Wahl 2024 in Weißwasser: OB Torsten Pötzsch zieht Kandidatur zurück - das sind die Gründe

Torsten Pötzsch ist Oberbürgermeister von Weißwasser. Eine Kandidatur für eine dritte Amtszeit wird es nicht geben. Das macht der Klartext-Mann nun bekannt.
Regina WeißKurz nach 4 Uhr ist die E-Mail raus, mit der Torsten Pötzsch eine Entscheidung öffentlich macht, die auch vor der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 noch eine große Auswirkung haben könnte. Er wird nicht ein drittes Mal für das Amt als Oberbürgermeister von Weißwasser antreten.
Schon mehrere Wochen hatte der Klartext-Politiker in der Öffentlichkeit seine Amtsgeschäfte nicht mehr wahrnehmen können. Er selbst nannte jetzt einige Gründe dafür.
Es ist bei ihm nicht nur eine zunehmende Zahl von Anfeindungen, dies es gegeben habe. Pötzsch macht von sich aus öffentlich, dass es Veränderungen im persönlichen Umfeld gab und auch seine gesundheitliche Situation eine Rolle spielt.
OB Torsten Pötzsch macht Trennung von seiner Frau öffentlich
Neben der Trennung seiner Lebensgefährtin, mit der er zwei Kinder hat, spielt vor allem ein mehrfach aufgetretener Bandscheibenvorfall eine Rolle, bei dem laut Pötzsch noch nicht klar sei, ob operiert werden muss und wie lange der Genesungsprozess dauern wird. Er spricht von Wochen oder Monaten, die der Genesungsprozess dauern könne.
Pötzsch erläutert: „Die Schmerzen im Rücken und im Bein sind so groß, dass ich derzeit trotz Medikamenten kaum länger sitzen oder stehen kann. Diese Situation beeinflusst mich ebenfalls mental sehr stark.“ Dies seien keine guten Voraussetzungen dafür, die anstehenden Großprojekte und Herausforderungen anzugehen, weil die Situation nicht einfacher werden dürfte, verweist er auch auf Gerüchte und Anfeindungen.
„Dieses besondere Amt benötigt mentale Stärke und einen sicheren familiären Hafen als Basis und dies gerade in der heutigen, so stark gewandelten Zeit und der gesellschaftlichen Veränderungen“, so Pötzsch. „Zudem steht für mich persönlich die Frage im Raum, ob ich die oben genannten Werte meiner beiden Legislaturperioden voller Überzeugung als Leitbild meines Tuns und Handelns ohne den persönlichen Rückenhalt meiner Familie weiter nach außen vertreten kann.“
OB gibt eine indirekte Empfehlung für die Wahl
Indirekt gibt Pötzsch auch eine Empfehlung für die am 1. September 2024 stattfindende Oberbürgermeisterwahl. „Eben weil diese Projekte und Vorhaben, die begonnenen und die zukünftigen, mir so wichtig und bedeutsam für Weißwasser/O.L. sind, müssen diese von einer geeigneten, demokratiefreundlichen, souveränen und charismatischen Person fortgeführt werden, die aktuell dafür die besten Voraussetzungen mitbringt. In meiner derzeitigen körperlichen und mentalen Verfassung bin ich das leider nicht.“ Um dieses Amt auszufüllen und hier bestehen zu können, müsse diese Person ebenfalls nahbar, offen, tolerant, bürgernah, dienstleistungsorientiert, stark regional vernetzt und mit aller Kraft für und nicht gegen die Einwohner und Einwohnerinnen von Weißwasser respektvoll agieren „und dies ebenfalls im Umland sowie in unserer gesamten Lausitz“.
Er selbst wolle sich wieder einbringen, wenn er gesundheitlich dazu in der Lage sei. Dem Stadtrat wird er aber in den kommenden fünf Jahren allerdings nicht angehören, da er nicht auf der Kandidatenliste steht. Doch der Weißwasseraner deutet an, wohin die Reise gehen könnte. „Ich werde mich mit meinem Wissen, den aufgebauten regionalen und überregionalen Netzwerken weiter einbringen und mich der positiven, lebensbejahenden, enkeltauglichen, herzlichen Weiterentwicklung meiner Heimatstadt Weißwasser/O.L. und unserer Lausitz widmen – egal an welcher Stelle, ob im neuen Job, in unseren Vereinen, in der Kultur oder im Sport“, schreibt der 53-Jährige.
Bis Ende Juni 2024 können sich noch Kandidaten für die am 1. September 2024 stattfindende OB-Wahl melden. Bislang gibt es zwei Kandidaten - die SPD-Ortsvorsitzende Katja Dietrich will als unabhängige Kandidatin antreten, ansonsten hat die AfD David Kreiselmeier aufgestellt.
Klartext hält sich für OB-Wahl noch alle Optionen offen
Die Wählervereinigung Klartext, der Pötzsch angehört, wird offiziell erst in den kommenden Tagen darüber beraten, wie sie sich mit Blick auf die im September anstehende OB-Wahl aufstellt. Das erklärte Klartext-Fraktionsvorsitzender Timo Schutz am Donnerstagnachmittag in einer schriftlichen Erklärung, die Pötzschs Arbeit für die Stadt und für die Lausitz würdigte. Er sei auch „für die künftige Zusammenarbeit mit Klartext mit seinen Erfahrungen, Netzwerken und guten Zukunftsideen unersetzlich“.
Ob Klartext einen anderen Kandidaten oder eine andere Kandidatin ins Rennen schickt, ist damit offen - und auch, ob vor der Kommunalwahl am 9. Juni noch eine Entscheidung fällt oder bekannt gegeben wird. Das sähe dann wahrscheinlich auch zu sehr danach aus, dass man schon mit dem Rückzieher gerechnet hätte. Zum anderen kann die Wählergemeinschaft, die bislang die stärkste Fraktion im Stadtrat stellte, so das Ergebnis der Wahl abwarten - und dann möglicherweise bis Ende Juni strategisch entscheiden, ob man einen eigenen Kandidaten aufbaut oder sich als Unterstützer für andere anbietet.


