Von Christian Köhler

Eine eigentlich erfreuliche Entwicklung bringt die Gemeinde Rietschen nun in Handlungsnot. Die Geburtenzahlen in der Gemeinde sind in den vergangenen Jahren gestiegen und mehr und mehr Eltern nutzen das Angebot der Gemeinde und schicken ihre Kinder in den Hort. Derzeit, so führt Hauptamtsleiterin Carolin Hoffmann aus, hat der Hort an der Grundschule im Riet-
schener Ortsteil Daubitz eine Kapazität von 95 Plätzen. Fünf davon sind bereits zusätzlich durch den Landkreis genehmigt. Vonseiten der Kita werden weitere 25 Hortplätze benötigt.

„Wir hatten eigentlich vorgesehen, durch einen Umbau weitere Plätze zu schaffen“, so die Hauptamtsleiterin, „aber das wird nicht funktionieren.“ Schließlich müssten Bauvorschriften eingehalten werden. Dazu etwa zählen separate Garderoben und eine barrierefreie Toilette, um die Integration von Kindern mit einem Handicap zu ermöglichen. „Und wir werden im kommenden Schuljahr eine Vollauslastung des Hortes haben“, berichtet Carolin Hoffmann weiter. Dabei erinnert sie während der jüngsten Ratssitzung daran, dass das Vorhalten eines Hortplatzes zu den Pflichtaufgaben einer Kommune zählt – ab 2022 auch die Integration von behinderten Kindern. „Bislang ist unser Hort aber nicht barrierefrei. Auch fehlt ein Personalraum und eine Behindertentoilette“, erklärt sie weiter. Deshalb schlägt sie im Namen der Gemeindeverwaltung einen Anbau am Hortgebäude vor. Die vorläufige Kostenschätzung dafür beträgt 550 000 Euro. „Wir nutzen diese Ratssitzung dafür“, richtet sich Carolin Hoffmann an die Räte, „um mit Ihnen eine langfristige Lösung für den Hort zu diskutieren.“

Spontan meldet sich Gemeinderat Torsten Lorenscheit (WfR) zu Wort. Er erkundigt sich, was für eine Art Dach am Anbau errichtet werden soll. „So weit sind wir noch nicht“, entgegnet Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos). Zunächst erst einmal müsse geklärt werden, was für Räume benötigt und was für Kosten auf die Gemeinde zukommen werden. Bei den Kosten wiederum sind Sorgenfalten auf der Stirn von Gemeinderat Helmut Perk (Freie Wähler) zu sehen. „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel Geld in die Hand genommen“, sagt er. Allein der Kinoumbau, hier liegen die Kostenschätzungen bei rund 1,3 Millionen Euro, der Anbau an der Fema für die Freie Schule Rietschen, der geplante Turnhallenanbau, die Errichtung eines Mehrgenerationswohnhauses und und und. „Ich würde gern der Verwaltung den Auftrag geben, dass sie sich zunächst um Fördermittel für den Anbau bemühen soll“, so Perk.

Torsten Lorenscheit dagegen meint, dass es „doch recht unrealistisch klingt, dass bis zum kommenden Schuljahr der Anbau steht“. Immerhin haben die Arbeiten beim Anbau an der Kita „Kleine Strolche“ noch nicht einmal begonnen. „Wir brauchen sicherlich Zeit für eine vernünftige Finanzierung“, so Ralf Brehmer. Er erinnert in diesem Zusammenhang: „Die gute Auslastung des Hortes ist nicht zuletzt Ergebnis unserer Politik.“ Immerhin hat Rietschen seit Jahren die Kosten für einen Platz niedrig gehalten – es sind die niedrigsten im gesamten Landkreis.

„Und die Eltern nehmen dies gern in Anspruch.“ Das, so antwortet Helmut Perk, „haben wir ja auch gewollt“. Trotzdem müsse es bezahlbar bleiben. „Also ist der Neubau wohl alternativlos“, kommentiert Gerd Wenzel (Freie Wähler) und fragt, was passiert, wenn die Nachfrage noch weiter steigt. „Deshalb haben wir uns für eine modulare Bauweise ausgesprochen, die erweitert werden kann“, so Brehmer. Anschließend ist lange darüber diskutiert worden, wie hoch eine Förderung sein müsste, damit der Rat dem Vorhaben zustimmt. Tillmann Havenstein (CDU) stellt dabei den Antrag, die Gemeindeverwaltung erst einmal mit der Fördermittelakquise zu beauftragen, „bevor wir über ungelegte Eier reden“.

Letztlich stimmt der Gemeinderat dem Antrag zu. Wohlwissend, dass die Arbeit der Verwaltung damit nicht weniger werden wird. Wann der Ausbau am Hort beginnt, steht noch nicht fest.