werden.

Für die Bewältigung der Folgen der Extremwetterereignisse und für den Waldumbau stellen die EU, der Bund und das Land den Angaben zufolge in den kommenden Jahren mehr als 19 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.