A100 in Berlin-Treptow
: Lebensgefahr für Fußgänger in Elsenstraße durch Dauer-Stau?

Mit der Öffnung der A100-Verlängerung zwischen Neukölln und Treptow drohen an der Elsenstraße in Berlin längere Staus und riskante Situationen für Fußgänger.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Die Übergänge für Fußgänger sind auch bei grünen Ampelphasen zugestaut.

Die Übergänge für Fußgänger an der Elsenstraße kurz nach der Autobahn-Ausfahrt in Berlin-Treotow sind auch bei grünen Ampelphasen zugestaut.

FUSS e.V./Roland Stimpel
  • Eröffnung der A100-Verlängerung in Berlin-Treptow führt zu Staus und Gefahren für Fußgänger.
  • Fußgängerübergänge an der Elsenstraße oft durch Fahrzeuge blockiert, Gefahr für Kinder besonders hoch.
  • FUSS e.V. fordert Maßnahmen wie angepasste Ampelschaltung, um Fußgänger zu schützen.
  • Kritik am Autobahn-Ausbau: Aktionsbündnis A100 stoppen fordert Tempo 50 und bessere ÖPNV-Angebote.
  • Autofahrer berichten von langen Staus, bis zu 20 Minuten für drei Kilometer trotz Sommerferien.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Eröffnung des 16. Bauabschnitts der Berliner Stadtautobahn A100 vom Dreieck Neukölln nach Treptow wird nicht nur für Autofahrer zum Problem. „Die Autoflut von der neuen A100 bringt Fußgänger in Treptow in Lebensgefahr“, warnte Roland Stimpel, Vorstand des Fachverbands Fußverkehr Deutschland FUSS e.V.am Montag (1.9.2025).

Da die Ampel-Übergänge, vor allem über die Elsenstraße, chronisch zugestaut seien, müssten Fußgänger sich bei Grün zwischen Lkws, SUVs, Kleinlastern und Kleinwagen durchschlängeln. „Die Fahrer sind vom Stau genervt, oft ungeduldig oder unaufmerksam“, berichtet Stimpel.

Fußgänger für Lkw-Fahrer kaum sichtbar

Sie rollten zwar nur langsam, aber auch das sei hochgefährlich. „Aus hoch liegenden Lkw-Fahrerkabinen oder hinter den hohen Motorhauben von SUVs sind Fußgänger direkt vor dem Auto kaum oder gar nicht sichtbar – vor allem Kinder. Zugleich rechnen viele Fußgänger nicht mit der Gefahr, getreu dem im Kindergarten gelernten Spruch: Bei Grün kannst du gehn.“

Am schlimmsten sei die Situation es auf dem Übergang über die Elsenstraße östlich der Straße Am Treptower Park, kurz hinter der neuen Autobahn-Ausfahrt. Von der A100, von der Elsenstraße und der Straße am Treptower Park würden weit mehr Autos in die Kreuzung gelassen, als diese verkraften könne, hat Stimpel vor Ort beobachtet.

„Sehr viele Fahrer missachten das Gebot, nicht in die zugestaute Kreuzung zu fahren. Sie biegen bei Grün in die Elsenstraße ab, rollen langsam weiter und vergessen das Fußgänger-Grün.“

Der FUSS e.V. forderte den Verkehrssenat deshalb auf, die Situation noch in dieser Woche zu entschärfen, bevor ab dem 8. September auch wieder Schulkinder über die Straße müssten. Das sei einfach, erklärt der fußgängerfreundliche Mobilitäts-Verein in einer Mitteilung: „Das Grün für Fahrzeuge darf erst einsetzen, wenn die Strecke frei ist, auf die sie sich bewegen wollen.“

Solch eine Maßnahme würde jedoch auch bedeuten, dass der Rückstau auf der A100 noch länger werden könnte, als er ohnehin schon ist. Seit dem 27. August 2025 nutzen Autofahrer die Verlängerung. Seitdem stauen sich am Abschnittsende Richtung Elsenbrücke bereits die Fahrzeuge. Autofahrer berichten in den vergangenen Tagen von 20 Minuten für rund drei Kilometer, obwohl noch Sommerferien sind.

„Jede neue Verkehrsführung muss sich zunächst einspielen, insbesondere wenn es sich um eine so große Veränderung wie beim 16. Bauabschnitt handelt“, erklärte Michael Herden, Sprecher der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt am Montag auf Anfrage. Grundsätzlich würden die Schaltungen von neuen Lichtsignalanlagen im Nachgang beobachtet, analysiert und gegebenenfalls angepasst.

Neue Verkehrsführung führt zum Chaos

Die Spurführungen seien noch unbekannt und die Autofahrer müssen sich zunächst neu orientieren, betont Herden. Aus eigenen Beobachtungen heraus wurde festgestellt, dass sich viele bereits auf der Autobahn ganz rechts einordnen, offenbar in der Erwartung, dass sie nur auf diesem Fahrstreifen in die Elsenstraße rechts abbiegen können.

Tatsächlich führen alle drei Fahrstreifen bis in die Elsenstraße hinein, bevor die Fahrstreifenreduzierung wegen der Sanierung der Elsenbrücke erfolgt. Dabei wird der rechte Fahrstreifen, den die meisten benutzen, dann zum Bussonderfahrstreifen, was zu vielen Fahrstreifenwechseln und zu den damit verbundenen zusätzlichen gegenseitigen Behinderungen führt.

Eine extreme Gefährdung, wie sie vom Fußgängerverein angenommen wird, sehe man wegen der niedrigen Geschwindigkeiten nicht, so der Behördensprecher. Die Senatsverwaltung erwarte vielmehr, dass sich der Verkehrsablauf in der nächsten Zeit normalisiere.

Das sieht nicht jeder so. „Die Staus sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer verfehlten Verkehrspolitik“, kritisiert auch Tobias Trommer, Sprecher des Bündnisses Aktionsbündnis A100 stoppen, das sich seit Jahren gegen den Autobahn-Ausbau einsetzt.

Fünf-Minuten-Takt auf Ringbahn gefordert

Die Mitglieder forderten am Montag (1.9) die Umwidmung des 16. Bauabschnitts zu einer innerstädtischen Straße mit Tempo 50: „Dies würde den Verkehr entschleunigen, eine bessere Steuerung durch Lichtsignalanlagen ermöglichen und Staus reduzieren“, hieß es in einer aktuellen Mitteilung.

Zudem forderte das Bündnis die Sicherstellung eines zuverlässigen Fünf-Minuten-Takts tagsüber auf der Ringbahn, damit die Pendler die S-Bahn als eine echte Alternative zum Individualverkehr nutzen können.

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