Seit 2014 herrscht im Osten der Ukraine ein Bürgerkrieg, nachdem Russland die Krim annektiert hat. Seitdem sind die Spannungen zwischen Moskau und den Nato-Staaten kontinuierlich gestiegen, diplomatische Lösungen führen zunehmend ins Leere. Anfang 2022 steigen die Befürchtungen, dass Russland in die Ukraine einmarschieren könnte. In diesem Liveblog wollen wir über alle Updates im Ukraine-Konflikt informieren.
  • Russland hat die militärischen Übungen und Manöver an der ukrainischen Grenze massiv erhöht
  • Die Nato-Staaten und die USA haben zuletzt auf russische Sicherheitsforderungen geantwortet
  • Was ist der Hintergrund zum Ukraine-Konflikt?
  • Warum scheint Moskau aggressiv gegenüber dem Nachbarstaat zu werden?
  • Wird Russland in die Ukraine einmarschieren?

Ukraine Konflikt einfach erklärt: Was will Russland?

Der Konflikt ist komplex und historisch geprägt. Um die aktuelle Situation zu verstehen, gibt es aber einige wesentliche Dinge zu wissen.
Die Ukraine war bis 1991 Teil der Sowjetunion (UdSSR). Mit der Auflösung der UdSSR entstanden mehrere unabhängige Staaten, darunter die Ukraine. Bis heute haben viele der Staaten eine komplizierte Beziehung zu Russland – einige sind abhängig von Moskau und pflegen daher gute Beziehungen. Andere hingegen haben unter der Herrschaft als Teil der Sowjetunion gelitten und wollen Distanz wahren. Um sich Schutz vor Russland zu sichern, haben sich Staaten wie Estland, Lettland, Litauen und Polen der Nato zugewandt und sind Mitglieder geworden. Diese Osterweiterung empfindet Russland als Bedrohung.
Die Ukraine ist kein Mitglied der Nato. Seit Jahren gibt es aber verstärkte Bestrebungen, sich dem Bündnis anzuschließen bzw. sich stärker zur EU hinzuwenden. Der Konflikt begann Ende 2013, als es in der Ukraine zu Massenprotesten kam. Die Proteste rührten daher, dass die ukrainische Regierung gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung entschieden hat, ein Abkommen mit der EU zu stoppen. Die Proteste gingen von November 2013 bis Februar 2014 und tragen heute den Namen „Euromaidan“. Bei einer Eskalation der Euromaidan-Proteste gab es schwere Zusammenstöße, es starben viele Menschen, die Regierung wurde ab 22. Februar 2014 abgesetzt.
Aus Sorge vor einer Annäherung der Ukraine an den Westen entzündete sich ein neuer Konflikt im Osten des Landes und insbesondere auf der Halbinsel Krim. Diese Teile des Landes wollten nämlich weiterhin eine positive Beziehung zu Russland haben – was letztlich dazu führte, dass sich Teile der Ostukraine abzuspalten versuchten. Im März 2014 gab es auf der Krim ein umstrittenes Referendum, nachdem eine Mehrheit der Bevölkerung befürwortete, Teil von Russland zu werden. Wladimir Putin machte somit Nägel mit Köpfen und annektierte die Krim. Der Westen verurteilte dies als völkerrechtswidrig.
Seither herrscht im Osten der Ukraine ein Bürgerkrieg zwischen dem westlich-orientierten und dem pro-russischen Teil der Bevölkerung. Brandherde sind die Städte Lugansk, Odessa, Charkow, Slawjansk und Donbas – im allgemeinen Sprachgebrauch werden sie „der Donbass“ genannt. Es droht eine Spaltung des Landes, die Ausschreitungen kochen immer wieder hoch. Seit Frühjahr 2021 gibt es von Russland deutlich mehr militärische Bewegung entlang der ukrainischen Grenze. Es sollen bis zu 100.000 russische Soldaten dort stationiert sein. Im Juli 2021 sagte Putin in einem Artikel: „Kiew braucht den Donbass einfach nicht“. Seitdem steigt kontinuierlich die Sorge, dass Putin den Donbass wie bereits die Krim annektieren will.

Liveblog zum Ukraine-Konflikt mit Russland

Seit Wochen erhöht sich die Präsenz russischer Soldaten an der ukrainischen Grenze. Die Nato versucht auf diplomatischem Wege mit Russland zu verhandeln. Moskau prüft aktuell eine Antwort der Nato auf ein Schreiben, in dem Russland seine Sicherheitsforderungen deutlich machte. Bei der russischen Forderung nach Zusagen für ein Ende der Nato-Osterweiterung zeigten weder die Nato noch die USA Verhandlungsbereitschaft. Nun wird auf Antworten aus Russland gewartet.
Ab hier informieren wir euch zu den aktuellen Entwicklungen in der Ukraine-Krise.

Greift Puntin an? – Ein Erfolg der Ukraine wäre Russlands Niederlage

Update, 08.02.2022, 10.30 Uhr
Zum Ukraine-Konflikt schreibt die polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ am Dienstag: „Experten in den Hauptstädten des Westens und in Moskau rechnen um die Wette, welche Verluste die russische Armee erleiden könnte, wenn Wladimir Putin eine Frontalattacke gegen die Ukraine beginnt. Die Schätzungen variieren - von 3000 bis 20 000 Toten. Aber sogar 50 000 Leichen wären für den Kreml nicht die größte Niederlage an der Ukraine-Front. Die russische Führung fürchtet sich viel mehr vor etwas anderem. Nämlich, dass sich die Ukraine mit Unterstützung des Westens endlich aus dem postsowjetischen Sumpf zieht, dass sie kein gescheiterter Staat ist, sondern den Weg zu einer normalen Entwicklung betritt und nicht wie der verlorene Sohn zu Mütterchen Russland zurückkehrt, die Hand ausgestreckt nach Rubeln und Gas.
Moskau ist bereits in Panik vor einem Erfolg einer Ukraine, die sich dem Westen zugewandt hat. Gerade die Perspektive einer normalen Entwicklung, die sich für die Ukraine auftut, ist für Putin ein Signal, dass es höchste Zeit für einen Waffengang gegen das Nachbarland ist, das sich Moskaus Händen entwinden will. Putin rechnet immer noch damit, dass das ukrainische Volk, von Armut und Hoffnungslosigkeit gequält, endlich seinen Fehler begreift und zu Mütterchen Russland zurückkommt. “

Außenministerin Baerbock an der Frontlinie im Donbass

Update, 08.02.2022, 09.30 Uhr
Außenministerin Annalena Baerbock hat sich an der Frontlinie zwischen ukrainischen Regierungstruppen und den von Russland unterstützten Separatisten über die Lage im Konfliktgebiet Donbass informiert. Geschützt mit Helm und schusssicherer Weste ließ sie sich am Dienstag von einem Kommandeur der ukrainischen Regierungstruppen die aktuelle militärische Lage erklären.
Baerbock hatte am Montag bei ihrem Auftritt mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba über ihre Reise an die Frontlinie gesagt: „Ich will dabei ein klares Signal senden: Wir, gemeinsam als Europäerinnen und Europäer, schauen nicht weg. Wir vergessen nicht die Menschen, um deren Schicksal es in diesem Konflikt geht. Und wir stehen an der Seite der Ukraine.“
Im Anschluss war ein Treffen Baerbocks mit Vertretern der Sonderbeobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine geplant. Es ist die mit etwa 1300 Mitarbeitern größte OSZE-Mission, an der Beobachter aus 44 Teilnehmerstaaten teilnehmen, darunter mehr als 40 Deutsche.
In einem Vorort der Hafenstadt Mariupol Wynohradne wollte Baerbock mit Vertreterinnen der Nichtregierungsorganisation „Berehynja“ (Hüterin) sprechen. Die Organisation leistet seit 2015 juristische und psychologische Hilfe für Hunderte geflüchtete Frauen und Frauen, die nahe der Kontaktlinie leben. Zum Abschluss stand die Besichtigung einer mit deutscher Hilfe modernisierten Wasserpumpstation in Mariupol auf dem Programm.

Friedensplan zwischen Ukraine und Russland ausgeschlossen?

Update, 08.02.2022, 8.00 Uhr
Ein im belarussischen Minsk vereinbarter Friedensplan liegt auf Eis. Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig vor, gegen das Abkommen zu verstoßen. Seit 2014 sind im Donbass nach UN-Schätzungen mehr als 14 000 Menschen bei Kämpfen getötet worden.