Stadtentwicklung in Weißwasser
: Maria Schiller ist die neue Wirtschaftsförderin – das hat sie vor

Die Stadt Weißwasser ordnet ihre Wirtschaftsförderung neu. Maria Schiller übernimmt die Aufgabe von Thorsten Rennhak, der wieder komplett ins Baureferat wechselt. Doch was ändert sich sonst noch?
Von
Jürgen Scholz
Weißwasser
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Maria Schiller ist die neue Wirtschaftsfördererin der Stadt Weißwasser.

Jürgen Scholz

Wirtschaftsförderung ist ein Geschäft, an das viele Erwartungen gestellt werden: Unternehmen vor Ort erwarten einen kurzen Draht und viel Unterstützung, Investoren möglichst gute Informationen und Starthilfe. Politik und Bevölkerung erwarten Lobby-Arbeit für den Standort – und im besten Fall Neuansiedlungen mit guten neuen Jobs und gutem Gewerbesteuereinnahmen. Bislang gab es im Rathaus Weißwasser dafür aber nur eine halbe Personalstelle. Nun wurde der Ansatz verdoppelt – und mit Maria Schiller jemand ins Rathaus geholt, der sich komplett der Aufgabe widmen kann und soll.

Die Kulturwissenschaftlerin und Marketing-Expertin ist als Wirtschaftsförderin in der Stabsstelle von Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) angesiedelt, also dessen Büroleiter Wulf Stibenz unterstellt – agiert aber inhaltlich frei und selbstständig, wie Stibenz betont. Er verweist darauf, dass Fachkräftemangel einerseits, Erwartungshaltung von Unternehmen und Investoren anderseits dazu führten, dass eine Vollzeitstelle eingerichtet wurde.

Darüber hinaus wird derzeit an einem Fördermittelantrag gearbeitet, mit dem weitere Stellen über die Förderung des Bundes eingerichtet werden könnte. Der stellt über das Förderprogramm „Stark“ Personalförderung in Aussicht, wenn Kommunen in Strukturwandel-Regionen wie dem Lausitzer Revier mehr Personal brauchen, um die Herausforderungen des Strukturwandels angehen zu können.

Wirtschaftsförderung in Weißwasser: Schnittstelle zum Rathaus

Zunächst aber bewegt sich die neue Wirtschaftsförderin zum einen „inhaltlich frei und selbstständig“. Wirtschaftsförderung könne aber nie für sich allein agieren, weil viele Themen der Wirtschaftsförderung mit allen anderen Verwaltungsbereichen verwoben sind, erklärt Stibenz: „So sind Genehmigungen für potenzielle Investoren sowohl mit dem Ordnungs- und Gewerbeamt als auch mit dem Referat Bau- und Stadtplanung abzustimmen und gegebenenfalls aufgrund der kommunalrechtlichen Regeln auch mit dem Justiziariat.“ Auch deshalb war Vorgänger Thorsten Rennhak quasi geteilt in Wirtschaftsförderung und Baureferat unterwegs und soll diese Schnittstellenkompetenz auch weiterhin einbringen.

Die neue Wirtschaftsförderin will aber auch neue Schwerpunkte setzen. Sie wolle mit den Unternehmern der Stadt ins Gespräch zu kommen, sich vorzustellen und als Ansprechpartnerin anbieten, so Maria Schiller. „Als Wirtschaftsförderin kann ich bei Erweiterungs- oder Modernisierungsvorhaben Beratung zu Förderprogrammen anbieten, Unterstützung bei der Fachkräftesuche oder der Besetzung von Ausbildungsstellen und zu vielen Fragen passende Kontakte vermitteln.“ Darüber hinaus wolle sie aber auch erste Anlaufstelle, Wegbereiterin und Unterstützerin bei Ansiedlungsvorhaben sein. „Ich kann dabei unterstützen, geeignete Standorte und Immobilien zu finden, Kontakte zu vermitteln und Netzwerke aufzubauen.“

Veränderungen in der Wirtschaftsförderung der Stadt Weißwasser

Die neue Wirtschaftsförderin der Stadt Weißwasser ist Maria Schiller. Die 35-Jährige stammt aus Spremberg und wohnt seit vier Jahren in Weißwasser. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus - Senftenberg war sie in der Klosterbrauerei Neuzelle verantwortlich für Marketing, eCommerce und Recruiting, arbeitete anschließend bei Stölzle Lausitz als Online Marketing Managerin.

Thorsten Rennhak hatte in den vergangenen 18 Jahren eine geteilte Funktion - er besetze eine halbe Stelle in der Wirtschaftsförderung, bildete mit der anderen Hälfte seiner Stelle die Verbindung zum Referat Bau und Stadtplanung, um insbesondere die vielen Querverbindungen von Bau und Wirtschaftsförderung zu nutzen. Der Bauingenieur übernimmt auf eigenen Wunsch ab 2024 die Leitung des Sachbereichs Bau/Tiefbau von Heike Zwanzig, bleibt aber der Stadtverwaltung mit seiner Expertise und als Schnittstelle innerhalb der Referate erhalten, so Pressesprecher Wulf Stibenz, der auch Leiter der Stabsstelle und damit Chef von Wirtschaftsförderung und Citymanagement ist.

Es aber ein Zusammenspiel vieler Akteure, um Investoren an Weißwasser zu binden, die vorhandenen Strukturen zu stärken und Potenziale zu nutzen, hebt Stibenz hervor. Dazu gehöre die Entwicklungsgesellschaft Niederschlesien Oberlausitz mbH (Eno), an der neben dem Landkreis Görlitz (75 Prozent) auch die Stadt Weißwasser (20 Prozent) und die Stadt Bad Muskau (5 Prozent) beteiligt sind, und die über ein schlagkräftiges Team verfüge, so Stibenz. Auch bei Fragen, Fördermittelanträgen und der Meinungsbildung bei Großprojekten sei Eno für die Stadt ein wichtiger und sehr verlässlicher Partner. Die Wirtschaftsförderung lebe vom Austausch, von Netzwerken über Grenzen hinweg - die für die Menschen in ihrem Alltag oftmals nicht relevant seien.

Wirtschaftsförderung in Weißwasser: Demografie als Herausforderung

Die größte Herausforderung bleibe die demografische Situation und die damit verbundene weiter sinkende Einwohnerzahl. „Eine enorme Zahl von Fachkräften wird durch geplante Verrentung für den Arbeitsmarkt und die Unternehmen verloren gehen“, so Stibenz. Es sei daher von zentraler Bedeutung, dass Weißwasser neue Stärken und Anziehungskräfte entwickelt, um Strukturbrüche, Insolvenzen und Abwanderungen abwenden zu können.

Das Wirtschaftsförderkonzept, das Anfang des Jahres dem Stadtrat vorgestellt werden sollte, werde nun um Punkte aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) und um Ansätze von Maria Schiller erweitert, soll eventuell von einer Arbeitsgruppe mit Stadtratsmitgliedern weiterentwickelt und im besten Fall in der zweiten Jahreshälfte 2024 dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden. Manches werde sich besser abschätzen lassen, sobald sich abzeichnet, ob die dann beantragte Personalförderung über den Bund so kommt wie erhofft. Die Stadt hofft auf vier Stellen, unter anderem inhaltlich im Bereich Bildung, Marketing, Wirtschaftsförderung und Controlling.

Wirtschaftsförderung in Weißwasser: Neue Ansätze mit neuer Mitarbeiterin

Maria Schiller hatte will im kommenden Jahr Analysen und Gespräche fortsetzen, „um Bestehendes weiterzuentwickeln oder ganz neue Formate zu erarbeiten“. Neu sei beispielsweise, dass ein Rundschreiben kurz und knapp Informationen zu aktuellen Förderprogrammen und Veranstaltungen liefert. Dies geschehe nicht regelmäßig, sondern immer dann, wenn es wesentliche Themen gibt.

Man wolle einen echten Mehrwert zu schaffen und das Wissen der Verwaltung den Unternehmen zur Verfügung stellen. Dazu gehört auch der Unternehmerabend, bei dem sich Maria Schiller vorstellte. Alternativ dazu soll es Anfang 2024 ein Unternehmerfrühstück geben - für jene, die abends nicht können. Zu jedem Termin soll es einen anderen Themenschwerpunkt geben.

Rückkehrertag wird nun auch zum Karriertag

Beim Rückkehrertag kurz nach dem Familienfest Weihnachten sollten vor allem Menschen wieder zurück in die Lausitz gelockt werden. Erstmals soll am Mittwoch, 27. Dezember 2023, der Rückkehrertag mit einem Karrieretag verbunden werden. Er findet von 13 bis 16 Uhr im Traditionsraum der Eisarena statt - also an einem neuen Ort. Mit dem neuen Konzept sollen Schüler und Studenten ebenso angesprochen werden wie Menschen, die einen anderen Job suchen. Falls Unternehmen sich nicht mit Personal beteiligen können, bietet die Wirtschaftsförderung der Stadt an, Stellen- und Ausbildungsangebote beim Rückkehrer- und Karrieretag auszuhängen. Von 160 eingeladenen Unternehmen gab es 16 Zusagen, von Stölzle Lausitz und Kreisel in Krauschwitz bis hin zum innovativen Gründerunternehmen Lausitz Energy Systems aus Weißwasser. Außerdem sind Jobcenter und Handwerkskammer vor Ort.