Was wissen wir über das Coronavirus?

DAS Coronavirus, das derzeit in aller Munde ist, bezeichnet EIN Virus aus der Familie der Coronaviren. Die neue Version, die von der Wissenschaft als SARS-CoV-2 tituliert wird, trat nach bisherigen Erkenntnissen erstmals im Dezember 2019 auf.
„Der Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2 ist die respiratorische Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen und Niesen entstehen“, heißt es im Steckbrief des Robert Koch-Instituts (RKI). Heißt: Durch sprechen, singen, schreien, husten, niesen werden Tröpfchen in die Umgebung ausgestoßen. Wer sich im Umkreis einer solchen Person befindet, kann sich das Virus einfangen.

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Die Erkrankung, welche durch SARS-CoV-2 ausgelöst wird, wird mit COVID-19 bezeichnet (Corona Virus Disease 2019).

Wie kann man sich mit dem Coronavirus anstecken?

Wer sich in unmittelbarer Nähe eines Infizierten aufhält, ist akut gefährdet. „Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit einer Exposition gegenüber infektiösen Tröpfchen und Aerosolen im Umkreis von ein bis zwei Metern um eine infizierte Person herum erhöht“, erläutert das RKI. „Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als zwei Meter erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt und exponierte Personen besonders tief einatmen.“
Eine Schmierinfektion über Oberflächen und Gegenstände ist ebenfalls möglich. Zwar wurde gezeigt, dass sich die Viren je nach Material bis zu 72 Stunden auf Oberflächen halten konnte – doch schon nach acht Stunden sinkt die Infektiösität drastisch, wie Studien herausgefunden haben.

Was sind die Symptome einer Covid-19-Erkrankung?

„Häufig genannte Symptome waren Husten (46 Prozent), Fieber (38 Prozent), Schnupfen (20 Prozent) und Halsschmerzen (19 Prozent)“, berichtet das RKI über die klinisch bekannten Fälle in Deutschland. Etwa 15 Prozent der Fälle, bei denen danach gefragt wurde, berichten über Geruchs- und/oder Geschmacksverlust.

Werden mehr Frauen oder Männer mit dem Coronavirus infiziert?

Für Deutschland beobachtet das Robert Koch-Institut (RKI) die Entwicklung des Virus. Von den an das RKI übermittelten Fällen sind 51Prozent weiblich und 49 Prozent männlich, also fast gleich.
Und wie sieht es mit dem Alter aus? In den Fällen, in denen Angaben zum Alter und zum Geschlecht vorliegen, sind laut RKI etwa drei Prozent Kinder bis zehn Jahre, weitere sechs Prozent Jugendliche bis 19. Etwa 45 Prozent der bekannten Fälle sind 50 Jahre und älter. „Der Altersdurchschnitt liegt bei 46 Jahren. Die höchsten Inzidenzen finden sich in den Altersgruppen ab 90 Jahren“, schreibt das RKI Ende August in seinem Situationsbericht.

Wie schlimm ist eine Covid-19-Erkrankung?

Die meisten Menschen erkranken durch das Coronavirus nicht schwer. Sie zeigen nur milde, grippeähnliche Symptome. Viele merken sogar gar nichts von ihrer Infektion. „Es gibt jedoch auch schwere Verläufe mit Lungenentzündungen, bei denen ein Aufenthalt in einer Klinik notwendig ist oder sogar ein Beatmungsgerät gebraucht wird“, warnt das Bundesgesundheitsministerium.
Unklar ist, wie häufig nach einer Infektion teilweise unbemerkte Langzeitschäden bestehen. Auch milde COVID-19-Verläufe beeinträchtigen beispielsweise dauerhaft das Herz. Das ist das Ergebnis einer Studie von Frankfurter Kardiologen. Bei 78 Prozent ihrer Patienten, die eine SARS-CoV-2-Infektion überstanden hatten, stellten sie im späteren Verlauf Auffälligkeiten im MRT fest, obwohl die Infektion meist mild verlief.
Mehr Krebstote infolge der Corona-Pandemie erwarten Epidemiologen in Groß-Britannien. Sie gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren die Fünf-Jahres-Mortalitätsrate bei Patienten mit Brustkrebs um bis zu 9,6 Prozent steigen könnte. Bei Darmkrebs wäre demnach sogar eine Zunahme um 16,6 Prozent möglich. Auch die Fünf-Jahres-Mortalitätsrate in Großbritannien beim Ösophagus- und Lungenkarzinom berechneten die Forscher: Hier kommen sie auf eine mögliche Zunahme von bis zu 6,0 beziehungsweise 5,3 Prozent

Wie viele Menschen sterben an dem Coronavirus?

Insgesamt sind in Deutschland bisher rund 10 000 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Das entspricht rund vier Prozent aller bekannten Fälle.
Um international einordnen zu können, wie sich das Coronavirus auswirkt, ist es sinnvoll, die Todesfälle je 100 000 Einwohner zu berechnen. Dabei kommt Deutschland laut Statistiken der Johns Hopkins Universität auf einen Wert von etwa 11. Die USA liegen bei 54, Belgien bei 87 (Stand 25. August). Schweden, Spanien und Italien liegen bei etwa 60, Frankreich bei 45. Russland hat einen ähnlichen Wert wie Deutschland, Polen liegt bei 5.
Der Altersdurchschnitt der verstorbenen Fälle in Deutschland liegt laut RKI bei 81 Jahren. Von den Todesfällen waren etwa 85 Prozent 70 Jahre und älter.

Was soll man tun, wenn man infiziert wird?

Auf keinen Fall direkt in eine Praxis oder Notaufnahme gehen. Wer Symptome hat und – etwa wegen des Kontakts zu einem nachweislich Infizierten – befürchtet, an Covid-19 erkrankt zu sein, soll sich zunächst telefonisch bei seinem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt melden. Wenn man nun wirklich daran erkrankt sein sollte, dann müsse man das Virus ja nicht unbedingt in ein voll besetztes Wartezimmer mit möglicherweise ohnehin schon immungeschwächten Menschen hineintragen, erklärt der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Christian Schmuck. Möglich ist es auch, die bundesweite Service-Telefonnummer 116 117 zu wählen.

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Kann man sich mehrmals mit dem Coronavirus anstecken?

Es war lange nur ein vager Verdacht, nun hat er sich erhärtet: Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, können sich ein zweites Mal anstecken. Die Universität von Hongkong hat so einen Fall dokumentiert, Behörden in den Niederlanden und in Belgien melden ähnliche Fälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont aber, dass es sich nach bisherigen Erkenntnissen um Einzelfälle unter 23 Millionen weltweit bekannten Fällen handelt. „Es scheint kein gängiges Vorkommnis zu sein, sonst hätten wir mehr Fälle gesehen“, sagt WHO-Sprecherin Margaret Harris.
Allerdings wurde der Hongkonger Patient auch nur entdeckt, weil er im August wegen einer Reise routinemäßig getestet wurde. Er hatte keinerlei Symptome. Denkbar ist, dass auch andere Patienten sich neu infizierten, dies aber gar nicht merken.

Welche Impfstoffe gibt es gegen das Coronavirus?

„Nach wie vor gibt es keine zugelassenen Impfstoffe und die Therapie schwerer Krankheitsverläufe ist komplex und langwierig“, erläutert das RKI.
Rund 170 Impfstoffprojekte laufen laut Weltgesundheitsorganisation, doch nur gut eine handvoll Firmen befinden sich mit ihren Forschungen in Phase-III-Studien, der letzten Stufe vor einer möglichen Zulassung. Darin muss sich zeigen, ob die Mittel wirklich vor einer Infektion schützen. Weit fortgeschritten sind das US-Unternehmen Moderna, die britisch-schwedische AstraZeneca und die Mainzer Firma Biontech. Mit dem US-Kooperationspartner Pfizer will Biontech bei positiven Ergebnissen schon im Oktober einen Zulassungsantrag für seinen Corona-Impfstoff stellen. Noch aber sind die Projekte mit viel Unsicherheit behaftet. „Lackmustest sind die Phase-III-Studien“, sagt Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung beim Pharmaverband vfa. (mit dpa)